Würstel enthalten in der Regel auch Rindfleisch. 250 g davon brauchen so viel Wasser wie die Gewinnung von Lithium für einen 64-kWh-Akku. (Bild: Fotolia)

Ein Steak oder zehn Avocados:

Der Akku des Elektroautos ist besser als sein Ruf

Gegen Elektroautos wird häufig vorgebracht, dass ein Hauptbestandteil des Akkus, Lithium, bei der Gewinnung zu viel Wasser brauche. Das wiederum belaste die Umweltbilanz des E-Autos massiv. Setzt man die Mengen an Wasser, die man für Lithium braucht, jedoch in Relation zur Gewinnung anderer Güter, entsteht der Eindruck, dass die Elektromobilität absichtlich schlechtgeredet wird. Der Berliner Tagesspiegel hat mit dem Direktor des Helmholtz-Institutes für elektrochemische Energiespeicherung in Ulm, Maximilian Fichtner, über die Ökobilanz der Akkus gesprochen. Fichtner zeichnet ein Bild, das viel mehr das aktuelle Konsumverhalten und die Erdölindustrie als das Elektroauto schlecht dastehen lässt.

von Moritz Hell

 

Der Wissenschaftler geht von einem 64-kWh-Akku aus. Diese Kapazität haben beispielsweise die Kia-E-Modelle Niro und Soul und ein durchschnittlicher Tesla Model 3. Der Lithium-Abbau für einen solchen Akku kostet laut Fichtner 3.840 Liter Wasser. Das ist die gleiche Menge, die bei der Herstellung von 250 g Rindfleisch anfällt. Auch zehn Avocados oder eine halbe Jeans brauchen so viel Wasser. Statt das Elektroauto zu verteufeln, könnte man also schlicht weniger Fleisch essen oder das eigene Kaufverhalten hinterfragen. Was in der Debatte weiters oft vergessen wird: Die Ölgewinnung hat selbst enorme Auswirkungen auf die Umwelt – und diese werden in Zukunft noch ärger sein als bisher, prophezeit Fichtner. Wer kritisiert, dass die Lithiumgewinnung in Südamerika zu Wasserknappheit führt, sollte nicht die Augen vor dem verseuchten Nildelta oder der Ölpest im Golf von Mexiko verschließen. Während aber die Methoden der Lithiumgewinnung nachhaltiger und effizienter werden, ist beim Öl das Gegenteil der Fall. Dazu trägt unter anderem die Knappheit dieses Rohstoffes bei; die Orte, an denen er zu finden ist, verlangen immer aufwändigere Methoden. Auch scheint es, die letzten Ölreserven der Erde müssten möglichst preisgünstig ausgeschöpft werden. 2025, sagt Fichtner, werde das Öl aus „unkonventionellen Quellen“ geholt werden. Dazu zählen die Tiefsee und die Arktis, auch das Fracking nennt der Chemiker. Die nackten Zahlen sprechen Bände. „Derzeit werden weltweit 17,5 Milliarden Liter Öl pro Tag verbraucht. Für die Förderung sind 46 Milliarden Liter Wasser notwendig“, schreibt der Tagesspiegel. „Mit dieser Menge könnte man Lithium für 1,5 Millionen große Tesla-Akkus gewinnen – jeden Tag“, rechnet Fichtner vor. Da ist die Recyclingfähigkeit nicht einkalkuliert. Denn im Gegensatz zu Benzin oder Diesel können Akkus recycelt werden.
Batterie schlägt Wasserstoff
Im Vergleich mit Wasserstoff stiegen E-Autos ebenfalls besser aus, befindet Fichtner. 800 TWh betrage derzeit der Endenergieverbrauch des Verkehrs. Doch mit nur 200 TWh könne man komplett auf batterieelektrische Mobilität umstellen, erklärt Fichtner, und das, obwohl heutzutage diesel- und benzinbetriebene Autos die krasse Mehrheit stellen. Der Wasserstoffantrieb verlange beim derzeitigen Stand der Technik jedoch 1.000 TWh. Man könnte freilich behaupten, dass Maximilian Fichtner so argumentiert, weil er selbst zu elektrochemischer Energiespeicherung forscht. Das macht den Verzehr von Rindfleisch und das Fahren eines Benziners aber nicht nachhaltiger. Quelle: Der Tagesspiegel
Responsive image Moritz Hell (Redaktion)

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