Da ist er! Das ist für mich die »next generation« an Fortbewegungsmitteln. Mich erinnert der Honda e an Wall-E, den kleinen Roboter aus dem Film der Pixar Animation Studios.

Der Honda e schiebt an – Fahrdynamik der Extraklasse:

Kreisverkehr, wir kommen!

Okay, ich geb´s zu: Für mich war es »verliebt sein« auf den ersten Blick. Ja, ich hatte mich schon in sein Äußeres »verguckt«, als ich ihn zum ersten Mal auf Pressefotos gesehen hatte. Aber das Live-Erlebnis war dann doch etwas Besonderes. Wie er dann da stand, in einem wunderschönen Blauton, die Form seiner Karosserie, die mich seit dem ersten Augenblick an Wall-E, den kleinen Roboter aus dem Film der Pixar Animation Studios erinnerte und die opulenten Armaturen, die zum ersten Mal – seit Tesla den Großteil der Bedienfunktionen im 3er dem zentral positionierten Tablet übertragen hatte – neu definiert wurden. Wenn er da nicht auch seine Macken hätte, wäre aus dem »Verliebtsein« vielleicht auch noch ein wesentlich tieferes Gefühl entstanden. Doch davon später – wenn ich nach dem Schwärmen über den »Honda e« dann doch wieder den Boden unter den Füßen finde.

von Thomas Buchbauer

Es kommt selten vor, dass einem die Blicke der Fußgänger folgen, oder andere Autofahrer einem Daumen nach oben zeigen – wegen eines Autos wohlgemerkt. Der Honda e hat eindeutig Charisma. Klar scheiden sich auch beim kleinen Stromer aus Japan die Geister – aber der Großteil der Personen, auf die ich in den drei Wochen, in denen ich mit ihm unterwegs war, traf, war positiver Dinge.
Es kommt auch selten vor, dass ich mich bei einem Elektroauto derart vom äußeren Erscheinungsbild einnehmen lasse und Key-Elemente wie Reichweite und Lade-Performance in den Hintergrund rücken, aber der Honda e ist nun einmal ein Hingucker. Womit wir auch schon beim Thema wären. Denn aus meiner Sicht ist der Honda e das prädestinierte Zweitfahrzeug. Denn mit seinem 35-kWh-Akku und der daraus zur Folge relativ geringen Reichweite von 220 km nach WLTP ist der Honda e kein klassisches Reisefahrzeug. Nachdem ich mittlerweile bereits ein paar Jahre elektrisch fahre und schon einige Stromer auf meiner Testliste zu finden sind, hätte ich zwar auch keine Bedenken, weitere Distanzen zurückzulegen – denn die (unnötige) Angst, mit leeren Akkus liegen zu bleiben, habe ich schon längst hinter mir gelassen – als Tourer würde ich trotzdem eher auf andere Elektroauto-Modelle zurückgreifen. Womit wir wieder bei der leidigen Diskussion angelangt wären, wie lange die durchschnittliche Strecke, die ein Ausfahrer täglich zurücklegt, tatsächlich ist – aber darauf will ich mich an dieser Stelle gar nicht einlassen.

Fakt ist, dass die Akkukapazität des Honda e für die Strecken, die ich mit ihm in Wien und im Umland unterwegs war, locker ausreichte. Im Gegenteil – ich hatte sogar das Gefühl, dass der Honda e mit seiner Reichweitenangabe, die er mir über das Display vermittelte, etwas zu pessimistisch war.
Nichtsdestotrotz: Wer sich in der glücklichen Situation befindet, zu Hause eine Wallbox installieren lassen bzw. in der Garage des Mehrparteienhauses, in dem man wohnt, auf eine Lademöglichkeit zurückgreifen zu können, oder aber am Arbeitsplatz eine Ladestation zur Verfügung zu haben, dem sei gesagt: Die Reichweite-Performance eines Honda e ist völlig ausreichend, für nahezu alle Fahrten. Wenn man dann auch noch den CO2-Fußabdruck eines Elektroautos in Betracht zieht, könnte das Fazit auch lauten, dass gerade Akkus dieser Größenordnung im Vergleich zu den 60-kWh-Batteriepacks (und größer) deutliche Vorteile für die Umwelt bieten.
Warum ich den Honda e in die Kategorie »Stadtflitzer« eingereiht habe, ist nicht nur seiner Reichweite geschuldet. Besondere Freude bereitete er mir während unserer gemeinsamen Stadtabenteuer, wenn wir die Richtung in manch engen Gassen der Bundeshauptstadt ändern mussten. Sein Wendekreis (laut Herstellerangaben 8,6 m) ließ mich ihn jedes Mal feiern (um es in der Sprache meiner 15-jährigen Tochter zu formulieren)!

Zurück zur Reichweiten-Thematik

Schwächen hat der Kleine allerdings in Sachen Lade-Performance. Während die Angaben des Herstellers lauten, dass er mit einem Schnellladegerät (DC) in knapp 31 min auf 80 % der Batteriekapazität aufladen kann, habe ich beim Laden an der Ultra-Schnellladestation von Smatrics am Alten Landgut in Wien folgende Erfahrung gemacht.
Hier meine Erfahrungswerte – ich kam mit:

  • einem Akkuladestand von 21 % und 34 km Restreichweite an der Ladestelle an – das Display zeigte eine Ladedauer von 1:10 an
  • 90 % und 147 km Reichweite hatte der Honda e nach 43 min geladen (Restladedauer-Anzeige 0:18)
  • bei 92 % und 151 km Reichweite brach ich den Ladevorgang nach 46 min ab
  • geladen habe ich laut Display der Smatrics-Ladestation in 44 min (hier ticken die Uhren anders) 21,76 kWh

Mit anderen Worten: Die Kombination aus Smatrics Ultra-Schnellladestation und Honda e schaffte bei einer Außentemperatur von 17° C in 46 (bzw. 44) Minuten eine Reichweitensteigerung von gerade mal 117 km. Nicht gerade üppig. Und bitte erzählt mir jetzt nicht, dass es über 80 % länger dauert (Schnarchladen). Ich weiß das – aber bei einem 35-kWh-Akku und einer maximalen Reichweite von 220 km neigt man dann doch, voll zu laden.
Apropos Laden: Wer beim Honda e das Ladeboard am Kühler oder an den Seiten des Fahrzeuges vermutet, der kann hier lange suchen. Fündig wird man vielmehr auf der Motorhaube – per Knopfdruck öffnet sich die Klappe und gibt den Blick auf die Typ2- bzw. die CCS-»Dose« frei. Für die Vorsichtigen, die den Sicherheitsgedanken hochhalten, gibt es von Honda übrigens als Zubehör eine Haube, um die Ladevorrichtung während des Ladens vor Feuchtigkeit zu schützen.

Haltet euch an!

Der Honda e ist ein »Hecktriebler«! Ja, im Gegensatz zu den meisten anderen am Markt erhältlichen Stromern wird der kleine Japaner von zwei E-Motoren (136 PS bzw. 154 PS im Modell Advance mit 315 Nm bei einem Gewicht von rund 1.500 kg) an den Hinterrädern angetrieben. Das erlaubt natürlich vor allem den sportlich ambitionierten Fahrern Möglichkeiten zu besonderen Erlebnissen (ja, er schmeißt das Heck nach Wunsch schon mal!).

Wohnzimmeratmosphäre

Schon vor dem Öffnen der Fahrzeuge sticht das »Side Camera Mirror«-System ins Auge. Mit anderen Worten: Auf klassische Rückspiegel wird beim Honda e verzichtet – sie werden durch hochauflösende Kameras ersetzt. Und so viel sei gesagt: Die Mirrors sind tatsächlich hochauflösend. Das merkt man spätestens, wenn man im Innenraum Platz genommen hat und die Systeme hochgefahren sind. Die Displays, auf denen die Liveshow über das Geschehen hinter einem zu sehen ist, sind am linken und rechten Außenrand des überbordenden Armaturenbretts (das Wort wird der Technik überhaupt nicht mehr gerecht; also ändern wir es in »Kommandozentrale«) positioniert und verschaffen dem Fahrer einen perfekten Überblick.
Fast schon zu perfekt. Ich persönlich war im ersten Moment etwas überfordert – »Reizüberflutung« könnte man dazu sagen. Aber schon nach ein paar Ausfahrten war es das Normalste der Welt, beobachten zu können, wie die Bilder nahezu aller Verbrenner (ein paar Ausnahmen gibt es ja doch noch, die mit einem Stromer der Klasse eines Honda e mithalten können) hinter mir nur durch kurzes Tippen am Gas im Nu am Horizont verschwanden. Abgesehen von der optischen Aufwertung des Fahrzeuges durch das »Side Camera Mirror«-System (ja, es passt nun einmal besser als Nullachtfünfzehn-Rückspiegel zu einem innovativen Fahrzeug wie den Honda e!) haben die Kameras noch drei weitere Vorteile. Zum einen verringert sich durch ihre Verwendung der tote Winkel, Luftwiderstand und Windgeräusche werden deutlich reduziert und zum anderen wird das Fahrzeug (im Vergleich zu Rückspiegeln) auch schmäler – die Mirrors ragen nicht über die Fahrzeugbreite hinaus. Wer also Angst davor hat, die Kameras schon beim nächsten Garagenbesuch zu beschädigen, der sei hiermit beruhigt!

Das ist kein Armaturenbrett – das ist eine Kommandozentrale. Die Features des Honda e sind derartig vielfältig, dass wir es leider nicht schaffen, sie an dieser Stelle aufzulisten.

Schau dir dieses Display an!

Nein, schau dir dieses Display in Kombination mit dem Interieur an! Das Holz erinnert mich ein wenig an mein Model 3. Aber während der Tesla alle Funktionen und Anzeigen zentral gebündelt hat und der Rest beinahe puristisch wirkt, habe ich beim Honda e das Gefühl, im Kino zu sitzen, aber gleichzeitig nicht auf den Komfort meines Wohnzimmers verzichten zu müssen. Das hat Klasse! Die Anzahl der Funktionen, die wir in der Kommandozentrale (zwei unabhängig voneinander bedienbare 12,3-Zoll-Touchscreens sowie das Hauptdisplay direkt vor dem Lenkrad) bedienen können, ist derartig umfangreich, dass sie den Rahmen an dieser Stelle sprengen würde.

Ich muss an dieser Stelle leider Schluss machen – sonst bekomme ich von meinem Grafiker wieder einmal den erhobenen Zeigefinger präsentiert (unser Platz in der Printausgabe ist leider limitiert). Aber eines kann ich auf jeden Fall noch tun: Macht euch einen Probefahrt-Termin beim nächsten Honda-Händler aus! Es zahlt sich aus, mit dem Honda e auf Tuchfühlung zu gehen!

Fazit: Wer auf große Reichweiten verzichten kann, der ist beim Honda e gut aufgehoben. Ich persönlich würde mich auf eine größere Batterie freuen! Aber angesichts der riesigen Palette an Funktionen, die Honda den Käufern des Honda e alleine mit der Serienausstattung bereitstellt, ist mein kleiner Wall-E sicherlich eines der hochwertigsten und faszinierendsten Elektroautos, die ich bisher testen durfte.
Übrigens, für die Basisversion mit 100 kW (136 PS) muss man 35.690 Euro und für die Version »Advance« 38.690 Euro (plus) rechnen. Laut www.honda.at ist mit dem E-Mobilitätsbonus von bis zu 3.300 Euro aus der Förderaktion des Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung ein Einstiegspreis für den Honda e von 32.390 Euro möglich.

Weitere Informationen unter www.honda.at

Responsive image Thomas Buchbauer (Redaktion)

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