Preiserhöhung bei DC-Laden
Aus der Traum vom günstigen Schnellladen? Die Preiserhöhung von Ionity hat die Elektromobilität sehr rasch aus allen Wolken fallen lassen. Wir stellten uns die Frage, was hinter der Maßnahme noch stecken kann. Übrigens, ja – die Ionity-Ladesäulen sehen anders aus. Wir fanden dieses Foto jedoch viel treffender! Foto: RS Studios/Adobe Stock

Was hinter der Maßnahme von Ionity stecken könnte:

Preiserhöhung bei DC-Laden

Handelt es sich um ein von langer Hand geplantes Foul der deutschen Autoindustrie? Während in Davos die Staatschefs davor zittern, dass ihnen Greta Thunberg einmal mehr die Show stiehlt, geraten umweltbewusste Konsumenten abseits der politischen Bühne zwischen die Fronten der Fahrzeugindustrie. Nicht gerade zum Vorteil für die Umwelt, wie wir meinen.

von Thomas Buchbauer

Sie haben sichtlich keine Freude daran, dass sie »gezwungen« werden, die Modellpaletten um Elektrofahrzeuge zu erweitern. Anlässlich der Vienna Autoshow fand der Vorsitzende von Österreichs Autoimporteuren, Günther Kerle, klare Worte, wie er und seine Mitstreiter der Autoindustrie zu den EU-Maßnahmen, den CO2-Ausstoß reduzieren zu müssen, stehen.

Der von Brüssel vorgegebene Flottenmix von 95 g CO2/km wird für die Fahrzeugbauer heuer noch schlagend, was dazu führt, dass sie händeringend nach Lösungen suchen, der Misere zu entkommen. Es ist naheliegend,…

… dass sie jede Möglichkeiten ergreifen werden, mit ihren Fahrzeugmodellen mit Verbrennungsmotoren so lange wie möglich im Geschäft zu bleiben. Zu viel hat man über die Jahre in diese Technologien investiert und damit Milliarden verdient, um einfach so klein beizugeben und das Feld zu räumen.
Ein beeindruckendes Ladestellennetz
Unter dem Vorwand, den Konsumenten den Einstieg in die Elektromobilität zu erleichtern, schlossen sich die BMW Group, Daimler, Ford und die Volkswagen Gruppe zum Ladenetzbetreiber Ionity zusammen, mit dem Resultat, eines der größten Ladenetze der letzten Jahre aus dem Boden gestampft zu haben (laut Ionity 203 Stationen live und 53 in Bau). Mit großen Vorteilen für die Konsumenten, wie man anzunehmen hoffte. Das Unternehmen platzierte seine Ladeinfrastruktur an strategisch wichtigen Verkehrsknoten und verlangte eine vergleichsweise günstige Pauschale von 8 Euro pro Ladevorgang (rund 11 Cent/kWh für eine 70 kW-Ladung). Dass es beim »Willkommenstarif« nicht ewig bleiben würde, lag auf der Hand. Mit einer Preiserhöhung auf 79 Cent pro kWh ab Ende Jänner nimmt man der Elektromobilität allerdings nun eines ihrer stärksten Argumente – die geringen Betriebskosten. Denn ab sofort kostet der Ladevorgang eines 70 kW-Akkus (falls man ihn von 0 auf 100 % laden würde) an den Ionity-DC-Ladestationen ganze 55 Euro (!).
Ausnahmen bestätigen die Regel
Während der Strompreis für Österreichs Haushalte aktuell im Durchschnitt bei rund 20 Cent pro Kilowattstunde (je nach Bundesland – in Deutschland sind es rund 33 Cent) liegt, sollen Fahrer von EVs künftig an den Ionity-DC-Chargern 79 Cent (!) bezahlen. Mit einer Einschränkung: Für die Ladetarif-Kunden von BMW, Porsche und Daimler gelten weiterhin andere Preise – sie bezahlen zwischen 30 und 33 Cent/kWh. Fahrzeug-Besitzer eines VW-EVs bezahlen Stand 17. Jänner 2020 8,40 Euro pro Ladevorgang. Mit anderen Worten: Wer kein Modell dieser Marken sein Eigen nennt, der wird bei Ionity (aber auch bei vielen anderen DC-Ladenetz-Anbietern) künftig zur Kasse gebeten – inwieweit es sich dabei um einen legitimen Schritt handelt, werden andere entscheiden. Ob es in Anbetracht der Sachlage einzig und alleine darum geht, die »Eigenmarken« der Ionitiy-Gründungsunternehmen zu bevorzugen und die anderen von den Preisvorteilen auszuschließen, oder um weit mehr, ist aktuell Stoff für Diskussionen. Denn die Vermutung liegt nahe, dass völlig andere Gründe hinter dieser Handlung stecken: Vor allem Konsumenten, die sich nicht sicher waren, auf ein EV zu wechseln, könnten mit dieser Preiserhöhung abspringen und sich erneut für ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor entscheiden. Für die Hersteller wäre es lukrativ. Schließlich sind die Fabriken für Verbrennungsmotoren oder Getriebe längst profitabel und tragen Jahr für Jahr zum positiven Gesamtergebnis der Autokonzerne bei. Warum sollte man in Anbetracht dieser Fakten bereit sein, die Cashcow so rasch aufzugeben, wenn sich noch Wege finden lassen, sie ein paar Jahre weiter zu melken? Wechselwillige Fahrzeugkäufer werden es sich nun aller Voraussicht nach dreimal überlegen, in ein EV zu investieren und die ewigen EV-Pessimisten werden sich gestärkt sehen in ihrer Meinung, die Elektromobilität wäre eine Seifenblase, die ständig platzen könnte.
So kann's auch gehen…
PS: Wir laden unseren Tesla Model 3 weiterhin an unserer Schrack-Ladestation vor dem Verlagsgebäude und mit der Mehler-Wallbox in unserer Redaktionsaußenstelle in Bad Kleinkirchheim mit kostengünstigem grünen Strom sowie an den Tesla-Supercharger-Stationen (in naher Zukunft mit der V3-Generation auch mit 250 kW) (noch) kostenfrei.  
Responsive image Thomas Buchbauer (Redaktion)

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