Die »Dendo Drive Station« ist ein »One-Stop-Shop« für alles, was das »Elektro-Herz« begehrt. In Japan gibt es aktuell 70 davon, 130 weitere sollen noch folgen. (Bilder: Mitsubishi)

Mitsubishi denkt groß mit dem »Dendo Drive House«:

Ökosystem fürs Eigenheim

Mitsubishi begab sich auf Pressetour durch Europa – der Grund: Es gibt Neuigkeiten in Sachen Elektromobilität! Dabei stand nicht etwa die Ankündigung eines neuen Modells im Vordergrund, nein. Vielmehr war es das Ökosystem, das den Fokus der Diskussion bestimmte. Denn Mitsubishi bringt noch in diesem Jahr ein vollständiges Konzept für die eigenen vier Wände auf den Markt…

von Daniel Schöppl

Bereits im April 2019 veranstaltete Mitsubishi Motors eine kleine Reihe von Pressekonferenzen im Workshop-Stil quer durch Europa. In mehreren Städten wurden mit einer Handvoll ausgewählter Journalisten die Zukunftspläne des japanischen Automobilherstellers in puncto Elektromobilität diskutiert. Beim Event für die deutschsprachigen Medien im Hotel »Villa Kennedy« in Frankfurt, in dem einst auch der gleichnamige, berühmte US-Präsident residierte, war auch eCarandBike geladen. Als Gesprächspartner standen dabei Takashi Hiromatsu in seiner Funktion als »Assistant Division General Manager of Product Strategy Division« zur Verfügung, sowie sein Kollege und europäischer PR-Chef Daniel Georges Nacass, der die Veranstaltung eröffnete und Mitsubishi zu allererst von anderen Automobilherstellern abzugrenzen versuchte.

Anders als der »Rest«
Wenn wir bei Mitsubishi Motors Europe über Elektromobilität sprechen, ist das kein Thema, das wir erst vor fünf Jahren entdeckt haben. Wir haben mit der Forschung und der Entwicklung zu all diesen elektrischen Themen bereits vor mehr als 50 Jahren, im Jahr 1966, begonnen und können diesbezüglich auf einen großen Erfahrungswert zurückgreifen. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass wir die Elektromobilität im Gegensatz zu den meisten – wenn nicht sogar allen – Mitbewerbern nicht als Nebengeschäft betrachten. Für uns ist sie ein Kerngeschäft. Wir haben unsere Produkt- und Unternehmensstrategie neu gestaltet – entlang der Elektromobilität. Darüber hinaus ist Elektromobilität für uns nicht auf Autos allein beschränkt. Es gibt ein vollständiges Ökosystem und Autos sind nur ein Teil davon“, erklärte Nacass den Anspruch von Mitsubishi.
Erkenntnisse aus dem Outlander-PHEV-Release
Zu den Zukunftsplänen bezüglich Ökosystem äußerte sich Takashi Hiromatsu später noch ausführlicher. Davor lag es allerdings noch an PR-Chef Nacass, die Konzernerfahrungen zu teilen, die Mitsubishi mit seinem »Plug-in-Flagship«, dem Mitsubishi Outlander PHEV, seit dem »Release« im Jahr 2012 machte: „Weltweit haben wir fast 200.000 »Mitsubishi Outlander PHEV«-Kunden. Mit diesen Menschen unterhalten wir uns viel und diskutieren dabei, wie sie ihre Elektroautos benutzen. Dadurch erhalten wir beträchtliches Hintergrundwissen und Glaubwürdigkeit. Als wir den Outlander PHEV auf dem Pariser Autosalon 2012 vorgestellt haben, dachte niemand, dass dieses Konzept funktionieren würde. Seither hat sich allerdings einiges getan und auch wir haben große Fortschritte gemacht. Dabei möchte ich vor allem auf das Jahr 2018 eingehen, in dem aufgezeigt wurde, dass die gesamte Strategie, die wir hinter den Outlander PHEV und hinter unser »Ökosystem Elektromobilität« gesetzt haben, funktioniert. 2018 wurde der Outlander PHEV zum zweiten Mal in Folge der global meistverkaufte Plug-in-Hybrid-SUV.“ Der Blick auf die Verkaufszahlen zeigt: „Europa ist PHEV und PHEV ist Europa“, so Nacass. „Europa ist mit Abstand der größte Markt für PHEV. Japan entwickelt sich ebenfalls gut. Die Verkaufszahlen in Nordamerika sind hingegen noch eher gering. Das hat allerdings einen einfachen Grund: Wir hatten nicht genügend Kapazitäten, um den amerikanischen Markt zu bedienen. Das gesamte Volumen ging nach Europa, deshalb kam der Outlander PHEV in Nordamerika erst im Dezember 2017 auf den Markt. Aber auch dort beginnt es bereits zu funktionieren: Nur wenige Monate nach der Einführung wurde der Outlander PHEV zum meistverkauften Plug-in-Hybrid-Fahrzeug in Kanada. In Europa wurde er im Jahr 2018 mit 125.000 Einheiten zum vierten Mal in Folge der meistverkaufte Plug-in-Hybrid. Darüber hinaus ist das Auto unser europäischer Bestseller – wir verkaufen monatlich 3.000 Modelle.“ Nacass sieht sich in der Produkt- und Unternehmensstrategie bestätigt: „Für die meisten Hersteller ist der Bestseller in der Regel das kleinste Auto. Unser Bestseller ist unser »Flagship« und unser teuerstes Auto – ein guter Indikator für den Geschäftserfolg.“ Waren es anfangs noch die steuerlichen Anreize, die den Verkauf ankurbelten, zeige ein Blick nach Frankreich, dass das längst nicht mehr der Grund ist: „Nach und nach haben europäische Kunden entdeckt, was alles in dem Auto steckt. In Frankreich, einem unserer Top-Märkte, gibt es keine Steuervergünstigungen für Elektroautos oder Plug-in-Hybride. Zahlreiche französische Kunden kaufen den Mitsubishi Outlander PHEV also für das, was er ist und alle seine Vorteile, die er als Auto mit sich bringt.
»One-Stop-Shop« für alle Anliegen der Elektromobilität
Als Teil eines vollständigen Ökosystems brachte Mitsubishi im Jahr 2016 »Dendo Drive Stations« auf den japanischen Markt. „Die »Dendo Drive Station« ist ein »One-Stop-Shop« für alles, was elektrisch ist. Man kann hier Produkte und natürlich auch Services für das Elektroauto kaufen – ob vollelektrisch oder Plug-in-Hybrid. Gleichzeitig fungieren die »Dendo Drive Stations« unter anderem aber auch als Bildungszentrum, um den richtigen Umgang mit dem Elektroauto zu zeigen“, erklärt Nacass die Fortschritte von Mitsubishi über das Fahrzeug hinaus. In Japan gibt es etwa 600 Mitsubishi-Händler, wovon 200 zu »Dendo Drive Stations« umgebaut werden sollen – aktuell wurden Nacass zufolge bereits 70 konvertiert. [gallery type="columns" link="file" ids="75803,75802,75801,75799"]
Bidirektional für jedermann
Mit dem »Dendo Drive House« soll nun der nächste Schritt hin zu einem vollständigen Ökosystem gemacht werden: „Das »Dendo Drive House« ist ein technisches Paket, bestehend aus Solarmodulen, einem bidirektionalen Ladegerät, einer Heimbatterie und einem Energiemanagement-System. Das wird noch dieses Jahr bei Mitsubishi-Händlern erhältlich sein – zuerst in Japan und in ausgewählten Märkten in Europa. Das ist ein wirklicher Versuch, ein Ökosystem aufzubauen. Ich weiß, dass einige unserer Mitbewerber Ähnliches angekündigt haben. Der wesentliche Unterschied ist allerdings, dass es sich bei uns nicht um eine Ankündigung handelt, sondern bereits dieses Jahr eine echte Option ist“, so Nacass zu den unmittelbar bevorstehenden Zukunftsplänen. Nähere Details und dahinterliegende Überlegungen zum »Dendo Drive House« lieferte schließlich Takashi Hiromatsu, zuständig für die globale Elektromobilitätsstrategie der Mitsubishi Motors Corporation, der dafür extra aus Japan anreiste. „Die Prognosen der Energiepreise zeigen, dass der Öl- und der Strompreis in 20 Jahren mehr als doppelt so hoch sein werden wie heute“, führt Hiromatsu als einen der Gründe für den Bedarf neuer Lösungen an. Das Konzept, das sich hinter dem »Dendo Drive House« verbirgt, ist bei Mitsubishi unter dem Namen »V2X« bekannt – kurz für »Vehicle to X«. „Dabei kann das »X« vieles bedeuten. Das Fahrzeug kann sich mit allem verbinden und damit ein smartes Konstrukt bilden. »V to H« steht beispielsweise für »Vehicle to Home«. Das bedeutet, dass sich das Fahrzeug mit einem Einfamilienhaus verbinden und so geladen bzw. entladen werden kann, also bidirektional. Wenn wir das Auto nicht mit einem Haus, sondern einem Gebäude verbinden, heißt das »V to B« (Anm. d. Red.: »B« für »Building«). Es ist aber auch möglich eine bidirektionale Verbindung des Autos mit dem Stromnetz herzustellen – »V to G« (Anm. d. Red.: »G« für »Grid«). Bis »V to G« tatsächlich kommt, wird es allerdings noch dauern, weil es dafür gesetzliche Rahmenbedingungen benötigt, die aktuell noch nicht geschaffen sind. Der Mitsubishi Outlander PHEV ist aber bereits smart-grid-kompatibel“, erklärt Hiromatsu wohin die Reise hinsichtlich Ökosystem führen soll. „Wir haben zwei Möglichkeiten der Ladung – die »normale« AC-Ladung und die DC-Ladung. Wir bieten also auch bei einem PHEV die Möglichkeit der Schnellladung. Zusätzlich zu diesen beiden Ladeformen, haben wir auch zwei Funktionen zur Entladung. Das ist sehr einzigartig! Die AC-Entladung kann beispielsweise beim Camping verwendet werden, um die Kaffeemaschine oder andere Haushaltsgeräte zu betreiben. Die zweite Option ist die DC-Entladung. Durch den bidirektionalen Schnelllade-Adapter können wir bis zu 10 kWh entladen – das ist mehr Energie, als ein Einfamilienhaus an einem Tag verbraucht“, so Hiromatsu. „Mit zehn Autos können wir also zusammen insgesamt 100 kWh erzeugen. In Japan sind während der Sommerzeit sehr hohe Temperaturen und es herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit. Im August sind um 14 Uhr in unserem Büro alle Klimaanlagen eingeschaltet. In so einem Fall ist es dann möglich, mit den Autos den »Peak« zu senken – das ist »V to B«“, gibt Hiromatsu einen Einblick, wie im Hause Mitsubishi das Thema »Gesamt-Ökosystem« betrachtet wird.
Technikpaket erhöht Autonomie und senkt Spritverbrauch
Heute möchte ich aber über »V to H« sprechen oder, wie wir es nennen, das »Dendo Drive House«. Dabei handelt es sich um ein technisches Paket, bestehend aus Solarmodulen, einem bidirektionalen Ladegerät, einer Heimbatterie und einem Energiemanagement-System. Die Technologie dafür existiert in Japan bereits seit fünf Jahren, allerdings waren die Komponenten bisher sehr teuer, sodass die Amortisation mehr als 30 Jahre beträgt. Dieses Jahr haben wir es allerdings geschafft, alle Komponenten des »Dendo Drive House« preislich bedeutend herabzusetzen, sodass sich die Amortisationsdauer auf sechs bis neun Jahre reduziert“, verkündet Hiromatsu, bevor er die Berechnungsformel dafür anhand einer Folie näher erläutert: Als Beispiel liegt dieser Berechnung dabei ein Haushalt zugrunde, der jährlich 7.000 kWh Elektrizität verbraucht und über ein Benzin-Auto verfügt, welches mit 1.500 Liter Benzin in die Kalkulation mit einfließt. Steigt dieser Haushalt nun auf ein PHEV-Fahrzeug um, so wird der Stromverbrauch durch diverse Ladevorgänge der Batterie noch einmal um 4.000 kWh jährlich erhöht und liegt demnach dann bei 11.000 kWh. Als Folge des Umstiegs auf PHEV sinkt in dieser Berechnung von Takashi Hiromatsu der Benzinverbrauch um 1.400 Liter und beläuft sich letzten Endes nur noch auf 100 Liter. Ebenso geht diese Kalkulation davon aus, dass 7.000 der gesamt 11.000 kWh des jährlichen Stromverbrauchs von den PV-Modulen, die das »Dendo Drive House«-Paket beinhaltet, erzeugt werden können. Zusammengefasst bedeutet das, dass man sich durch einen Umstieg jährlich 3.000 kWh Elektrizität und 1.400 Liter Benzin spart – vorausgesetzt die PV-Module erzeugen 7.000 kWh. In Zahlen drückt Hiromatsu das wie folgt aus: Durch die Anschaffung des »Dendo Drive House«-Pakets können jährlich bis zu 900 € für Strom und bis zu 2.000 € für Benzin gespart werden. Bei einem Kaufpreis von 20.000 bis 27.000 € (je nach Umfang des Pakets) ergibt sich so eine Amortisation nach sechs bis neun Jahren. Alles über die Nutzung dieser sechs bis neun Jahre hinaus bedeutet demnach einen Gewinn für den Kunden. Inwiefern diese theoretische Rechnung auch tatsächlich aufgeht, wird wohl letztendlich nur die Praxis zeigen. Fest steht allerdings, dass Mitsubishi einiges vor hat in Sachen Elektromobilität. Wir sind jedenfalls bereits gespannt auf die ersten Rückmeldungen der Elektromobilisten-Community und bleiben für euch dran. Weitere Informationen unter www.mitsubishi-motors.at

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