Volvo V60 T8 Twin Engine
»Thors Hammer« – der Volvo V60 T8 Twin Engine fährt mit schweren Design-Geschützen auf. Alle Fotos: www.eCarandBike.com

Volvo V60 T8 Twin Engine Testbericht:

Was für ein (göttlicher) Hammer!

Wie seine große Schwester – die skandinavische Schönheit vom Modell S 90 T8 Twin Engine – darf sich auch der V60 T8 Twin Engine mit Thors Hammer an der Frontpartie schmücken. Es ist wie eine Mischung aus grimmiger Entschlossenheit und zeitloser Eleganz, die das Design der beiden Modelle in vielen Details in Übereinstimmung bringt. Abgesehen von der anmutenden Erscheinung haben die beiden aber auch technisch einige Gemeinsamkeiten – vor allem den Plug-In-Hybrid-Antrieb.

von Thomas Buchbauer

What the hell … ? Was hat »Thors Hammer« auf einem Auto zu suchen? Eine klare Antwort darauf kann wohl nur der Designer selbst geben. Uns jedenfalls gefällt das Aussehen des Volvo-LED-Scheinwerfers, das im Detail an das Artefakt des germanischen Donnergottes erinnert. Möglich, dass man bei Volvo dieses Element gewählt hat, um Parallelen mit dem mächtigen Thor herzustellen, der vor allem aufgrund seiner Stärke und seines ungezügelten Temperaments ein gefürchteter Gegner war.

Fürchten muss man den V60 T8 Twin Engine allerdings ganz und gar nicht – im Gegenteil…

die schwedische Technik zeigt einen Grad an Ausgereiftheit und Feinheit, die so manches Gesamtpaket seiner Klassenkollegen verblassen lässt. Sie lässt es zu, dass man sich als Fahrer in hohem Grad auf sie verlassen kann. Manchmal sogar mehr als auf die eigenen Fähigkeiten … [gallery type="slideshow" ids="73367,73377,73368,73369,73372,73375,73376,73371,73373,73374"]
Irritierend
Plötzlich legt er eine Vollbremsung hin. Zum ersten Mal mache ich Bekanntschaft mit dem City-Safety-System des teilautomatisierten Fahrzeuges – »Automatisierter Eingriff« gibt der Volvo am Display danach bekannt. Der T8 mag es nicht, wenn ihm andere Fahrzeuge (oder Lebewesen) zu nahe kommen. Da haben wir beide – zumindest beim Autofahren – etwas gemeinsam. Nur, so radikal wie er, wäre ich es wahrscheinlich nicht angegangen. Was zählt, ist dass er meinem manuellen Einschreiten zuvorkam. Es war eine der häufig vorkommenden Situationen im Stadtverkehr der Wiener Großstadt: Wer den vorschriftsmäßigen Sicherheitsabstand zum Vordermann einhält, hat meistens das Nachsehen – während ich auf der sicheren Seite ein paar Meter Abstand halte, »quetscht« sich ein Dritter von der Nebenspur zwischen meinem Vordermann und mich, und im gleichen Moment kommt es auch noch zu einer drastischen Geschwindigkeitsreduzierung aller Fahrzeuge auf unserer Spur, was dazu führt, dass der Volvo ein »Quietscherl« hinlegt (natürlich nicht wirklich, denn mit ABS hört man maximal ein Rattern und kein Quietschen) – die Gefahr ist jedenfalls in Sekundenbruchteilen abgewandt. Etwas verunsichert, ob des für mich neuen Erlebnisses, gewinne ich aber dann doch wieder rasch die Oberhand und somit die Kontrolle über den V60. Wieder um eine Erfahrung reicher …
Alles unter Kontrolle
Anfänglich habe ich meine liebe Mühe, all die Assistenzsysteme tatsächlich im Griff zu haben bzw. zu überblicken: City Safety Notbremssystem, Cross Traffic Alert mit Bremseingriff, ein aktiver Spurhalteassistent, eine Verkehrszeichenerkennung, die Road Edge Detection und die Run-off Road Protection zum Schutz beim Abkommen von der Straße an Bord und nicht zuletzt die Oncoming Lane Mitigation, die verhindert, dass man in den Gegenverkehr gerät. In Anbetracht dieser Vielfalt kann man beim Aktivieren bzw. Deaktivieren schon mal ins Schwitzen kommen. Jetzt hätte ich doch glatt den Pilot Assist vergessen, der im Volvo V60 optional verfügbar ist, ein sicheres Fahrerlebnis auf Autobahnen bei Geschwindigkeiten bis 139 km/h schafft und uns während unserer Testfahrt gute Dienste geleistet hat. Das System markiert laut Volvo einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Vision 2020: Ab dem Jahr 2020 soll kein Insasse eines neuen Volvo-Modells mehr im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt werden. Volvo_V60_Crashtest
Reichweite – darf es ein bisschen mehr sein?
Ganze 45 km Reichweite im Pure- und 40 km im Hybrid-Modus prognostiziert der V 60 am großzügig gestalteten Display in der Mitte des Armaturenbrettes, nachdem wir ihn an unserer Schrack-Ladesäule auf 100 % geladen haben. Warum es zu dieser Differenz von 5 km kommt, können auch die Techniker bei Volvo Österreich auf Anfrage von eCarandBike.com keine gesicherte Antwort geben. Möglich, dass er im rein elektrischen Modus theoretisch stärker rekuperiert – aber dabei handelt es sich bloß um eine Mutmaßung unsererseits. [gallery type="slideshow" ids="73381,73382,73379,73370,73383"] In Summe sind die Reichweiten – wie wir meinen – ähnlich wie bei vielen der V 60-Klassenkollegen derzeit noch ein wenig dürftig. Zumindest für uns, die wir weit mehr als die täglichen 30 km-Wege des Durchschnitts-Autofahrers abzuspulen haben. Auch wenn man eine Reichweitensteigerung der Modelle bei Volvo auf Anfrage von eCarandBike nicht kommentieren wollte, sind wir guter Hoffnung, dass alle Hybrid-Modelle in Kürze einen elektrischen Reichweitensprung machen werden. Noch müssen wir uns allerdings mit »Kurzstrecken« zufriedengeben. Aber die haben es jedenfalls in sich – auch beim Volvo V60 T8 Twin Engine, der mit der Top-Motorisierung des Modells mit 287 kW (390 PS) Systemleistung einen fetten Eindruck in Sachen Beschleunigung hinterlässt. In 4,9 Sekunden ist Thors Hammer auf 100 km/h und zaubert einem dabei bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ein Grinsen ins Gesicht. Kein Wunder – schließlich wird der 223-kW-(303 PS) Benziner von einem 65-kW-Elektromotor mit 240 Nm unterstützt. Der Dreiphasen-Synchronmotor oder, um genauer zu sein, der PMSM, ist laut Volvo kleiner und leichter als beispielsweise äquivalente asynchrone Motoren. Er ist Teil der Electrical Rear Axle Drive (ERAD)-Einheit, die neben dem Elektromotor aus Getriebe, Kupplung, Differenzial und Antriebswellen besteht. Übrigens, wer in Anbetracht der gebotenen geballten Kraft trotzdem auf allzu häufige Beschleunigungsexzesse verzichten kann, darf sich auch auf die angekündigte Reichweite freuen.
Nicht geschummelt
Der Volvo V60 T8 Twin Engine schafft in unserem (elektrischen) Reichweitentest bei eingeschalteter Klima (darauf wollten wir nicht verzichten), ausgeschalteter Heizung (dazu war es zu warm) und moderatem aber keineswegs defensivem Betrieb (wir sind ja keine Warmduscher) tatsächlich die am Display angekündigten Werte. Im Hybrid-Modus waren es sogar 45 statt der prognostizierten 40 km, im Pure-Modus verfehlten wir die 45 km um einen einzigen und mussten erst ab Kilometer 44 auf den Elektroantrieb verzichten. Nur auf die in den technischen Unterlagen des V60 T8 Twin Engine festgehaltenen Werte von 51 bis 47 km nach WLTP kommen wir nicht – aber derartige Angaben betrachtet ohnehin niemand mehr als realistisch. Apropos Elektroantrieb, wer gar nicht auf ihn verzichten will und auf keine Ladeinfrastruktur zurückgreifen kann, hat die Möglichkeit, die Akkus vom Verbrennungsmotor während der Fahrt aufladen zu lassen – natürlich unter Berücksichtigung eines höheren Treibstoffverbrauches, der sich mit unseren zur Verfügung stehenden Mitteln nicht objektiv ermitteln ließ. Volvo_V60_Fahraufnahmen
Fahrer-Performance
Ohne Selbstkontrolle geht heutzutage gar nichts mehr. Man kann zu derartigen Features stehen wie man will – der Volvo jedenfalls gibt jederzeit Auskunft darüber, wie ressourcenschonend der Fahrer unterwegs ist. Über einen übersichtlich gestalteten Menüpunkt am Display wird einem stets vor Augen geführt, wie hoch der Verbrauch ist – bei unserer Testfahrt pendelten wir uns bei realistischen 6 Liter Benzin/100 km ein (mal mehr, mal weniger) – und wie sich die Performance des Fahrers über einen selbst definierbaren Zeitraum entwickelt. Kein Wunder, dass immer mehr Besitzer von Elektrofahrzeugen dazu neigen, ihr Auto besonders wirtschaftlich zu betreiben – so als ob sie einem Wettbewerb ausgesetzt wären – und schlussendlich bei rund 90 km/h auf der rechten Autobahnspur enden.
Wollen wir das?
Wenn dich das plötzlich einsetzende Röhren des 1.969 cm3-Vierzylinder-Direkteinspritzer-Benziners aus dem »Auf-Wolkenschweben-im-Elektromodus« auf den Boden des Verbrennungsmotor-Daseins brachial zurückholt: Nicht, dass der Volvo-Benziner ein besonders unangenehmes Geräusch oder Vibrationen irgendeiner Art hervorrufen würde – das tut er ganz und gar nicht. Aber die fühlbar harte Diskrepanz zwischen der Trance, in die man versetzt wird, wenn man elektrisch quasi »dahinsegelt« und dem schier »martialen« Zustand des Fahrzeuges im Verbrennungsmotor-Betrieb macht einem den Unterschied der beiden Modi erst so richtig bewusst.
Ladehemmung?
Der Volvo V60 T8 Twin Engine ist überraschenderweise dann doch schneller als erwartet – zumindest beim Laden. Denn ähnlich wie viele andere seiner Hybrid- oder Elektro-Kollegen ladet auch der V60 AC-seitig (Wechselstrom) zwar nur einphasig (nur auf L1). Die 11,6 kW-Batterie (nutzbar sind nur 8 kW), die in einem Tunnel zentral der Längsrichtung positioniert ist, wird mit unserem Phoenix-Contact-Typ-2-Ladekabel jedoch innerhalb von 2,5 Stunden von Null auf 100 % geladen. Am 10 A-Schukostecker muss man sich die Zeit dann schon mal bei einem ausgedehnten Mittagessen vertreiben – 4 Stunden kann es dauern, bis die Steckdose genügend Strom hergegeben hat.
Unser Fazit
Der Volvo V60 T8 Twin Engine ist ein Kombi der Extraklasse. Das Modell lässt in keinen Bereichen an Stil vermissen – weder im Innenraum noch an der Karosserie. Die zahlreichen Assistenzsysteme bieten ein Höchstmaß an Sicherheit, wobei uns vor allem das City Safety System mit einer Notbremsung zeigte, dass die Maschine dem Menschen in manchen Punkten überaus hilfreich sein und ihn schützen kann. Nur in Sachen (elektrische) Reichweite wünschen wir uns von Technikern künftig deutlich mehr. Schließlich legen wir rund 45 km relativ rasch zurück. www.volvocars.com
Responsive image Thomas Buchbauer (Redaktion)

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