Die Diskutanten des Herbstkongress der Bundesinitiative Elektromobilität.
Die Diskutanten des Herbstkongress der Bundesinitiative Elektromobilität. (Bild: eCarandBike.com)

»BieM4Future« – der Herbstkongress der Bundesinitiative Elektromobilität setzt Maßstäbe:

„Drehen ein großes Rad!“

Es ging auch Helmut-Klaus Schimany unter die Haut, als die 16-jährige Umweltaktivistin Greta Thunberg den versammelten Vertretern des UNO-Klimagipfels in New York und den Politkern aus aller Welt Ende September schwere Vorwürfe machte und unter anderem meinte: „Das hier ist alles falsch, ich sollte gar nicht hier sein.“ Thunbergs Rede löste weltweit Emotionen aus – doch, war es damit wieder getan, oder ist der Umweltschutz nun nachhaltig im Bewusstsein der politischen Verantwortungsträger verankert? Es bleibt abzuwarten…

von Thomas Buchbauer

Schauplatzwechsel von New York nach Wien ins Novomatic Forum zur dritten BieM-Herbstkonferenz: Weniger emotional dafür umso produktiver gestaltete Schimany als Vorsitzender der Bundesinitiative Elektromobilität die diesjährige Veranstaltung, die den bezeichnenden Titel »BieM4Future« trug. Schimany freute sich zum einen darüber, jährlich einen Besucherzuwachs von 20 % zur Herbstkonferenz zu verzeichnen und die Veranstaltung damit als etabliert bezeichnen zu können, und andererseits Gäste im Publikum begrüßen zu dürfen, die mehr oder weniger alle bereits ihren Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise leisten: „Viele der Anwesenden hier im Saal sind schon seit Jahren damit beschäftigt, Hürden und Hindernisse zu überwinden, damit das Thema, das nicht zuletzt durch die Aktivitäten von Greta Thunberg wieder einen höheren Stellenwert erlangt hat, überhaupt einmal begann, sich in der Praxis bemerkbar zu machen“, würdigte Helmut-Klaus Schimany das Engagement der Gäste des Events in seinem Begrüßungsstatement.

Der Leiter der Sektion IV im BMNT, Sektionschef Dr. Jürgen Schneider, richtete daraufhin dem Publikum die Grußworte von Ministerin Maria Patek aus und ließ es im Anschluss daran wissen, dass auch den Verantwortlichen dieses Landes klar ist, dass das Klimathema im Laufe der letzten Jahre von einem Rand- zu einem Thema in der Mitte der Gesellschaft wurde: „Wir sind auf europäischer Ebene auf gutem Weg, den Beschluss, bis 2050 klimaneutral zu werden, bis Ende 2019 zu fassen und ihn rechtlich verbindlich umzusetzen. Mittlerweile sind 25 Länder dafür, mit drei Ländern gibt es noch intensive Gespräche darüber.“ Schneider zitierte darüber hinaus den Vizepräsident der EU-Kommission Frans Timmermans, der für den »Green Deal« verantwortlich zeichnet und in diesem Zusammenhang meinte: „Ich will kein Europa ohne Mobilität, aber ich will eines ohne fossile Energie!“ Für Schneider ist damit klar: „Ein derartiger Schritt wird nur in Verbindung mit einer Revolution möglich sein – und ein ganz wichtiger Teil dessen wird die Elektromobilität sein.“ 2,9 % der Fahrzeug-Neuzulassungen in Österreich betreffen derzeit Elektrofahrzeuge – das ist aber noch viel zu wenig: „Wir müssen bis Ende des kommenden Jahrzehnts auf über 50 % bzw. am besten knapp an die 100 % aller Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf den Straßen haben. Dafür braucht es Rahmenbedingen, Regularien und Infrastruktur aber auch Pioniere, die zeigen, dass die E-Mobility funktioniert“, so Schneider, der beteuerte, dass das BMNT ganz klar hinter der Elektromobilität stehe und Hindernisse beim Laden oder in Verbindung mit dem Wohnrecht sukzessive aus dem Weg geräumt werden müssten. Als Vertreter des Bundesministeriums brachte er es auch ganz klar auf den Punkt, dass Elektromobilität seitens des Staats so billig wie möglich gemacht werden und der Strom, der dafür herangezogen wird, zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen stammen soll. „Erfolgreicher Klimaschutz bedeutet für uns nicht, Mobilitätsbedürfnisse einzuschränken, sondern Innovationen mit Investitionen voranzutreiben. Und mit der Initiative »klimaaktiv mobil« wollen wir weiterhin ein starker Partner der Elektromobilität sein“, so Schneider abschließend. Kurt Sigl, Präsident des deutschen Schwesterverbandes BEM e.v., der bekannt dafür ist, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen, betonte zu Beginn seiner Rede, dass der BEM sich nicht mit Autos, sondern vielmehr mit der kompletten Kette der Mobilität beschäftigt. Sigl freut sich zwar über die Zahl der Neuanmeldungen von Elektrofahrzeugen in Österreich, betrachtet die Situation in Deutschland, wo der prozentuelle Anteil dem der Alpenrepublik um 50 % hinterherhinkt, mit einem weinenden Auge: „Das tut weh!“, so der gebürtige Ingolstädter, der es nicht müde wird, die deutsche Fahrzeugindustrie zu kritisieren: „Über Jahre hat man in der deutschen Autoindustrie so getan, als ob die Elektromobilität kein gangbarer Weg – ja nur eine vorübergehende Erscheinung wäre. Man hat mir gegenüber sogar angekündigt, dass der Diesel die Luft reinigen wird. Aber in Summe steckt in der Mobilität von morgen viel mehr als nur die Elektromobilität – wir müssen unseren Geist dafür nur frei machen“, forderte Sigl das Publikum auf und verwies auf völlig neue Geschäftsmodelle, die sich künftig eröffnen würden. „Wenn jemand aus der Autoindustrie die Meinung vertritt, dass er auch noch morgen Autos verkaufen wird, dann hat er sich getäuscht. Autos werden heute schon geleast oder vermietet, aber künftig heißen die Schlagworte »Sharing« oder auch »Pooling«. Das Szenario wird sich komplett verändern und mit dem heute in keiner Weise mehr vergleichbar sein“, zeigte Sigl seine gewohnt offensive Seite. Er ist der Meinung, dass Geschäftsmodelle nicht für sich alleine, sondern künftig nur mehr übergreifend funktionieren können: „Die Mobilitäts- und die Energiewende müssen Hand in Hand ablaufen, weil das eine ohne dem anderen nicht funktionieren wird. Das muss endlich auch auf politischer Ebene realisiert und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Allerdings sind Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe kein Mittel, um die Wende auf der Straße zu schaffen“, so der BEM-Präsident, der es nicht deutlicher formulieren konnte: „Meine Damen und Herren – die Milchmädchenrechnungen, die hier aufgestellt werden, sind haarsträubend. Würde man Wasserstoff für 100 % der Fahrzeuge, die auf den Straßen unterwegs sind, einsetzen, hätten wir für die Produktion des Treibstoffs einen Mehrverbrauch an Strom von rund 60 %! Mit den sogenannten »Synthios« lägen wir sogar bei 200 %. Lassen Sie sich von den Statistiken und Ideen, die hier grassieren, nicht beeinflussen! Zu guter Letzt würde man massiv draufzahlen!“ Kurt Sigl blieb aber auch nicht schuldig, woher er sein Wissen schöpft: „Wir haben 45 wissenschaftliche Beiräte in der BEM, die auch gerne dazu bereit sind, auf Fragen aus diesem Wissensspektrum zu antworten“, unterstrich er, ließ das Publikum wissen, dass es dieser Tage in Deutschland zu einer Fusion von BEM mit dem Bundesverband Solare Mobilität (BSM) gekommen war und spornte die Anwesenden abschließend dazu auf, in Sachen Elektromobilität dranzubleiben. [gallery type="columns" ids="78043,78053,78054,78044"]
Panel 1 »Tarife und Interoperabilität«
Helmut-Klaus Schimany weiß um die Details bei der Bahn Bescheid und hatte zu Beginn seiner Keynote gleich mal etwas zum Nachdenken für das Publikum: „Es hat ganze 60 Jahre gedauert, bis im Schienensektor im Rahmen einer Initiative der EU überhaupt einmal begonnen wurde, über Interoperabilität nachzudenken. Deswegen ist es bemerkenswert, dass man im Bereich der Elektromobilität viel früher erkannt hat, an diesem Punkt den Hebel ansetzen zu müssen.“ Mit anderen Worten: Ziel muss es sein, einen Weg zu finden, damit die Nutzer von Elektrofahrzeugen künftig nur noch eine Karte zum Laden mitführen müssen und darüber hinaus die Tarife zu vereinheitlichen. In seinen einleitenden Worten am Programm der Veranstaltung schrieb Schimany, dass Österreich über 14 Ladestellenbetreiber habe, wobei jeder von diesen zumindest über 350 Ladepunkte anbietet. Unterschiedliche Tarife, Sondervereinbarungen und Rabatte – teilweise schwer zu erkennen und nicht durchschaubar – führen zu einer Situation, die kaum als kundenfreundlich und auch nicht als leicht administrierbar zu bezeichnen sind. In Deutschland ist die Lage teilweise noch komplexer: Ladepunkte mit über 12 Tarifen sind keine Seltenheit, so Schimany in seinen Ausführungen. „Mittlerweile gibt es Apps gegen Bezahlung, die einem sagen, wo das Laden am günstigsten ist“, deutete Schimany auf die Auswirkungen einer beginnenden Schieflage hin. Die Richtlinie 2014/95/EU sollte dem nun entgegenwirken: Sie regelt unter anderem im Sinne des Endnutzers den diskriminierungsfreien Zugang zur Ladeinfrastruktur (und zwar einen ohne Membercard), bezieht das Preisauszeichnungsgesetz mit ein und schreibt das Erstellen eines einheitlichen Ladestellennetz-Verzeichnisses in Österreich vor. In der Zwischenzeit nehmen sich E-Roaming-Plattformen wie Hubject dieses Themas an – sie ermöglichen E-Mobilisten an allen öffentlichen Ladestationen in Österreich, Strom zu laden. Und zwar vollkommen unabhängig davon, ob sie mit dem Betreiber der Ladestation einen Vertrag haben oder nicht. Die Abrechnung erfolgt schließlich direkt über den eigenen Vertragspartner im Nachhinein. Sigfried Wiesinger (Obmann Stellvertreter des Zoe-Club Österreichs), Mag. Axel Puwein (Wirecard Central Eastern Europe GmbH), Dietmar Klement (CH, Journalist, Vorstandsmitglied im Elektromobilclub der Schweiz; ECS), Bernhard Kern (Elektromobilitätsclub Österreich e.V. EMC), Dr. Michael-Viktor Fischer (GF von Smatrics), Mag. Ute Teufelsberger (Sprecherin der BEÖ) und Dr. Wolfgang Urbantschitsch (GF e-Control) bildeten das erste Panel des Tages. Bernhard Kern, der selbst seit 2012 mit einem Elektroauto fährt und damit die Entwicklung der Ladeinfrastruktur am eigenen Leibe miterlebt hat, freut sich über die Entwicklung auf diesem Sektor: „Ich hätte damals nicht gedacht, dass es mit dem Ausbau so schnell geht – allerdings würden wir uns aus heutiger Sicht wünschen, dass die Infrastruktur künftig innovativer (oder auch leichter zu bedienen – Stichwort »Mizzi-Tant«), grenzüberschreitender, leichter sichtbar und zuverlässiger ist“, so der Elektromobilist der ersten Stunde. Dr. Michael-Viktor Fischer meinte, dass der Ladeinfrastruktursektor gefühlt im Jahr 1994 des Mobilfunks angelangt sei: „Wir sind noch nicht im iPhone-Zeitalter angekommen – das muss einem bewusst sein. Und ebenso verhält es sich mit den Preisen. Das kommt auch daher, dass unsere Ladestationen einerseits erst eine Auslastung von 2 bis 3 Prozent aufweisen und andererseits die Netzzugangsgebühren noch in einem gigantischen Ausmaß sich zu Buche schlagen.“ Ute Teufelsberger als Sprecherin des Bundesverbandes Elektromobilität, der von elf regionalen und kommunalen Energieversorgern gegründet wurde, erinnerte daran, dass es ursprünglich auch das Ziel der EVUs beim Aufbau des Ladenetzes war, von Anfang an interoperabel zu sein: „Die Idee war, österreichweit ein Ladenetz zu schaffen, das die Kunden mit einem einheitlichen Kundenvertrag nutzen können. Während der Wille da war, scheiterte es anfänglich an der technischen Umsetzung und an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Vor rund zwei Jahren haben die beteiligten EVUs schließlich ihre eigenen Ladenetze und das des BEÖ mit dem Smatrics-Netz sowohl technisch als auch monetär über Roaming zusammengeschlossen. Mittlerweile stehen den Konsumenten in unserem Verbund österreichweit rund 3.500 Ladepunkte zur Verfügung.“ Auf eine Umsetzung der grenzüberschreitenden Lösungen muss man noch warten – dazu bedarf es Verträge auf europäischer Ebene. „Mittel- bis langfristig werden die Auslastung steigen und die Preise sinken“, gab uns Ute Teufelsberger noch mit auf den Weg. Dr. Wolfgang Urbantschitsch als GF der e-Control sieht sich in diesem Punkt gefordert: „Es war wichtig, bereits während des öffentlichen Ladestellennetz-Aufbaus – derzeit sind es rund 5.000 Ladepunkte – auf die Interoperabilität zu achten. Ich denke, dass man den Markt nicht regulieren sollte – denn derzeit ist noch gar nicht klar, welche Geschäftsmodelle sich durchsetzen werden. Und nicht zuletzt wäre es für die Konsumenten in weiterer Folge von Vorteil, einen Tarifkalkulator für Ladestellen zur Verfügung zu haben“, so Urbantschitsch. Übrigens, mit der Beta-Version der Website www.ladestellen.at stellt die e-Control seit Kurzem ein Tool zur Verfügung, das dem Elektromobilisten ein Verzeichnis bis hin zu detaillierten Informationen über die einzelnen Ladestellen anbietet – ein Ladestellenregister soll künftig auch einen Einblick auf die Preislandschaft geben. Sigfried Wiesinger als Vertreter des als überaus lösungsorientiert bekannten Zoe-Clubs wies auf die Situationen aus der Praxis hin: „Wenn man als Fahrer eines Elektroautos eine unbekannte Ladestation – also eine außerhalb des »Wohlfühlbereiches« – anfährt, dann hat man in der Regel mit den üblichen Problemen zu tun: Welche Ladekarte braucht man, wie kann man zahlen usw. Das lässt sich alles lösen – und wir tun das auf unserer Internetseite zeitnah“, ließ Sigfried Wiesinger die Besucher des BieM4Future-Kongresses wissen. Dietmar Klement vom ECS beklagte schließlich eine noch viel kompliziertere Lage: „Die Schweiz hat durch den Einfluss auf Kantons- und Gemeindeebene eine Situation, die in den kommenden Jahren ein hohes Entwicklungspotenzial erfordert. Aber selbst die Kleinbürgerlichkeit der Schweiz muss sich internationalen Normen anpassen – dieser und jener Umstand, dass die Regierung die Installation von Ladestellen seit Kurzem fördert, führte in den letzten Monaten zu einer deutlichen Weiterentwicklung“, sieht Klement einen Silberstreifen am Horizont und freut sich darüber, dass nun auch in der Schweiz eine interoperable Ladekarte angeboten wird. Axel Puwein von Wirecard ist der Experte des Zahlungswesens – er warnt davor, Entwicklungen, die auf internationaler Ebene vorangetrieben werden, nicht zu verschlafen: „Wir haben bereits all jene Karten, die künftig notwendig sein werden, in unserem Portemonnaie stecken – nämlich die Kreditkarte und die Bankomat- bzw. Debitkarte. Das Tempo, mit der sich Elektromobilität entwickeln wird, hängt nicht nur davon ab, welche Reichweiten die Fahrzeuge haben, sondern auch davon, wie einfach das Bezahlwesen beim Laden sein wird. Darüber hinaus werden die Generationen in der Zukunft auf Zugangs- und weniger auf Besitzkonzepte in Sachen Mobilität setzen – das Schlagwort »Social Mobility« wird deshalb viel stärker greifen als bisher, und die dazugehörigen Bezahlkonzepte müssen so simpel wie möglich sein.“ [gallery type="columns" ids="78052,78051,78050"]
Panel 2 »Recycling – eMobility zu Ende gedacht«
Ing. Klaus Schmid, MBA, als Experte für Strategie und wirkungsvolle Umsetzung, leitete schließlich die zweite Diskussionsrunde des Tages. Die prominenten Teilnehmer – unter ihnen Bernhard Schuh (Saubermacher Dienstleistungs AG), DI Dr.sc-ETH Stefan Freunberger (TU Graz), Mag. Patrizia Ilda Valentini (Renault Österreich), DI Angelika Rauch (tbw research) und Dr. Roland Ferth (BMNT) bestätigten nicht nur, dass der Recyclingsektor nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes „ein brandheißes Thema“ (O-Ton Dr. Ferth), sondern zum Großteil noch ungeregelt sei. Während Klaus Schmid in seinem Anfangsstatement den Besuchern unter anderem vor Augen führte, dass eine durchschnittliche 50 kWh-Batterie eines Elektroautos einen Rohstoffbedarf von rund 230 kg Rohstoffe aufweist (so z.B. Graphit, Nickel, Kobalt, Mangan, Lithium, Kupfer, Aluminium und diverse Kunststoffe), der Großteil davon aus Importen vorwiegend aus China, Australien, Kongo und Südamerika stammt und Europa in diesem Zusammenhang danach trachtet, die Abhängigkeit durch Recycling der Akkus zu reduzieren, bekam das Podium die Möglichkeit, Wünsche an die neue Regierung zu richten. Den Anfang machte Angelika Rauch, die die Entscheidungsträger trotz fehlender Zöpfe aufforderte, den Umwelt- und Klimaschutz endlich einmal ernst zu nehmen: „Gehen Sie mutige Wege und wagen Sie, Einschnitte vorzunehmen!“ Einem Wunsch, den sich Patrizia Ilda Valentini vollinhaltlich anschließt: „Wenn wir dekarbonisieren wollen, dann auf allen Ebenen. Der Infrastrukturzugang muss vereinfacht werden, wir brauchen klare Regularien auf EU-Ebene für Sekundär-Rohstoffe und die Bevölkerung muss dazu bewegt werden, Combined Mobility in ihrem Alltag zu leben.“ Dr. Stefan Freunberger wünscht sich als Forscher naturgemäß eine Verbesserung in der Wissenschaftspolitik: „Österreichs Forscher zählen in vielen Bereichen zur Weltspitze – wir brauchen uns nicht vor Kollegen in Oxford, Cambridge, Harvard oder Stanford verstecken. Deswegen ist es mein Wunsch an die Politik, zielgerichteter zu agieren und die Besten zu fördern.“ Bernhard Schuh erachtet es einerseits als notwendig, dass die Politik die Rahmenbedingungen schafft, damit es für Sekundärrohstoffe einen Markt gibt, und anderseits lautet sein Wunsch als Vater zweier Kinder an die Politik: „Jetzt, da es nicht nur einen grünen Bundespräsidenten gibt, sondern theoretisch auch eine grüne Umweltministerin denkbar ist, möchte ich mich im positiven Sinne darüber wundern, was in diesem Bereich alles möglich ist.“ Dr. Roland Ferth wünscht sich, dass einerseits die Hersteller ihre Verantwortung übernehmen, und von den EU-Politikern, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Rohstoffe im EU-Raum bleiben: „Damit Situationen, wie wir sie z.B. aus dem Kongo kennen, gar nicht entstehen bzw. so gering wie möglich gehalten werden.“ [gallery type="columns" ids="78049,78045,78047"]
Panel 3 »Wirtschaftlicher Einsatz von eMobility im Bereich Zustellung und Verteilerverkehr«
Mit „The stage is yours!“ forderte Helmut-Klaus Schimany seinen Kollegen Gerald Windisch, Leiter der BieM West, auf, zum Abschluss des BieM4Future-Kongresses seinen Tiroler Charme auf der Bühne zu versprühen. Das tat Windisch aber nicht ohne Experten an seiner Seite – er begrüßte Robert Reisenauer (e-troFit GmbH), DI Wolfgang Löffler (KPC), Hermine Resch (Herbert Temmel GmbH), DI Andrea Faast (WK Wien), DI Nikolaus Skarabela (Schachinger Logistik), DI Gerald Gregori (BVL) und Marcel Thalmann (mein elektromobil GmbH). Windisch unterstrich in seiner Keynote, worum es ihm geht: „Wenn wir das Klimaschutzziel erreichen wollen, müssen wir im Verkehrssektor jetzt und entschlossen handeln!“ Er ist überzeugt davon, dass es vor allem im urbanen Raum rasch zur Elektrifizierung des Lieferverkehrs kommen muss: „Egal ob Lebensmittel-, Paketzustellung, Installateur, Elektriker oder Stadtbauhöfe – sie alle können bereits auf Lösungen der Elektromobilität zurückgreifen“, so Windisch, der eine interessante Rechnung aufstellte: „Eine der größten Lebensmittel-Bestellplattformen hat alleine in Wien über 1.000 Kunden, die fast ausschließlich von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren beliefert werden. Umgelegt auf Österreich sind das rund 100 Millionen Kilometer pro Jahr, die zur Zeit zu 98 % mit Fahrzeugen, die von fossilen Treibstoffen angetrieben werden, gefahren werden“, sieht Windisch enormes Potenzial für den Umweltschutz. Er stellte seinem Podium die Frage, welche Maßnahmen möglich wären, um die Dekarbonisierung im Verkehr voranzutreiben. Robert Reisenauer betrachtet die Infrastruktur nach wie vor als »Unabler« für einen reibungslosen Ablauf der Elektromobilität: „Viele Logistikunternehmen haben sich mit der Elektromobilität im Detail noch gar nicht auseinandergesetzt. Deswegen müssen wir alle für Bewusstseinsbildung sorgen und die Ängste ausräumen. Wir haben die technischen Lösungen, um die Elektromobilität einfach, schnell und kosteneffizient im Unternehmen umsetzen zu können“, so Reisenauer. Sein Kollege am Podium, Wolfgang Löffler, betrachtet das Gesamtpaket als essenziel: „Es ist niemals nur ein Punkt – es sind viele, die es zu ändern gilt. Sowohl auf der Nutzer- als auch auf der Anbieterseite ist ein Umdenken notwendig. Schließlich ist es selten notwendig, Lieferungen in Teilen zugestellt zu bekommen – eine Gesamtlieferung würde in den meisten Fällen vollkommen ausreichen.“ Hermine Resch, die bereits Erfahrungen mit elektrisch betriebenen LKWs bei Temmel sammeln konnte, meint, das passende Gesamtpaket anbieten zu können: „Wir müssen die Logistik und den Transport verbinden! Da die meisten Logistiker über große Dachflächen verfügen, ist es ein Leichtes, diese für Photovoltaikanlagen zu nutzen, deren grüner Strom für die Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen kann. Mit anderen Worten: Wir können als Unternehmen dabei auf drei geförderte Pakete zurückgreifen – die PV-Anlage, die Ladeinfrastruktur und den LKW“, gab Resch zu bedenken und setzte dem mit einem Appell an ihre Kollegen der Logistik und Transportgesellschaften noch eines drauf: „Herrschaften – es wäre so einfach, den CO2-Ausstoß ganz schnell und ganz intensiv zu reduzieren!“ Für Andrea Faast sind es vor allem auch die City-Hub-Projekte, die einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz beitragen: „Wenn ein Paket nicht zustellbar ist, bedeutet das einen vermeidbaren CO2-Ausstoß. Wir fordern deswegen die Wohnbauträger auf, Plätze für Zustellboxen zu schaffen. Darüber hinaus gibt es Gespräche mit der Stadt Wien, das Nachzustellverbot für Elektrofahrzeuge auszusetzen.“ Nikolaus Skarabela hatte für Kleinunternehmer, die sich die Investition einer E-Nutzfahrzeuge-Anschaffung noch nicht leisten wollen, gute Nachrichten: „Mittlerweile gibt es Plattformen, die es einem ermöglichen, E-Nutzfahrzeuge tages- bis jahresweise zu mieten, um das Risiko der hohen Anschaffungskosten zu minimieren. Schließlich liegen die Kosten für einen elektrisch betriebenen 3,5-Tonner bei derzeit 60.000 bis 70.000 Euro (10.000 Euro Förderung in dieser Klasse), während der »Verbrenner« um 20.000 bis 25.000 Euro zu haben ist.“ Gerald Gregori verwies auf zwei Maßnahmen, die notwendig sind, um aus der fossilen Lösung auszusteigen: „Zum einen muss man es als Unternehmer zum Top-Strategie-Thema machen und es intern und extern kommunizieren, die Logistik CO2-neutral betreiben zu wollen, und zum anderen muss man die Partner einbinden. Schließlich handelt es sich um eine komplette Lieferkette, die Teil dessen werden muss. Das Ziel muss schließlich lauten: Wir werden in einem Jahr karbonfrei fahren!“ Marcel Thalmann, der wie sein Kollege Dietmar Klement eine fehlende Dynamik der Eidgenossen im Bereich der Elektromobilität bemängelte, wusste im Bereich der City-Logistik vor allem über die Schweizer Post Positives zu berichten: „Das Konzept der elektrisch betriebenen Dreiräder rechnet sich für Zustellunternehmen nachweisbar“, so Thalmann, der mit seinem Statement die Runde der Expertenkommentare komplettierte. Für Helmut-Klaus Schimany, der sich bei den Sponsoren abschließend bedankte, ist das Ende der »BieM4Future 2019« gleichbedeutend mit dem Beginn der Organisation für die Neuauflage des Kongresses im Jahr 2020. Und eines steht in diesem Zusammenhang wohl fest: Es wird wohl noch spannender werden!
„Wir müssen den Klimaschutz in die Lehrpläne unserer Schulen aufnehmen!“, fordert Hermine Resch vehement.

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