Die beiden Kleinbusse des französischen Herstellers Navya werden von einem Elektromotor angetrieben und bieten Platz für jeweils 10 Fahrgäste plus einer geschulten Person (Operator), die das Geschehen überwacht. (Bild: Wiener Linien/Manfred Helmer)

Testbetrieb für erste fahrerlose Autobuslinie in Wien:

Hände weg vom Steuer!

Ein Bereich, der oft ein bisschen thematisch verblasst angesichts der Elektromobilität und ihrer zahlreichen Facetten, ist das autonome Fahren im öffentlichen Nahverkehr. Doch für alle, die glauben, da tut sich eh nichts – weit gefehlt! Welche innovativen Vorbereitungen für eine erste vollautomatische Buslinie in Wien stattfinden, erfahren Sie bei uns!

von Mag. Sandra Eisner

»auto.Bus – Seestadt« betitelt ein Forschungsprojekt, das unter der Mitwirkung zahlreicher Experten den Testbetrieb für Wiens erste autonome Autobuslinie vorbereitet. Bereits in der Entwicklungsphase mit einer Auszeichnung geehrt, soll das Vorhaben gänzlich neue Weichen für fahrerlose Busse im Rahmen eines nachhaltigen Verkehrskonzepts stellen. Als Testumfeld mit optimalen Voraussetzungen dient dafür das »urban lab« Wiens – Aspern Seestadt. Wir haben für Sie die Hintergründe und Fakten zu diesem höchst innovativen Projekt zusammengetragen – viel Spaß!

Welcome to the future: Die Wiener Seestadt gilt als eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas. Im Nordosten der Bundeshauptstadt soll bis zum Jahr 2028 eine »Stadt mit Herz und Hirn« entstehen, die Wohnraum und auch Arbeitsplätze für rund 20.0000 Menschen bietet. Dieses urbane Umfeld mit dem Touch einer Smart City bietet demnach beste Voraussetzungen dafür, hier ein innovatives Projekt für eine autonome Autobus-Pilot-Linie anzusiedeln. [caption id="attachment_73918" align="alignright" width="300"] Fahrgäste dürfen ausschließlich sitzend transportiert werden – eine geschulte Person, der Operator, ist für die Sicherheit an Bord des Busses zuständig. (Bild: Wiener Linien/Manfred Helmer)[/caption]
Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
Das Forschungsprojekt »auto.Bus – Seestadt«, das durch das Verkehrsministerium im Rahmen des Programms »Mobilität der Zukunft« gefördert wird, soll die Umstände und Herausforderungen angesichts eines zukünftigen Betriebs autonomer Buslinien untersuchen. Das Projekt startete im Sommer 2017, die erste offizielle Fahrgasttestfahrt fand Anfang Juni 2019 statt. Entlang einer rund zwei Kilometer langen Strecke rund um die U-Bahn-Station Seestadt gibt es fixe Haltestellen, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beläuft sich auf 20 km/h im automatisierten Betrieb. Die beiden Kleinbusse des französischen Herstellers Navya werden von einem Elektromotor angetrieben und bieten Platz für jeweils 10 Fahrgäste plus einer geschulten Person (Operator), die das Geschehen überwacht und für die Sicherheit zuständig ist.
Gesammelte Expertise
Für ein derartiges Projekt sind natürlich viele kluge Köpfe und spezielles Know-how vonnöten. Deshalb versammeln sich unter den Projektpartnern neben den Wiener Linien auch namhafte Experten, wie das AIT (Austrian Institute of Technology), das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit), der TÜV Austria sowie Siemens Österreich und der französische Bushersteller Navya, um gemeinsam – unter realen Bedingungen – an der der nachhaltigen Erhöhung der Effizienz und der Betriebssicherheit autonomer Fahrzeuge zu arbeiten. Versicherungsspezifische Fragen rund um das autonome Fahren werden durch die Wiener Städtische geklärt. Doch auch rechtliche Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden, genauso wie die funktionale (IT-)Sicherheit oder die technologische Weiterentwicklung von Sensorik. Um eine langfristige Einführung von autonomen Bussen fokussieren zu  können, müssen außerdem neue Interaktionskonzepte mit Verkehrsteilnehmern sowie die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit erforscht bzw. untersucht werden. Neu entwickelte Simulationswerkzeuge sollen bei den Planungsherausforderungen bezüglich Infrastruktur, Kapazität und Sicherheit im Zusammenspiel mit dem Gesamtverkehr helfen. Für die »Hardware« zeichnet, wie bereits erwähnt, das französische Unternehmen Navya verantwortlich, dessen 2015 vorgestellter Kleinbus »Arma« als erstes autonomes (Elektro-) Serienfahrzeug für den Personennahverkehr gilt.
Ausgezeichnetes Projekt
Die zahlreichen zu berücksichtigenden Aspekte führen den Umfang und die Komplexität eines solchen Projekts vor Augen. Neben den technologischen Herausforderungen spielt auch die Akzeptanz durch die Fahrgäste eine mindestens genauso wichtige Rolle. Um fahrerlose Fahrzeuge schlussendlich effizient in das Betriebsmanagement eines Verkehrsunternehmens einbinden zu können, bedarf es also nach wertvoller Erkenntnisse und Untersuchungsergebnisse. Ein erster wichtiger Schritt ist jedoch bereits getan und so wurde das Projekt im vergangenen Jahr mit dem Green Mobility Award – powered by Blaguss im Rahmen des futurezone Award 2018 geehrt. Wie sich die Aufgabe »auto.Bus – Seestadt« weiterentwickelt und welche Ergebnisse der Testbetrieb bringt, erfahren Sie demnächst bei uns. Wir bleiben für Sie dran!
Das Projekt »auto.Bus – Seestadt« in Zahlen
  • Anzahl der Fahrzeuge: 2
  • Projektvolumen: etwa 1,5 Mio. Euro
  • Länge / Breite / Höhe: 4,75 Meter / 2,11 Meter / 2,65 Meter
  • Kapazität: 11 Fahrgäste (inkl. 1 Operator)
  • erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h (im automatisierten Betrieb)
  • maximale Laufzeit: 9 Stunden
  • durchschnittliche Ladezeit: 4 bis 8 Stunden
Quelle: AIT Weitere Informationen unter www.wienerlinien.at
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