Die aktuellen EU-Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energien und zur CO2-Reduktion sind laut Energypeace gänzlich ungenügend, sie reichen bei weitem nicht, um das 2°C Ziel zu erreichen (Bild: Fotolia)

Das Kohlenstoffbudget:

Über die enorme Dringlichkeit im Ausstieg aus den fossilen Energien

Die Menge an CO2 in der Atmosphäre ist maßgebend für die Temperaturentwicklung. Diese CO2 Konzentration erreichte mit 409 ppm im Mai 2017 einen neuen Höhepunkt – um 2 ppm höher als 2016, der höchste Wert seit mehr als 600.000 Jahren. Der Anstieg ist die Folge der 36 Milliarden Tonnen CO2, die die Menschheit durch die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle 2016 in die Luft blies.

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In den letzten Jahren stellte sich die Wissenschaft die Frage: Wie viele Tonnen CO2 darf die Menschheit insgesamt noch in die Luft blasen, um die Erwärmung auf 2°C zu beschränken? Diese Menge wird als das globale Kohlenstoffbudget bezeichnet und beträgt für den Zeitraum 2016 bis 2050 global 700 Milliarden Tonnen. Ausgehend von diesem globalen Wert und dem Vertrag von Paris, in dem sich die Industrieländer zu einer Vorreiterrolle im Klimaschutz verpflichteten, hat Prof. Kevin Andersen von der Universität Upsala in Bonn vorgetragen, wie viel CO2 die Europäische Union im Rahmen des 2°C Zieles noch emittieren darf. Das Ergebnis: Das Kohlenstoffbudget der EU 28 beträgt 23 bis 32 Milliarden Tonnen. Das Budget reicht bei dem aktuellen Emissionsniveau noch für 6 bis 9 Jahre und bedeutet, dass die EU ihre CO2-Emissionen jährlich um mehr als 10 % senken muss (K. Anderson Uppsala University).

Daraus folgt laut Energypeace:
  • Die aktuellen EU-Ziele zum Ausbau der erneuerbaren Energien und zur CO2-Reduktion sind gänzlich ungenügend, sie reichen bei weitem nicht, um das 2°C Ziel zu erreichen!
  • Die Förderung des Gasausbaus durch die Europäische Union führt zu riesigen Fehlinvestitionen – stranded investment – weil auch der Gaseinsatz gegen Null zurückgefahren werden muss, wenn das Paris Abkommen erfüllt werden soll. Die Studie »The great gas lock in« liefert dazu ausführliche Informationen.
  • Österreich darf sich daher in seiner Klimapolitik nicht an Brüssel ausrichten sondern muss sich an den physikalischen Fakten orientieren und diese besagen:

Österreich muss seine Treibhausgasemissionen jährlich ab 2015 mindestens um drei Millionen Tonnen reduzieren – besser wären 4 Mio. Tonnen – um den Zielen des Paris Abkommens zu entsprechen.

Dies ist möglich, wenn es jetzt zu einer neuen Energie- und Klimapolitik kommt, die sich auf einige sofort umgesetzte Leitmaßnahmen stützt. Zu diesen Leitmaßnahmen zählen:

  • Der ökologische Umbau des Steuersystems
  • Der rasche Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen auf über 81 TWh
  • Das Verbot der Installation neuer Ölkesseln

Diese Leitmaßnahmen sind laut Energypeace durch eine Fülle weiterer Schritte zu ergänzen. Wird dies verabsäumt, so wird auch Österreich sein Kohlenstoffbudget schon vor dem Jahre 2030 verbraucht haben und damit dazu beitragen, dass die Erwärmung auf weit über 2°C ansteigt.

In Wirklichkeit sind die Emissionen in Österreich seit dem Abkommen von Paris laut Energypeace gestiegen; sie liegen 2017 um etwa 10 Mio. Tonnen über dem Sollwert!

Energypeace erklärt warum es zu dieser Entwicklung kam:
  • Österreich ist ein Steuerparadies für fossile Energien: für Treibstoffe, Heizöl, Gas
  • Diverse weitere Begünstigungen für fossile Energien wurden nicht angetastet
  • Die Wirtschaft fördert Ölheizungen, einige Landeregierungen Gasheizungen
  • Der Ausbau des erneuerbaren Stroms wird seit Jahren gebremst und behindert
  • Fördermittel für Gebäudesanierung und Ausbau der erneuerbaren Wärme (Solarthermie, Biomasse) wurden gekürzt
  • Die Umstellung auf E10 als Treibstoff wurde gestrichen
  • Ein gescheitertes Energieeffizienzgesetz – viel Bürokratie und wenig Effekt
  • Unbegründete Positivmeldungen aus Regierungskreisen schwächen den Änderungswillen
Wer trägt für dieses Versagen die Hauptverantwortung?
  • Die bisherigen Bundeskanzler (keine Koordination der Klimapolitik von der Regierungsspitze)
  • Der Wirtschaftsminister (keine Strategie zum Ausstieg aus den fossilen Energien)
  • Der Umweltminister (keine wirksamen Maßnahmen zur Senkung der Emissionen)
  • Der Finanzminister (kein ökologischer Steuerumbau trotz stark gesunkener Ölpreise)
  • Der Verkehrsminister (keine wirksamen Schritte gegen die hohen Verkehrsemissionen)
  • Die Nationalräte von SPÖ und ÖVP, die Anträge für eine ökologische Steuerreform ablehnten
  • Einige Landesregierungen, die den Gasausbau fördern
Was sind die Folgen einer Fortsetzung dieser Politik?
  • Beitrag zu einem globalen Temperaturanstieg um 3 bis 4°C, im Alpenraum von 3 bis 9°C
  • Wesentliche Verstärkung aller Extremereignisse, die schon bei plus 1°C auftreten
  • Zerbröseln hoher Berge – weniger Schnee, mehr Regen, Frost, mehr Bergstürze
  • Verschwinden der Gletscher in diesem Jhdt., Zusammenbruch im Wintertourismus
  • Mehr Extremniederschläge – Murenabgänge, Hochwasser, Stürme
  • Trockenperioden, Dürre, Missernten, steigende Lebensmittelpreise
  • Neue Schädlingsepidemien, Borkenkäfer, Zusammenbruch der Nadelwälder
  • Mehr Tropentage und Hitzeperioden, steigendes Gesundheitsrisiko
  • Global: Anstieg des Meeresspiegels, Teile der Erde werden unbewohnbar, Klimaflüchtlinge

Energypeace: In den Regierungsverhandlungen werden jetzt die Weichen gestellt: für eine Politik Richtung 2°C oder Richtung unkontrollierter Klimawandel!

Text von Energypeace

Quellen:

  • https://www.futurelearn.com/courses/climate-leadership/0/steps/21377
  • The report »The great gas lock in« by Corporate Europe Observatory, October 2017 https://corporateeurope.org/climate-and-energy/2017/10/great-gas-lock

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