Die Hochvolt-Spannung eines Elektroauto-Akkus entsteht heute, weil sehr viele Zellen in Reihe geschaltet sind – und sie sinkt, je leerer und älter die Batterie wird. Mercedes-Benz will dieses Grundprinzip aufbrechen: Beim »Power Converter« sitzen kleine, programmierbare Wandler direkt an einzelnen Zellen oder Zellgruppen und stellen gemeinsam konstant bis zu 800 Volt bereit. Die aktuelle Generation erreicht nach Herstellerangaben bis zu 3 kW. Was dahintersteckt und wo die offenen Fragen liegen, lesen Sie hier.
Bisher legt die Anzahl der in Reihe geschalteten Zellen die Systemspannung eines Akkupakets fest. Beim »Power Converter« arbeiten die Wandler dagegen parallel: Jeder regelt den Energiefluss seiner Zelle oder Zellgruppe, gemeinsam liefern sie eine stabile Gleichspannung auf Hochvolt-Niveau. Die Spannung wird damit zur Frage der Leistungselektronik und ihrer Software, die Gesamtleistung lässt sich über die Zahl der Wandler an das jeweilige Fahrzeug anpassen – vom Plug-in-Hybrid bis zum reinen Elektroauto.
Dieselbe Hardware soll laut Mercedes Aufgaben übernehmen, für die heute getrennte Bauteile im Auto stecken: die Wandlung von Wechsel- und Gleichstrom – etwa beim Laden an der Wallbox – und das bidirektionale Laden, bei dem das Auto Strom ins Haus (Vehicle-to-Home) oder ins Netz (Vehicle-to-Grid) zurückspeist. Durch die Zusammenführung bisher getrennter Funktionen könnte der Platzbedarf der Leistungselektronik sinken. Mercedes-Benz stellt zudem Verbesserungen bei Reichweite und Effizienz in Aussicht, nennt dafür aber noch keine Zahlen.
Ganz neu ist die Idee nicht: Mercedes hatte das Konzept zellindividueller Mikrowandler bereits im November 2024 als Forschungskonzept vorgestellt. Die nun genannten bis zu 3 kW sind ein Zwischenstand – ob sie für einen einzelnen Wandler oder für eine bestimmte Gesamtkonfiguration gelten, lässt der Hersteller offen. Offen bleiben auch die Kosten der dezentralen Wandler, ihr Wirkungsgrad und die Frage, welche Effizienzvorteile das Gesamtsystem gegenüber einer klassischen Hochvoltbatterie tatsächlich erreicht – und nicht zuletzt der Zeitplan: Ein Serienfahrzeug mit dem »Power Converter« hat Mercedes-Benz bisher nicht angekündigt.
Quelle: Mercedes-Benz