DI Peter Traupmann und DI Monika Wanjek
DI Peter Traupmann und DI Monika Wanjek von der Austrian Energy Agency präsentierten die Studie »Zukunft der Mobilität«. Foto: www.eCarandBike.com

Austrian Energy Agency: Studie zur Zukunft der Mobilität

Kein »one size fits all« bei Antriebssystemen

Die Zukunft der Mobilität steht in den Sternen. Sauberer Verbrenner, Elektro- oder doch Wasserstoffantrieb – welche Technologie macht das Rennen? Der Ausgang des Wettlaufs bleibt weiter offen. Während für viele das Auto nach wie vor die heilige Kuh ist, traute sich die Austrian Energy Agency über das komplexe Thema und erstellte eine Studie. Wenn Sie wissen wollen, ob die Autoindustrie an Bedeutung verlieren oder die Bevölkerung auf ihre Fahrzeuge verzichten wird, dann sind Sie hier genau richtig!

„Verkehr ist nicht nur für mehr als ein Drittel des heimischen Endenergieverbrauchs verantwortlich, er ist auch größtenteils von Erdöl abhängig. Um eine saubere und nachhaltige Energiezukunft in Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen zu realisieren, braucht es auch einen Wandel in der Mobilität“, betont Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. Aus diesem Grund hat die Österreichische Energieagentur in einer aktuellen Studie die Meinungen von 123 »Experten« aus diesem Bereich abgefragt. Bei einem Systemwandel in diesem Ausmaß spielen neben neuen technologischen Entwicklungen vor allem auch soziale und ökonomische Aspekte eine Rolle, zeigen die Ergebnisse der Studie. „Die befragten Expertinnen und Experten sind sich einig, dass neue, multimodale Verkehrsangebote unser Verkehrsverhalten verändern werden und der motorisierte Individualverkehr geringer werden wird. Mobilität kann in Zukunft zunehmend zu einer Dienstleistung werden, womit auch der Besitz eines eigenen Pkws an Bedeutung verlieren könnte“, gibt Traupmann einen Ausblick. „Bei der Technologie wird die Zukunft einen Mix an Antriebssystemen bringen, es wird keine »E-Monokultur« erwartet. Mehr Einigkeit herrscht unter den Experten bei selbstfahrenden Fahrzeugen, die für drei Viertel der Befragten bereits in zehn Jahren Realität sein werden – allerdings nicht flächendeckend“, so Traupmann. Hinzu komme, dass die Digitalisierung die Gestaltung und Weiterentwicklung des Verkehrssystems unterstützen und Informations- und Kommunikationstechnologien eine bedeutende Rolle spielen werden.

E-Mobilität ist in aller Munde

Doch die aktuelle Studie zeigt, dass sich hier unterschiedliche Technologien durchsetzen werden: 8 von 10 Befragten sind der Meinung, dass im Personen- und Güterverkehr künftig verschiedene Energieträger zum Einsatz kommen. „Im Personenverkehr werden sich batteriebetriebene PKWs durchsetzen. Bei Transporten im gewerblichen Verkehr ab 3,5 Tonnen erwarten die Befragten eher Fahrzeuge, die mit Brennstoffzellen oder Wasserstoff angetrieben werden“, erläutert die Studienautorin Monika Wanjek, Senior Expert Mobilität, Verkehr & Raumplanung der Österreichischen Energieagentur.

Um die Verbreitung von E-Fahrzeugen mit Batterie zu steigern, ist vor allem eine passende und in ausreichender Anzahl bzw. Qualität zur Verfügung stehende Ladeinfrastruktur entscheidend. Förderungen der Anschaffungskosten haben aus Sicht der Befragten hingegen nur geringe Bedeutung.

Multimodale Mobilitätsstationen ändern unser Verkehrsverhalten

Drei Viertel der Befragten schätzen die Bedeutung von öffentlichen Standorten, an denen viele verschiedene Angebote von Verkehrsmitteln (Fahrrad, Carsharing, öffentlicher Verkehr etc.) zur Verfügung gestellt werden, als hoch ein. „Ganze 93 % glauben, dass diese neuen Verkehrsknotenpunkte unser Verkehrsverhalten ändern werden. Dabei erwarten die Befragten vor allem einen Rückgang des motorisierten Individualverkehrs“, so Wanjek.

Alternative zum privaten Pkw?

Dem Ansatz, Mobilität als Dienstleistung – auch »Mobility as a Service« genannt – anzubieten, wird eine hohe Bedeutung beigemessen (74 %). Fast drei Viertel (71 %) der Befragten sehen das Konzept auch als Alternative zum Besitz eines eigenen Pkws. Die Zahlungsbereitschaft ist allerdings gering, die Befragten schätzen sie auf 85 Euro pro Monat. „Es wird sich erst zeigen, ob sich diese innovativen Konzepte wirtschaftlich abbilden lassen. Das wird letztlich wesentlich von den Rahmenbedingungen und der Anzahl der Nutzerinnen und Nutzer abhängen“, analysiert Traupmann.

Zero Emission Zones gehören bald zum Alltag

80 % der Befragten sind der Meinung, dass Gebiete, in denen keine CO2-emittierenden Kraftfahrzeuge mehr unterwegs sein dürfen, ab 2030 zum ganz normalen Alltag in europäischen Städten gehören werden.

Selbstfahrende Fahrzeuge bald Realität?

Knapp drei Viertel (73 %) sehen bereits in zehn Jahren Anwendungsfelder für vollautomatisierte Fahrzeuge. Dabei geht es um explizit dafür ausgewiesene oder um sogenannte hochrangige Infrastrukturen. „Vollautomatisierte Fahrzeuge werden etwa an Industriestandorten, Flughäfen oder auf Autobahnen unterwegs sein. U- und Eisenbahnen werden autonom fahren. Flächendeckendes selbstständiges Fahren im privaten Bereich wird in diesem Zeitraum jedoch nicht erwartet“, erläutert Wanjek die Einschätzungen der Befragten beispielhaft.

Mehr Freizeit dank E-Commerce?

E-Commerce beeinflusst das künftige Verkehrsgeschehen wesentlich: 9 von 10 Befragten (92 %) gehen davon aus, dass E-Commerce private Besorgungswege ersetzen wird. Sie rechnen mit einer Reduktion um 40 %. „Die Auswirkungen auf das gesamte Verkehrssystem sind heute noch nicht absehbar: Wie wird die – bisher mit Besorgungen verbrachte – Zeit künftig verwendet? Freizeitwege haben in den letzten Jahren bereits an Bedeutung zugenommen, doch nicht immer zugunsten des öffentlichen Verkehrs. Zusammen mit vermehrtem Zustellverkehr – ausgelöst durch E-Commerce – könnte das sogar zu einer Zunahme im Gesamtverkehrsaufkommen führen“, ergänzt Traupmann.

IT-Unternehmen als neue Player in der Mobilität

„Bei allen Weiterentwicklungen des altbekannten Verkehrssystems spielen Informations- und Kommunikationstechnologien eine bedeutende Rolle. Sie erleichtern den Menschen den Zugang zu verschiedensten Fahrzeugen und Mobilitätsservices“, erläutert Traupmann. Doch welche Unternehmen werden künftig von dieser Entwicklung profitieren? 86 % der Befragten sehen etablierte Mobilitäts- und Verkehrsdienstleiter (wie zum Beispiel die ÖBB oder den Verkehrsverbund) als wesentlich für die Gestaltung von multimodalen Mobilitätsstationen. Auf Platz zwei folgen bereits IT-Unternehmen (57 %), die Lösungen für eine stärkere Vernetzung von Menschen, Fahrzeugen und Mobilitätsservices erarbeiten. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der E-Mobilität hält mehr als die Hälfte (54 %) der Befragten auch Energieunternehmen für relevant.

Eine interessante Erkenntnis stellt folgende Tatsache dar: Für mehr als die Hälfte werden Bauträger, die künftige Wohnsiedlungen gestalten, eine wichtige Rolle spielen. Die Autoindustrie wird laut Wanjek an Bedeutung verlieren – in der Studie heißt es, dass weniger als 3 von 10 Personen die Automobilindustrie als Player sehen (27 %).

IT-Unternehmen, die am Verkehrsmarkt aktiver mitmischen möchten, könnten sich aus Expertinnen- und Expertensicht als »Mobility-as-a-Service«-Dienstleister etablieren. Mehr als ein Drittel (37 %) der Befragten sind der Meinung, dass sich IT-Unternehmen künftig hier erfolgreich am Markt behaupten werden, 6 von 10 Personen (62 %) setzen dabei auf Start-ups. Auf den Top-Plätzen liegen jedoch öffentliche (86 %) und private (80 %) Mobilitäts- und Verkehrsdienstleister.

Quelle: OTS
Online Umfrage unter 123 Expertinnen und Experten, Zeitraum: 27. September bis 6. November 2017.

 

www.energyagency.at

 


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