Im Windkanal kann man zum Beispiel Skispringen. Man kann aber auch ein Elektroauto testen.
Das niederländische Start-up Lightyear hat das Desing nach der Aerodynamik entwickelt. Dazu gehört, dass die Hinterräder halb abgedeckt sind. (Bild: Lightyear)

Lightyear One:

Das Auto, das sich nach dem Wind richtet

Einige Elektroautos sind derzeit SUVs. Darum stoßen die betreffenden Hersteller gelegentlich auf die Kritik, dass es doch wesentlich sinnvoller sei, kleinere, leichtere Autos zu bauen, um so deren Reichweite zu erhöhen. Die Anforderung an die Batterie könnte dadurch geringer werden. An diesem Punkt setzt das niederländische Start-up Lightyear an.

Aerodynamisch unter jeder Bedingung

Der Lightyear One ist ein Elektroauto, das unter der Windschnittigkeit als oberster Prämisse entwickelt wurde. Der Luftwiderstand des Modells soll so gering wie möglich sein, um die Reichweite zu erhöhen. Das eigene Ziel scheint das Start-up damit zu erreichen: Bei geringerer Akkukapazität hat der Lightyear One eine höhere Reichweite als zum Beispiel die Spitzenmodelle von Tesla. Sagenhafte 800 Kilometer soll der One schaffen. Möglich macht das allerdings nicht nur seine Form. Der One hat Solarzellen mit einer Leistung von rund 1,25 kW in die Außenhaut seiner Karosserie integriert. Diese erst ermöglichen die hohe Reichweite. Ohne die Photovoltaikpanele betrüge der WLTP-Wert »nur« 725 Kilometer. Damit ließen sich dennoch Strecken wie Wien–Frankfurt oder Lissabon–Madrid ohne Halt absolvieren. An einem sonnigen Tag könnte man ohne an einer E-Ladestation zu laden sogar von Wien nach Sarajevo fahren. Unter extrem schlechten Bedingungen (eine Autobahnfahrt im Winter mit eingeschalteter Heizung) garantiert Lightyear immer noch 400 Kilometer.

Natürlich fällt die schnittige Bauweise optisch auf. Der Wagen ist äußerst flach gehalten – und lang. Rund fünf Meter lang und 1,4 Meter hoch ist das Modell, damit es die Anforderungen erfüllt. Der Fahrzeugboden ist komplett eben, die Neigung des Hecks ist bewusst extrem flach konzipiert. Diese bringt dem Fahrzeug erst die Länge von fünf Metern. Wäre das Heck kürzer, wäre die Neigung steiler, was wiederum die Geschwindigkeit des Luftstroms verringern würde – was im Endeffekt die Reichweite senken würde.

Die aerodynamische Bauweise beeinflusst selbstverständlich auch das Fahrzeuginnere. Sehr großgewachsene Personen sollten eher nicht im Fond sitzen. Die Beinfreiheit ist aber sowohl auf den Vorder- als auch auf den Rücksitzen gegeben. Damit ist das Raumpotenzial des One allerdings noch nicht ausgeschöpft, denn der Gepäckraum wartet mit einem Volumen von 780 Litern auf; bei umgeklappten Rücksitzen stehen sogar 1.700 Liter zur Verfügung.

Schließlich ist die Aerodynamik auch eine Frage des Gewichts – und über dieses haben sich die Entwickler des Fahrzeugs, Absolventen des Solar Team Eindhoven, ebenfalls Gedanken gemacht. Carbon- und Aluminiumbauteile sollen dafür sorgen, dass der Lightyear One höchstens 1.300 Kilogramm wiegt. Erreichen die Konstrukteure dieses Ziel, wird das Auto nicht nur leichter sein als SUVs wie der Audi e-tron oder der Kia e-Niro, sondern auch als der Kleinwagen Honda e.

Bis zu 60 kW Ladeleistung

Was darf bei einem Text über ein Elektroauto natürlich nicht fehlen? Genau, die Ladegeschwindigkeit. Ein Typ-2-Stecker ermöglicht Laden mit 22 kW. Wenn es schnell gehen soll, kann der One mittels CCS-Anschluss mit 60 kW geladen werden.

Der Start der Serienproduktion soll 2021 beginnen. Auf den Markt werden die ersten Modelle aber bereits davor kommen, und zwar um einen Preis von rund 120.000 Euro exklusive Steuern. Langfristig verfolgt Lightyear aber das Ziel, solarbetriebene Elektroautos für den Massenmarkt zu entwickeln.

Quellen:

lightyear.one

Autozeitung
Auto Motor und Sport

 


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