(Bild: Österreichs E-Wirtschaft)

Nachbericht Österreichs Energie Trendforum

Wirtschaftskraft Strom

Rund 12,56 Milliarden Euro beträgt die Bruttowertschöpfung der österreichischen Elektrizitätswirtschaft im weiteren Sinn, also inklusive der Effekte aus Vorleistungen und Einkommensverwendungen. Die Branche repräsentiert damit etwa vier Prozent des heimischen Bruttoinlandsprodukts, ebenso viel wie der Einzelhandel. Sie könnte mit der Energiewende zum Konjunktur- und Beschäftigungsmotor unseres Landes werden. Das zeigt eine Studie des »Economica Instituts« für Wirtschaftsforschung, die am 18. Juni im Rahmen eines Trendforums von Österreichs Energie vorgestellt wurde.

Leonhard Schitter, Präsident von Österreichs Energie, sieht die Bedeutung der E-Wirtschaft in den kommenden Jahren noch deutlich steigen: „Strom ist der Treibstoff der Energiewende und mit dem Ziel von (bilanziell) 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien 2030 Angelpunkt der integrierten Klima- und Energiestrategie der Bundesregierung. Ohne Strom geht nichts. Aber Strom sehen wir nicht. Er ist eine unsichtbare Kraft“, so Schitter. Die Ziele der Strategie können nur durch einen massiven Ausbau der Infrastruktur erreicht werden. Schitter: „Wir sind dazu gerne bereit, brauchen aber entsprechende Rahmenbedingungen“, betonte Schitter. “Notwendig sind insbesondere schnellere und einfachere Genehmigungsverfahren, eine rasche und marktgerechte Neuregelung des rechtlichen Rahmens für die Stromversorgung (Energiegesetz), Investitionssicherheit sowie der verstärkte Einsatz von Strom in den Bereichen Mobilität und Raumwärme.

Rasch Investitionen ankurbeln

Antonella Mei-Pochtler, Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers und Leiterin des Strategiestabs »Think Austria«, betonte die enorme Bedeutung der Elektrizitätswirtschaft für die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs. Nicht zuletzt bei der Digitalisierung könne diese eine maßgebliche Rolle spielen. Es gelte, möglichst rasch in die Infrastruktur für die Stromversorgung zu investieren, dafür „marktwirtschaftliche Incentives zu schaffen und Innovationen zu stimulieren“. Laut Mei-Pochtler ist die E-Wirtschaft „hochattraktiv für nationale und internationale Investoren“. Diesen wolle die Bundesregierung ansprechende Bedingungen bieten. Für die E-Wirtschaft selbst sollen schnellere Genehmigungsverfahren geschaffen werden. Wichtig ist laut Mei-Pochtler, dass „die Unternehmen der Politik sagen, welche Rahmenbedingungen sie brauchen. Jeder Input vom Markt ist »highly welcome«“.

Energiewende den Menschen begreifbar machen

Christa Schlager, Abteilungsleiterin Wirtschaftspolitik der Arbeiterkammer sieht die E-Wirtschaft als wichtige Branche und bedeutenden Standortfaktor. Energie sei aber auch „ein lebensnotwendiges Gut und Teil der Daseinsvorsorge. Die Energiepolitik muss daher viele Ziele verfolgen, darunter Beschäftigung, Leistbarkeit, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit“, so Schlager. Ferner gelte es, den Menschen die Bedeutung der Energiewende zu verdeutlichen: „Sie müssen einschätzen können, was ihnen die Wende bringt und was sie kostet. Und es sind nun einmal nicht alle gleich. Auf der einen Seite gibt es den Prosumer mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach und dem Tesla in der Garage. Auf der anderen Seite stehen ärmere Leute, die noch immer mit Öl heizen und mit dem Fahrrad fahren müssen.“ Keinesfalls dürfe es zu einer »Zwei-Klassen-Energiegesellschaft« kommen, mahnte Schlager.

E-Control erwartet hohe Investitionen

Die E-Control beauftragte das »Economica-Institut« bereits 2016 mit einer Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der österreichischen Stromnetze. Auf diese entfallen etwa 40 bis 50 Prozent der Effekte der Gesamtbranche erklärte Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft der Energiemarkt-Regulierungsbehörde E-Control. Im regulierten Bereich der Netze sei die Wertschöpfung weitgehend stabil. Auch bei der Ökostromerzeugung gebe es dank Förderungen kaum Risiken. Anders sieht es laut Mayer im Bereich Handel und Vertrieb aus: „Da ist die Wertschöpfung ziemlich volatil.“ Die Aufgabe der E-Control sieht Mayer darin, weiterhin die Rolle des »kühlen Rechners« einzunehmen, der Investitionen genau unter die Lupe nimmt. Es sei aber klar, dass in den kommenden Jahren viel Geld für den Umbau des Systems fließen müsse.

E-Wirtschaft, ein Konjunktur- und Beschäftigungsmotor

Laut dem Leiter des Economica-Instituts, Christian Helmenstein, haben durch die E-Wirtschaft (im weiteren Sinn) rund 108.000 Personen Arbeit – mehr, als Klagenfurt im Jahr 2016 Einwohner zählte (97.688). Prozentuell gesehen, entspricht dies einem Anteil von drei Prozent an sämtlichen Beschäftigungsverhältnissen in Österreich: „Man könnte sagen: Jeder 33. Arbeitsplatz in Österreich ist auf die E-Wirtschaft zurückführbar, und zwar in Vollzeitäquivalenten“, so Helmenstein. Dass der Anteil der Branche an der Beschäftigung etwas geringer ausfällt als jener am BIP, liegt darin begründet, dass die E-Wirtschaft ein besonders kapitalintensiver Wirtschaftszweig mit überdurchschnittlich gut ausgebildeten Mitarbeitern ist. Diese weisen eine hohe Arbeitsproduktivität auf und beziehen ein entsprechend hohes Einkommen, so Helmenstein.

Verzögerungen des Infrastrukturausbaus schmälern volkswirtschaftliche Rendite

Ein rascher Einstieg in die Projekte der Energiewende dient nicht nur dem Klimaschutz, sondern hätte auch wirtschaftliche Vorteile: „Jedes Jahr, welches wir eine bestimmte Infrastruktur im Bereich der E-Wirtschaft nicht bauen, bedeutet, dass wir sechs Prozent an volkswirtschaftlicher Rendite auf diese Investition verlieren. Wenn die Investitionssumme 100 Millionen Euro beträgt, dann verlieren wir sechs Millionen Euro an volkswirtschaftlicher Rendite pro Jahr, wo wir diese Infrastruktur nicht zur Verfügung haben“, so Helmenstein.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Bedeutung der Branche für die Staatsfinanzen. An Steuern und Abgaben entrichtet diese jährlich etwa 5,54 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran haben lohnabhängige Steuern, die Umsatzsteuer sowie inländische Ertragssteuern, darunter die Körperschaftssteuer. Zugute kommen der öffentlichen Hand auch Dividenden von 310 Millionen Euro.

Ferner generiert jede in die Elektrizitätswirtschaft investierte Million Euro 668.000 Euro an Wertschöpfung in anderen Branchen. Rund zwei Drittel dieses Betrags verbleiben im Inland, und hier nicht zuletzt bei kleinen sowie mittelgroßen Unternehmen. Laut Helmenstein verfügt Österreich im Bereich der E-Wirtschaft über viele geschlossene Wertschöpfungsketten und hochkompetente Unternehmen: „Bei den elektrizitätswirtschaftlichen Patenten gehört Österreich zu den weltweiten Top-Ten.“ Wie Helmenstein hinzufügte, entstehen pro Million Euro Investition in Kraftwerks- oder andere Infrastruktur in der E-Wirtschaft in Österreich sieben Arbeitsplätze, „und zwar wieder in Vollzeitäquivalenten. Wenn wir es also schaffen, einen Investitionsschub in der E-Wirtschaft auszulösen, dann wirkt das wie ein Beschäftigungsmotor“.

Österreichs Energie Trendforum ist eine Diskussionsreihe zur Erörterung von Zukunftsfragen zu Strom und Energie. Das Trendforum wurde 2012 etabliert und findet vier Mal jährlich in Wien statt.

Quelle: Österreichs E-Wirtschaft


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