Noch ist der Red Bull Ring für die Formel 1 bekannt. Wer weiß, vielleicht wird hier ja auch bald Platz für die Formel E.

Megger-Fachtagung am Red Bull Ring in Spielberg:

Volle Kraft voraus!

Die Fachtagung von Megger war eine wahres Power-Event: 4 Tage, 37 Fachvorträge, 10 Praxis-Workshops, viele Aussteller, abwechslungsreiche Abendprogramme und natürlich das Highlight für jeden Motorsport-Fan: Der Blick hinter die Kulissen des Red Bull Rings. Megger ist ein weltweit agierender Analysespezialist, der von der Aufrechterhaltung der Stromversorgung über die Prüfung von Batterien bis hin zu erneuerbaren Energiequellen über Kompetenz verfügt. Dementsprechend war die Veranstaltung vieles, aber bestimmt nicht langweilig! Vor allem den letzten Tag, der im Zeichen der »Batterien & Speicher« stand, konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen.

Nachdem wir bereits am »Tag der Niederspannung« vor Ort waren, wollten wir mehr. So war der Besuch am Donnerstag, der sich ganz dem Thema »Batterien & Speicher« widmete, nur die logische Konsequenz. Die Location dafür hätte kaum besser gewählt werden können: Der Red Bull Ring in Spielberg. Also auch hier, wo einmal im Jahr die große Formel 1 ihre Zelte aufschlägt, macht sich schön langsam Elektromobilität breit – ein wohliges Gefühl.

Robert Gruber, Vertriebsleiter Megger Österreich, war der »Mastermind« hinter dem Event. Tatkräftige Unterstützung bei der Organisation erhielt er von Jan Lukas Parsch, Vertriebssupport Key Account und Eventmanagement Megger.

Wie es sich eben für einen guten Gastgeber gehört, hat Oliver Nicolai, Sales Director Deutschland & Österreich bei Megger, die Begrüßung übernommen, ehe der Initiator und Cheforganisator der Fachtagung, Robert Gruber, an das Rednerpult trat. In seiner Funktion als Vertriebsleiter von Megger Österreich stellte er das Unternehmen für die anwesenden Gäste kurz vor, um das Wort anschließend an seine hochkarätigen Vortragenden zu überreichen. Dabei wusste Hans Kronberger, Präsident vom Bundesverband Photovoltaic Austria gleich zu Beginn um die »Bedeutung der Speichertechnik für die Photovoltaik«: „Photovoltaik und Speicher sind meiner Meinung nach eineiige Zwillinge. Sie gehören zusammen, sie ergänzen einander. Unser größtes Problem ist die Volatilität der Stromerzeugung und das können wir mit Speichertechnik lösen.“ Dass diese Technik vor allem für die Mobilität von Bedeutung sein wird, ist er sich sicher: „Eine der wichtigsten Nutzungsgebiete von selbstproduziertem Strom wird in Zukunft die Mobilität sein. An 20 Prozent der gesamten Energieaufbringung ist Strom beteiligt. Das ist dabei sich zu ändern. In Österreich gibt es zum Beispiel den Plan der Energieversorger, diesen Anteil bis zum Jahre 2030 auf 33 Prozent zu erhöhen – ein sehr ambitioniertes Ziel.“ Aber nicht nur diese Ziele selbst sind wichtig, auch die grundsätzlichen Voraussetzungen dafür spielen eine große Rolle. Hier bot Kronberger eine alternative Sichtweise zur Implementierung erneuerbarer Stromtechniken in das Energiesystem: „Ich verweigere mich immer zu sagen, dass die »Erneuerbaren« gefördert oder subventioniert werden. Genau betrachtet waren das alles keine Förderungen und Subventionen, sondern volkswirtschaftlich gesehen sinnvolle Investitionen.“ Welche Entwicklungen diese Investitionen mit sich bringen werden, zeigt sein abschließender Ausblick: „Mit der Speichertechnik kann man die derzeitige Eigenbedarfsnutzung von 20 – 30 % auf 70 – 80 % steigern. Dieser Weg ist die Zukunft und die Elektromobilität wird uns da einen Aufschwung geben. Man wird zum Beispiel den Strom, den man auf dem eigenen Dach produziert hat auch im Portugal-Urlaub bei einer Ladestation konsumieren können. Die Bezahlung wird innerhalb dieses Systems mit den eigenen Kilowattstunden als Berechnungsmittel erfolgen.“

Weg von den Speichern, hin zu den Batterien hieß es beim Vortrag von Bernhard Rill, Vice President Gustav Klein GmbH, der eine Prognose für die Entwicklung der Batteriepreise parat hatte: „Momentan gibt es bei Lithium-Ionen Batterien eine Knappheit. Die Autohersteller haben gemerkt, dass sie Batterien und Elektroautos bauen müssen und dadurch gibt es mittlerweile in Süd-Ost-Asien, wo die meisten Lithium-Ionen Batteriezellen herkommen, eine Knappheit. Man beginnt jetzt in Europa Fabriken aufzubauen, um Lithium-Ionen Batterien zu fertigen. Bis das alles funktioniert werden aber noch ca. drei Jahre vergehen. Dann werden wir wieder genügend Batterien haben und auch einen vernünftigen Preis. Das heißt also, dass wir jetzt steigende, anschließend stagnierende und letztendlich wieder sinkende Preise haben, sobald diese Fabriken entsprechend arbeiten.“

Heimo Aichmaier, Geschäftsführer Austrian Mobile Power, ist selbst begeisterter »Elektromobilitätler«. „Ich kann telefonieren, E-Mails beantworten oder einfach einen Kaffee mit Kipferl genießen. Das entstresst mich komplett! Das ist echt interessant“, sagt er zu seinen extrem seltenen Zwischenladungen.

Auch Marcus Escuyer, Projektleiter neue Technologien bei Akkutron, weiß von der Beliebtheit der Batterien zu berichten: „Es werden jährlich um die 1,5 Milliarden Mobiltelefone produziert und in jedem befindet sich eine Lithium-Batterie. Dabei sind Tablets, Laptops und alle anderen mobilen Anwendungen, die ebenso Lithium-Batterien verwenden, noch nicht einmal berücksichtigt. Sie sind heute das meist gebaute Batterie-System – wenngleich auch in kleinen Zellen. Das, was wir heute für USV-Anlagen, Elektromobilität und PV-Speichersysteme brauchen, sind große Zellen, um Lösungen wie bei Tesla zu vermeiden, bei der viele kleine Zellen mühsam miteinander verbunden werden müssen. Jedes System hat natürlich seine Vorteile. Der Ausfall einer einzelnen großen Zelle wirkt sich dramatischer aus als bei einer kleinen Zelle. Aber eigentlich muss das Ziel der Hersteller sein, dass Zellen überhaupt nicht ausfallen. Sie müssen also Qualitätsbatterien liefern, auf die man sich verlassen kann.“

Eine äußerst interessante Frage warf auch Christian Brennig, Referent Technologien und Standards beim Bundesverband Energiespeicher (BVES), auf. »Ist die Energiewende wirtschaftlich?« gab er zu bedenken, um gleich danach die Antwort zu geben: „Wir denken ja! Auf der einen Seite ist das klassische, konventionelle Energiesystem, bei dem mit 70 € pro Megawattstunde gerechnet wird und auf der anderen Seite ist das 100 % erneuerbare Energiesystem, bei dem man auf Kosten von 52 € pro Megawattstunde kommt. Außerdem haben wir deutlich weniger Verluste an Primärenergie. Man muss sich Folgendes überlegen: Wir »schmeißen« Kohle in ein Kraftwerk und hinten kommen 30 % Energie heraus, beim Kunden vielleicht bloß 25 %. Wenn wir auf erneuerbare Energien umsteigen, sind wir günstiger, selbst wenn wir noch Speicher einbauen.“

Um den Kreis zu schließen und den Blick von Batterien und Speichern auf das große Ganze zu richten, hielt Heimo Aichmaier, Geschäftsführer Austrian Mobile Power, einen ergreifenden Vortrag zum Thema Elektromobilität und stellte gleich zu Beginn klar: „Es heißt nicht Auto- gegen Stromwirtschaft, es geht nur gemeinsam. Blöderweise wird das momentan ein bisschen so gespielt – das müssen wir auflösen.“ Als merklich begeisterter Elektromobilitätsanhänger, war es für ihn auch an der Zeit mit einigen Vorurteilen aufzuräumen: „Im Alltag reden wir alle darüber, dass 20 % der Ladungen an Schnellladestationen unterwegs stattfinden. Begleitstudien aller Konzerne zeigen allerdings, dass es weltweit maximal 10 % sind. Es wird also wenig nachgefragt. Die durchschnittliche Menge sind 15 kWh in Österreich und 13 kWh in den Niederlanden. Also kein Geschäft, das rentiert sich nie! In diese Schnellladestationen ist ganz viel Steuergeld reingeflossen, damit die Reichweitenangst verschwindet. Aber das brauchen wir, weil die Leute sonst nicht in den Fahrzeugen sitzen. Selbst wenn wir weiterhin mit 20 % rechnen, laden immer noch 40 % Zuhause und 40 % am Arbeitsplatz.

Anpacken statt zuhören lautete die Devise bei den Praxisworkshops.

Wenn wir es also schaffen, privat eine Möglichkeit zu bieten das Auto aufzuladen, beispielsweise mit einer bedarfsgerechten Wallbox, kann man die Energie, während des Schlafens, ganz lange »reintröpfeln« lassen, wenn die Kraftwerke gerade nicht die Spitzenlast fahren. Und zu den zweiten 40 %: Im Durchschnitt legen wir 3,3 Wege täglich zurück. Wenn man nun als Angestellter im Unternehmen ist, in Teilzeit für vier Stunden und in Vollzeit für acht Stunden, hat man doch bitte wahnsinnig viel Zeit, um genügend Strom in das Auto zu bringen, damit diese täglichen Strecken zurückgelegt werden können.“

Darüber hinaus forderte er bezugnehmend auf die Elektromobilität ein Umdenken und zeigte mit einer persönlichen Anekdote einen weiteren Vorteil: „Zukünftiges Mobilitätsbewusstsein ist verändertes Mobilitätsverhalten. Sie werden es vielleicht schon mitbekommen haben, natürlich ist es für Sie eine Änderung – hoffentlich keine Einschränkung, wenn Sie die richtige Kombination wählen. Aber es bedarf einmal eines Nachdenkens. Passt meine Auswahl bedarfsmäßig zu mir? Und wenn nicht: Was kann ich ändern, dass es zu mir passt. Ich fahre selbst seit fünf Jahren mit elektrischen Fahrzeugen. Dabei habe ich sehr schnell gelernt, für die Zwischenladung – die ich für weitere Strecken durchschnittlich drei- bis fünfmal im Jahr brauche – eine Ladepause einzuplanen. In der kann ich telefonieren, E-Mails beantworten oder einfach einen Kaffee mit Kipferl genießen. Das entstresst mich komplett! Das ist echt interessant! Probieren Sie das bitte einmal für einen Monat aus und sie werden sehen, dass das keine Entbehrung ist – man braucht keine Batterie für 1.000 km.“

Das obligatorische Gruppenfoto: Gar nicht so einfach alle ins Bild zu bekommen.

Mit diesen Anregungen ging es dann erst einmal in die Mittagspause, um sich beim Buffet für die Praxisworkshops am Nachmittag zu stärken. Ovid Schröder, Geschäftsführer PEES Ingenieurbüro für Elektroenergieanlagen, und PEES-Mitarbeiter Jürgen Rosendahl zeigten dem interessierten Publikum »Neue Möglichkeiten der Steuerung, Überwachung und Meldung von komplexen, gesicherten AC- und DC-Stromversorgungen mit frei programmierbaren Touch-Screen-Controllern«. Dazu brachten sie einige Gerätschaften aus Deutschland mit und scheuten sich auch nicht davor die Teilnehmer damit hantieren zu lassen. Auch André Borer, Verkaufsleiter Megger Schweiz, gestaltete seinen Workshop wirklich praxisnahe. Nach einer theoretischen Einführung in das ergebnisorientierte Überwachen und Prüfen einer Batterie, wurden die Zuhörer zu Akteuren und konnten das soeben gehörte direkt selbst probieren – mit großer Begeisterung, wie sich herausstellte.

Der Tag der »Batterien & Speicher« war ein bunter Mix an Programmpunkten und beleuchtete das Thema aus vielen verschiedenen Blickwinkeln, sodass tatsächlich ein reger Austausch stattfinden konnte. Wahrscheinlich benötigen wir alle etwas mehr Bewusstsein für Distanzen und damit auch für die Kapazitäten von Batterien. Schließlich fahren wir auch nicht, von Reichweitenangst getrieben, sofort zur nächsten Tankstelle, weil das Auto nur halbvoll ist…

Weitere Impressionen und Informationen zum Event:

www.megger-on-tour.at

www.megger.com


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