Konzernzentrale von BMW in einer Grafik
(Bilder: BMW Group)

Rohstoffversorgung für Batteriezellen:

BMW kauft nachhaltiges Kobalt in Marokko ein

Die BMW Group treibt den Ausbau der Elektromobilität voran und kauft künftig den für Batteriezellen wichtigen Schlüsselrohstoff Kobalt direkt ein. Kürzlich hat das Unternehmen dafür einen Liefervertrag mit dem marokkanischen Bergbauunternehmen Managem Group unterzeichnet. „Das Vertragsvolumen beträgt rund 100 Millionen Euro“, sagt Andreas Wendt, Vorstand der BMW AG für Einkauf und Lieferantennetzwerk. BMW deckt damit rund ein Fünftel des Kobalt-Bedarfs für die fünfte Generation ihrer elektrischen Antriebe ab. Die große Mehrheit des benötigten Kobalts, rund vier Fünftel, wird das Unternehmen aus Australien beziehen. Die Laufzeit für den Vertrag zwischen der BMW Group und der Managem Group beträgt fünf Jahre und läuft bis 2025. Bereits im Januar 2019 hatten die beiden Unternehmen in Marrakesch eine Absichtserklärung für den Direktbezug von Kobalt aus Marokko unterzeichnet.

„Kobalt ist ein wichtiger Rohstoff für die Elektromobilität. Mit der Unterzeichnung des heutigen Liefervertrags mit Managem sichern wir unseren Rohstoffbedarf für Batteriezellen weiter ab“, so Wendt. „Wir treiben die Elektrifizierung unserer Fahrzeugflotte konsequent voran. Bereits 2023 wollen wir 25 elektrifizierte Modelle im Angebot haben, davon mehr als die Hälfte vollelektrisch. Entsprechend steigt der Bedarf an Rohstoffen. Allein für Kobalt rechnen wir bis 2025 etwa mit einer Verdreifachung unseres heutigen Bedarfs.“

Nachhaltigkeit – zentrale Rolle beim Ausbau der Elektromobilität

Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit sind wichtige Faktoren für die Elektromobilität. „Für uns beginnt eine ethisch verantwortliche Rohstoffgewinnung und -verarbeitung ganz am Anfang der Wertschöpfungskette: Wir beschäftigen uns intensiv mit den Lieferketten für Batteriezellen – bis in die Rohstoffminen hinein“, sagt Ralf Hattler, Bereichsleiter für Einkauf Indirekte Güter und Leistungen, Rohstoffe, Produktionspartner bei der BMW AG. Die Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten habe dabei oberste Priorität: „Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt unserer Unternehmensstrategie und spielt eine zentrale Rolle beim Ausbau der Elektromobilität. Wir sind uns unserer Verantwortung voll bewusst: Kobalt und andere Rohstoffe müssen unter ethisch verantwortlichen Bedingungen gewonnen und verarbeitet werden“, betont Wendt. Für die Kobalt-Gewinnung bei der Managem Group gälten höchste Ansprüche in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Bereits jetzt veröffentlicht die BMW Group auf ihrer Webseite die Herkunftsländer für Kobalt. Für die fünfte Generation an Batteriezellen hat das Unternehmen außerdem die Lieferketten neu strukturiert und wird nicht nur Kobalt, sondern auch Lithium ab heuer selbst direkt einkaufen und die Rohstoffe den beiden Batteriezell-Herstellern CATL sowie Samsung SDI zur Verfügung stellen. Damit ist eine vollständige Transparenz über die Herkunft der Rohstoffe gegeben. Außerdem wird die BMW Group ab der fünften Generation der Elektroantriebe ab 2021 komplett auf den Einsatz von seltenen Erden verzichten. „Damit machen wir uns unabhängig von deren Verfügbarkeit“, sagt Wendt.

Fachwissen zur kompletten Wertschöpfungskette der Batteriezelltechnologie

Die BMW Group verfügt über umfangreiches in-house-Fachwissen zur kompletten Wertschöpfungskette der Batteriezelltechnologie. Im November 2019 hat das Unternehmen sein »Kompetenzzentrum Batteriezelle« in München eröffnet. Ziel des Kompetenzzentrums ist es, die Technologie der Batteriezelle voranzutreiben und die Produktionsprozesse technologisch zu durchdringen. Die Produktion von Batteriezell-Prototypen ermöglicht es, die Wertschöpfungsprozesse der Zelle vollständig zu analysieren und zu verstehen. „Ob wir die Zellen zu einem späteren Zeitpunkt dann selber auch in Serie produzieren, hängt maßgeblich von der Entwicklung des Lieferantenmarktes ab“, sagt Andreas Wendt.

Dr.-Ing. Andreas Wendt, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Einkauf und Lieferantennetzwerk.

Für die fünfte Generation an elektrischen Antrieben bezieht die BMW Group ihre Batteriezellen bei CATL und Samsung SDI Das Auftragsvolumen der Kooperation mit CATL beträgt 7,3 Milliarden Euro, im Falle von Samsung SDI 2,9 Milliarden. Beide Verträge laufen bis 2031, jener mit Samsung beginnt erst nächstes Jahr. „Damit haben wir langfristig unseren Bedarf an Batteriezellen gesichert. Jede Zellgeneration wird im globalen Wettbewerb an den technologisch und betriebswirtschaftlich führenden Hersteller vergeben. So haben wir zu jeder Zeit Zugang zur bestmöglichen Zelltechnologie“, so Andreas Wendt.

Zellhersteller zur Verwendung von Grünstrom verpflichtet

Ein entscheidender Aspekt dabei: Je stärker sich die E-Mobilität durchsetzt, desto mehr verschiebt sich bei der CO2-Reduzierung der Fokus auf die vorgelagerte Wertschöpfung. Die BMW Group hat deshalb mit ihren Zellherstellern vertraglich vereinbart, dass diese bei der Produktion der fünften Generation von Batteriezellen nur noch grünen Strom verwenden. Dies wird dafür sorgen, dass das Unternehmen innerhalb der nächsten zehn Jahre rund 10 Millionen Tonnen CO2 einspart. Gerade die energieintensive Herstellung der Hochvoltspeicher ist beträchtlicher und wirksamer Hebel für die CO2-Reduzierung. Denn bei einem vollelektrischen Fahrzeug entfallen bis zu 40 Prozent der CO2-Emissionen allein auf die Herstellung der Batteriezellen – genau dort setzt BMW an.

Die hausinterne Fertigung der Batterien erfolgt in den BMW-Werken Dingolfing (Deutschland), Spartanburg (USA) sowie im BBA Werk Shenyang (China). Auch in Thailand hat BMW die Produktion von Batterien lokalisiert und arbeitet hierfür mit der Dräxlmaier Group zusammen.

Für die Erschließung der für die Elektromobilität entscheidenden Zelltechnologie hat BMW ein gemeinsames Technologiekonsortium mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt sowie Umicore, einem belgischen Entwickler von Batteriematerialien. Die Zusammenarbeit befasst sich mit dem Aufbau einer kompletten, nachhaltigen Wertschöpfungskette für Batteriezellen in Europa und erstreckt sich von der Entwicklung über deren Fertigung bis zum Recycling. Dabei spielt das Recycling von Batteriekomponenten eine entscheidende Rolle, um bei stark steigender Nachfrage nach Batteriezellen den Wertstoffkreislauf über eine umfassende Wiederverwertung der Rohstoffe bestmöglich zu schließen.

25 elektrifizierte Modelle bis 2023

Bereits 2023 wird es 25 elektrifizierte BMW-Modelle geben, verspricht das Unternehmen. Grundlage dafür sind die flexiblen Fahrzeugarchitekturen für vollelektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride und Verbrenner-Modelle, mit denen das Unternehmen schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren kann. Mehr als die Hälfte der 25 Modelle wird dabei vollelektrisch sein. Bis 2021 wird BMW den Absatz elektrifizierter Fahrzeuge gegenüber 2019 bereits verdoppelt haben. Bis 2025 rechnet das Unternehmen mit einer steilen Wachstumskurve: Jahr für Jahr soll der weltweite Absatz der elektrifizierten Fahrzeuge um durchschnittlich über 30 Prozent steigen. Auch in Europa folgt das Unternehmen einer anspruchsvollen Steigerungslogik: 2021 soll dort der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge in der Neuwagenflotte ein Viertel betragen, 2025 ein Drittel sowie 2030 auf die Hälfte des Absatzvolumens wachsen.

Bis Ende 2019 hat BMW mehr als eine halbe Million Fahrzeuge mit vollelektrischem oder Plug-in-Hybrid-Antrieb auf die Straße gebracht. Bis Ende 2021 wird das Unternehmen bereits fünf vollelektrische Serienfahrzeuge anbieten: Neben dem BMW i3, von dem bereits mehr als 160.000 Einheiten produziert worden sind, startete 2019 die Produktion des vollelektrischen Mini im Werk Oxford. Noch in diesem Jahr folgt im chinesischen Shenyang der vollelektrische BMW iX3; 2021 dann der BMW iNext, der in Dingolfing gefertigt wird, sowie der BMW i4 aus dem Werk München.

www.bmw.at
Herkunftsländer für Kobalt


Relevante Fahrzeuge

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