Trotz Chipmangel:

Rekord-Marktanteil für Elektro-Segment bei Neuzulassungen

von Moritz Hell
Foto: © EY/Stefan Seelig

Der EU-Neuwagenmarkt ist im November um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat geschrumpft. Damit fällt das Minus allerdings etwas weniger stark aus als im Oktober, als der Rückgang noch 30 Prozent betrug. Wesentlich Anteil daran hat der Mangel an Halbleitern. Das ergibt die EY-Analyse zu den Neuwagenzulassungen diesen November.

Wachstum trotz fehlender Halbleiter

Auch vor Elektroautos macht die Chipkrise nicht halt: In den fünf größten Märkten Westeuropas – Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien – stieg der Absatz im November »nur noch« um 36 Prozent. Im Oktober war er bei plus 52 Prozent. Der bisherige Jahresverlauf hatte ein Plus von 93 Prozent gebracht. In Österreich liegt das Wachstum im November deutlich höher, nämlich bei 50 Prozent.

Der Verkauf von Plug-in-Hybriden leidet besonders unter der Mangelware Chip. In Österreich legten reine Elektroautos um 70 Prozent gegenüber dem November des Vorjahres zu, die »Mischlinge« hingegen nur um 11 Prozent. In den Top-5-Märkten lag der Wert bei 59 Prozent, bei Hybriden bei 13. In Deutschland ist der Absatz von letztgenannten Modellen – wie schon im Oktober – gar rückläufig.

„Elektroautos erfreuen sich gerade einer hohen Nachfrage. Wären genügend E-Neuwagen verfügbar, könnte der Absatz deutlich höher sein. Die Halbleiterkrise ist jetzt auch im Elektrosegment angekommen“, kommentiert Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY, die Lage.

Elektro-Marktanteil erreicht dennoch Rekordhoch

Dennoch stieg der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen auf ein neues Rekordhoch: 24,4 Prozent aller in den Top-5-Märkten Westeuropas neu zugelassenen Pkw waren entweder Elektroautos (14,5 %) oder Plug-in-Hybride (10,0 %). Zum Vergleich: Im Vormonat (Oktober 2021) lag der Marktanteil bei 22,1 Prozent, vor einem Jahr, im November 2020, kamen Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen auf einen Marktanteil von 14,7 Prozent.

Absatz insgesamt im Minus

Erneut lag der Neuwagenabsatz in allen großen Märkten im November im Minus. Die stärksten Einbußen verzeichneten im November Deutschland (minus 32 Prozent) und Italien (minus 25 Prozent). In Österreich fiel das Minus etwas geringer aus und lag im November bei minus 13 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf liegt der Absatz EU-weit fast exakt auf dem Vorjahresniveau (minus 0,1 Prozent), aber deutlich – um 26 Prozent – unter dem Vorkrisenniveau von 2019.

Chipmangel wird Autobranche noch lange beschäftigen

„Der Chipmangel sorgt nach wie vor für massive Turbulenzen am Neuwagenmarkt“, sagt Axel Preiss. „Nach einem schwachen Neuwagenmarkt 2020 folgt nun ein noch schwächeres Jahr 2021. Der Markt bewegt sich deutlich unter dem Vorkrisenniveau und vorerst lässt nichts auf eine baldige Trendwende hoffen. Es fehlen wichtige Vorprodukte, vor allem Halbleiter – das wird noch bis Mitte des nächsten Jahres die Autoproduktion erschweren. Bis sich die Lage wirklich erholt, könnte es noch bis 2023 dauern.“ Der Aufbau der Kapazitäten in der Chip-Produktion brauche Zeit, zudem sei der Chip-Bedarf durch den zunehmenden Fokus auf elektrifizierte Fahrzeuge sehr hoch.

Für die Branche stelle diese Lage eine enorme Herausforderung dar: „Die Situation ist extrem angespannt, wird für viele auch zunehmend existenzbedrohend. An den Autokonzernen hängen zusätzlich auch die Händler und die in Österreich stark vertretenen Automobilzulieferer. Für einige könnte die Erholung wohl zu spät kommen“, so Preiss. Aktuell ist die Reaktion der Autohersteller laut Preiss die Anpassung der Produktion und des Modellmixes, sodass möglichst margenstarke Neuwagen ausgeliefert werden. Der Experte geht davon aus, dass das Preisniveau vorerst hoch bleiben wird.

Absatz von E-Autos im Ländervergleich

Deutschland wies im November erneut mit 34,4 Prozent den höchsten Marktanteil elektrifizierter Neuwagen unter den Top-5-Märkten auf, gefolgt von Großbritannien (28,1 %). Österreich reiht sich im Mittelfeld ein: Der Marktanteil von E-Autos und Plug-in-Hybriden zusammen liegt bei über einem Viertel (26,5 %). In Spanien waren hingegen im September nur 10,8 Prozent der Neuwagen elektrifiziert.

Insgesamt erweist sich derzeit die Nachfrage nach elektrifizierten Neuwagen in den deutschsprachigen Ländern als besonders hoch. So lag der gemeinsame Marktanteil von Plug-in-Hybriden und Elektroautos auch in der Schweiz im November bei 29,6 Prozent.

„E-Mobilität wird auch im kommenden Jahr hoch im Kurs sein, nicht zuletzt dank Kaufprämien und Steuervorteilen“, beobachtet Preiss. „Aktuell kommen laufend neue attraktive Modelle mit immer höherer Reichweite auf den Markt, was das Interesse natürlich weiter befeuert.“

Weitere Informationen auf www.ey.com/at

Ähnliche Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

* Zur Speicherung Ihres Namens und Ihrer E-Mailadresse klicken Sie bitte oben. Durch Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der möglichen Veröffentlichung zu.