Drei Männer und eine Frau am Jubeln
Das Podium der Fahrermeisterschaft von links nach rechts: Ian James, Teamchef Mercedes-Benz EQ, Neo-Weltmeister Nyck de Vries, Mercedes-Benz EQ, auf dem obersten Treppchen, Susie Wolff, Teamchefin Venturi Racing (stellvertretend für Edoardo Mortara, Rokit Venturi) und Jake Dennis, BMW i Andretti Motorsport, nach dem Berlin E-Prix II auf dem alten Flughafen Berlin-Tempelhof. (Foto: Andrew Ferraro / LAT Images / Mit freundlicher Genehmigung der Formel E)

Dramatisches Saisonfinale der Formel E:

Nyck de Vries kürt sich in Berlin zum Weltmeister

Nyck de Vries hat zum ersten Mal die ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft gewonnen. Der niederländische Mercedes-EQ-Fahrer holte als Achter des letzten Saisonrennens am Berliner Tempelhof zwar nur vier Punkte; da vier seiner direkten Konkurrenten um den Titel aber leer ausgingen, genügte der achte Platz.

Den Tagessieg im zweiten Berliner E-Prix an diesem Wochenende holte sich der für Rokit Venturi startende Franzose Norman Nato vor Oliver Rowland von Nissan e.dams. Platz drei ging an den Teamkollegen des neuen Weltmeisters, Stoffel Vandoorne. (Am Vortag war Nato Vierter geworden.)

Einzel- und Teamwertung gehen an Mercedes-EQ

Edoardo Mortara (Rokit Venturi) und Jake Dennis (BMW i Andretti) schieden hingegen aus. Beide hatten vor dem Rennen noch Chancen auf den WM-Titel gehabt, so landeten sie auf den Rängen zwei und drei der Gesamtwertung. Das Endklassement der ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft ist gewohnt knapp: Zwischen de Vries, der in dieser Saison 99 Zähler gesammelt hat, und Dennis liegen acht Punkte.

Mercedes-EQ darf sich indes nicht nur über den Sieg von de Vries, sondern auch den der Teamwertung freuen. Mit 183 Punkten liegt das Team vier Punkte vor Jaguar Racing und fünfzehn vor DS Techeetah.

Titelkandidaten nehmen sich gegenseitig aus dem Rennen

Das Tagesrennen auf dem alten Flughafengelände war von Dramatik geprägt. Mitch Evans, bis zum Start des E-Prix als mit nur vier Punkten Rückstand auf de Vries mit guten Chancen auf den Titel, kam nicht von seinem Startplatz weg, woraufhin Edoardo Mortara in das Heck des Neuseeländers krachte. Dafür gab es eine sofortige rote Flagge und eine Verzögerung des Starts. Beide Fahrer verließen ihre Fahrzeuge zu Fuß, der Schweizer Mortara wurde vorsorglich zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.

Das Drama nahm kein Ende, denn Jake Dennis, der als Dritter in das Rennen gegangen war, hatte schnell technische Probleme und beklagte später einen Batterieschaden, als er das Auto anhob, um Energie zu sparen. Eine gelbe Flagge wurde über die gesamte Strecke geschwenkt, als der Brite aus seinem Auto stieg – offensichtlich wütend über seinen Fehler, denn er warf seine Rennkleidung auf den Boden und fiel ungläubig auf die Knie. Das alles spielte sich innerhalb der ersten fünf Minuten ab. Drei der besten Vier der Gesamtwertung mussten damit ihre Hoffnung auf die Weltmeisterschaft aufgeben. De Vries seinerseits hatte durch diese Konstellation eigentlich nur mehr zu verlieren.

An der Spitze des Rennens lieferte sich de Vries‘ Mercedes-EQ-Teamkollege Vandoorne – sich die Julius-Bär-Pole-Position gesichert hatte – ein Duell mit Nato und Oliver Rowland von Nissan e.dams.

Nato nutzte die nachlassende Pace von Vandoorne, um zur Halbzeit die Führung zu übernehmen. Alexander Sims von Mahindra Racing hatte sich mit einem Attack-Mode-Power-Boost auf den zweiten Platz vorgearbeitet. Rowland wiederum nutzte seinen eigenen Power-Boost geschickt, um seinen britischen Landsmann Sims zu überholen und die zweite Position zu übernehmen.

De-Facto-Aus für zwei ehemalige Exweltmeister

Zu einem weiteren Drama kam es, als der vierte Kontrahent von de Vries, der amtierende Champion Antonio Felix da Costa (DS Techeetah), in die Mauer gedrückt wurde, als er versuchte, den Sieger des Samstagsrennens, Exweltmeister Lucas di Grassi (Audi Sport ABT Schaeffler), zu überholen. Dies führte zu einer weiteren Gelbphase und einer Strafe für di Grassi.

Inmitten des ganzen Dramas hatte sich de Vries auf die vierte Position geschlichen und nutzte die Überholmöglichkeiten auf dem Tempelhofer Flughafen-Straßenkurs aus.

Als die Autos aus der Safety-Car-Phase herauskamen, konnte de Vries nur knapp eine Kollision mit seinem Teamkollegen Vandoorne vermeiden, als die beiden Mercedes-EQ-Fahrzeuge auf beiden Seiten des TAG Heuer-Porsche von Andre Lotterer hängen blieben. Von da an gab es kein Zurück mehr, denn de Vries wurde Achter und damit zum ersten Mal Weltmeister der Formel E. Nato setzte sich gegen den zweitplatzierten Rowland und den drittplatzierten Vandoorne durch und gewann die Runde 15 selbst.

Nach Natos erstem Sieg nahm Susie Wolff, Teamchefin von Rokit Venturi Racing, die zweite Trophäe des Teams in dieser Saison entgegen.

Nyck de Vries: „Mir fehlen die Worte. Es war eine so harte Saison mit Höhen und Tiefen. Alles lief auf das letzte Rennen hinaus, und ich denke, wir hatten heute bei allem, was passiert ist, das Glück auf unserer Seite. Ich bin froh, dass nach dem Zwischenfall am Start alle wohlauf sind. Ich denke, wir sind ein unglaubliches Rennen gefahren, wir hatten eine wirklich gute Pace im Auto, aber gleichzeitig fühlte ich mich auch wie eine Zielscheibe, es schien, als würde niemand wirklich etwas respektieren. An diesem Punkt wollte ich es einfach nur nach Hause bringen. Mein Team sagte mir, ich solle gegen Jean-Eric Vergne kämpfen, aber ich war mir nicht sicher, warum das wichtig war, und so war ich frustriert, dass sie mir den Grund nicht sagen wollten. Dann haben mich die anderen Fahrer immer wieder gerammt, links, rechts, vorne, hinten. Das hat mir nicht wirklich gefallen, und so war ich direkt nach dem Rennen ein bisschen mürrisch. Aber jetzt fange ich an, es zu begreifen.“

Klassement des zweiten E-Prix in Berlin (Punkte in Klammer)
1. Norman Nato Rokit Venturi Racing 1:11:57.152 (25)
2. Oliver Rowland Nissan e.dams +2.270s (18)
3. Stoffel Vandoorne Mercedes-EQ Formula E Team +2.837s (19)
4. André Lotterer TAG Heuer Porsche Formula E Team +7.105s (12)
5. Alexander Sims Mahindra Racing +8.453s (10)
6. Pascal Wehrlein TAG Heuer Porsche Formula E Team +8.847s (8)
7. Sam Bird Jaguar Racing +10.473s (6)
8. Nyck de Vries Mercedes-EQ Formula E Team +11.108s (4)
9. René Rast Audi Sport ABT Schaeffler +12.189s (3)
10. Tom Blomqvist NIO 333 FE Team +12.679s (1)
weiters
20.
Lucas di Grassi
Audi Sport ABT Schaeffler
+35.155s
(0)
DNF
António Félix da Costa
DS Techeetah
DNF
(0)
DNF
Jake Dennis
BMW i Andretti Motorsport
DNF
(0)
DNF
Mitch Evans
Jaguar Racing
DNF
(0)
DNF
Edoardo Mortara
Rokit Venturi Racing
DNF
(0)
Gesamtwertung der ABB FIA Formula E World Championship (Spitze)
1 Nyck de Vries Mercedes-EQ 99
2 Edoardo Mortara Rokit Venturi Racing 92
3 Jake Dennis BMW i Andretti Motorsport 91
4 Mitch Evans Jaguar Racing 90
5 Robin Frijns Envision Virgin Racing 89
6 Sam Bird Jaguar Racing 87
7 Lucas di Grassi Audi Sport ABT Schaeffler 87
8 António Félix da Costa DS Techeetah 86
9 Stoffel Vandoorne Mercedes-EQ 82
10 Jean-Eric Vergne DS Techeetah 80
Teamwertung (Spitze)
Mercedes-EQ Formula E Team 181
Jaguar Racing 177
DS Techeetah 166
Audi Sport ABT Schaeffler 165
Envision Virgin Racing 165

www.fiaformulae.com
www.abb.com


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