Der ix35 FCEV verbindet gutes Aussehen mit innovativen inneren Werten. Sieht so die Zukunft aus?

eCar-Test: Hyundai ix35 FCEV / 136 PS

Ein Kraftwerk auf vier Rädern

Optisch ist der Hyundai ix35 FCEV von den gleichen Modellen mit Verbrennungsmotor fast nicht zu unterscheiden. Nur der Kühlergrill ist anders und die grünen Nummerntafeln verraten, dass es sich um ein Elektroauto handelt. In diesem Zusammenhang gibt es aber ein anderes Detail, das irritiert: der Auspuff. Warum braucht ein Null-Emissions-Auto – und nur diese bekommen die »grünen Taferl« – einen Auspuff?

Das Geheimnis des ix35 Fuel Cell liegt darin, dass man ihn nicht – wie von Elektroautos gewohnt – laden muss. Er verfügt über sein eigenes Kraftwerk und erzeugt sich den benötigten Strom selbst. In einer Brennstoffzelle werden Wasserstoff, der getankt werden muss, und Sauerstoff, der so gut wie alles umgibt, zur Reaktion gebracht. Bei diesem Prozess entstehen zwei Produkte: einerseits Elektrizität, die das Auto antreibt und andererseits Wasser. Da es aber für Zweiteres keine Verwendung gibt, wird es als Wasserdampf durch – genau – den Auspuff abgeleitet.

Das Beste aus zwei Welten

Ein Wasserstoff- bzw. Brennstoffzellenauto vereint die Vorteile des Verbrennungsmotors mit den Vorteilen eines Elektrofahrzeuges. Das Fahrzeug ist emissionsfrei und leise, verfügt über eine Reichweite von etwa 600 km und dabei ist es nicht notwendig, es für mehrere Stunden an die Ladestation anzuschließen. Aufgetankt wird, wie von Diesel- und Benzinfahrzeugen gewohnt, in etwa drei Minuten. Neben der Brennstoffzelle verfügt der ix35 auch über eine 24-kW-Lithium-Ionen-Polymer-Batterie, die jedoch nicht an einer Steckdose aufgeladen wird, sondern als Puffer dient und die Energie speichert, die während des Bremsens durch die Rekuperation erzeugt wird.

Einsteigen und wohlfühlen

Ansonsten bietet der Hyundai ix35 den Fahrkomfort, den man von Elektroautos gewohnt ist: leise, entspannt und angenehm. Lediglich die Beschleunigung ist mit 12,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h etwas langsamer, als man das zum Beispiel vom Hyundai Ioniq gewohnt ist. Das liegt aber offensichtlich an dem mit mehr als 400 kg höheren Gewicht des SUVs im Vergleich zum Ioniq. Natürlich verfügt auch der ix35, wie alle Elektroautos, über ein Automatikgetriebe. Die Innenausstattung lässt keine Wünsche offen: Bordcomputer mit 7-Zoll-Farbdisplay, Navigationssystem, Rückfahrkamera, Sitzheizung, Lederausstattung und 2-Zonen-Klimaautomatik, um nur einige Punkte hervorzuheben. Auch das Verbinden des Autos mit dem Smartphone via Bluetooth ist möglich. Mit der Sprachsteuerung hatte ich jedoch wortwörtlich Kommunikationsschwierigkeiten. Während der Hyundai Ioniq sogar die Worte »XY anrufen« ohne Probleme umsetzen konnte, musste ich mich beim ix35 von Menüpunkt zu Menüpunkt vorarbeiten. An sich nur Gewohnheitssache, aber ein Feature, das mir tatsächlich fehlte.

Mit dem Wissen über die hohe Reichweite fühle ich mich sicherer und mein Blick haftet nicht ständig an der Restreichweite. Ich nutze alle Tempolimits nach Möglichkeit aus und auf Grund der gemachten Erfahrungen halte ich die 600 km Reichweite auf jeden Fall für realistisch. Leider bietet der Bordcomputer keine Möglichkeit, den Verbrauch der gefahrenen Strecke einzusehen. Im Report werden lediglich die gefahrenen Kilometer und die Durchschnittsgeschwindigkeit angezeigt. Ich wollte die Reichweite jedoch nicht bis auf die letzten Kilometer austesten, denn mit lediglich vier Tankstellen in ganz Österreich war mir das dann doch etwas zu gefährlich. Und genau das ist auch der große Nachteil, den diese alternative Antriebsmethode (momentan noch) mit sich bringt. Die verfügbaren Wasserstoff-Tankstellen befinden sich in Innsbruck, Asten bei Linz, Wien und in Graz – für den alltäglichen Gebrauch ist das natürlich zu wenig.

Tanken mit Geräuschkulisse

Auch wenn es bei einer Restreichweite von knapp 300 km noch lange nicht notwendig gewesen wäre, habe ich mich auf den Weg zur Tankstelle gemacht. Mit einem zugegebenermaßen mulmigen Gefühl fuhr ich zur Zapfsäule. „Werde ich alles richtigmachen? Ist es auf Grund des hohen Druckes gefährlich?“, so in etwa waren meine Gedanken. Aber mit Hilfe der Beschreibung an der Tankstelle war es absolut kein Problem. Im Grunde funktioniert es genauso wie beim Tanken von Benzin oder Diesel – nur geräuschintensiver. Ein lautes, hämmerndes Geräusch lässt vermuten, mit welcher Kraft der Wasserstoff in die beiden Tanks gedrückt wird. Mit 700 bar können insgesamt 5,6 kg bzw. 144 l in die beiden Wasserstofftanks gepresst werden. Diese befinden sich im hinteren Teil des Fahrzeuges, einer unter der Rückbank und der zweite unter dem Kofferraum. Aufgrund der Größe des Tanks fällt der Kofferraum beim Fuel Cell mit 465 l etwas kleiner aus, als das bei den anderen ix35-Modellen der Fall ist. Der Boden des Kofferraumes ist etwas höher und dadurch gibt es keine Abgrenzung. Für mich war das etwas unpraktisch, da mir zweimal leichtes Ladegut beim Öffnen des Kofferraum-Deckels hinausgefallen ist.

Wie gefährlich sind Wasserstoffautos?

Da mir beim Tanken doch Gedanken möglicher Gefahren in den Sinn gekommen sind, habe ich mich im Anschluss schlau gemacht und herausgefunden, dass die Gefahr weder höher noch niedriger ist, als es beim Tanken eines anderen Treibstoffes der Fall ist. Wasserstoff an sich ist zwar explosiv, aber leicht und flüchtig. Damit es zu einer Explosion kommen kann, müsste die Wassersstoffkonzentration in der Luft vier Prozent betragen, das ist an einer offenen Tankstelle nicht möglich, da der Wasserstoff unmittelbar nach oben steigt und sich somit verflüchtigt.

Immer wieder hört man auch, dass es bei einem Unfall mit Wasserstoffautos bzw. im Zusammenhang mit einem Brand sehr gefährlich werden kann. Abgesehen davon, dass beide Szenarien in jedem Auto, egal mit welcher Antriebsform gefährlich sind, geht von den Wasserstofftanks keine erhöhte Gefahr aus. Bei einem Brand kommt es zu einem kontrollierten Ablassen des Wasserstoffs, denn im Wageninneren und auch im Außenbereich sind viele Sensoren verbaut. Bemerken diese eine Umgebungstemperatur von über 140 Grad, kommt es zum kontrollierten Ablassen des Wasserstoffs. Das bedeutet, dass durch eine Stichflamme innerhalb von Bruchsekunden der Wasserstoff, der ja grundsätzlich mit 700 bar gasförmig komprimiert in den beiden Tanks gespeichert ist, plötzlich abgelassen wird. Dabei entsteht eine Stichflamme nach oben hin und ist somit vollkommen ungefährlich.

Mein persönliches Fazit:

Der Hyundai ix35 fährt sich komfortabel und angenehm, wie man es von Elektroautos gewohnt ist. Designtechnisch spricht mich der SUV sowohl von innen, wie auch von außen sehr an. Die technischen Details wie Navigationssystem, Rückfahrkamera und die Freisprecheinrichtung runden das Angebot optimal ab. Der größte Vorteil ist mit Sicherheit das schnelle Tanken. Leider ist das Tanken aber gleichzeitig auch der größte Nachteil, denn mit lediglich vier Tankstellen in ganz Österreich ist das Konzept für den privaten Alltagsgebrauch (noch) nicht geeignet. Fakt ist jedoch, dass der ix35 das Beste aus zwei Welten verbindet: emissionsfrei, leise und schnelles Tanken. Sobald das Tankstellennetz besser ausgebaut ist, steht einem Kauf eigentlich nichts mehr im Wege. Denn auch der Preis sollte bis dahin in erschwinglicheren Sphären angekommen sein.

Technische Daten:
  • Höchstgeschwindigkeit:              160 km/h
  • Beschleunigung 0-100:              12.5 Sek.
  • Reichweite:                              594 km
  • Verbrauch:                               0,95 kg Wasserstoff pro 100 km
  • Antrieb:                                   Frontantrieb mittels Elektromotor mit mittig angeordneter Wasserstoff-Brennstoffzelle
  • Batterie:                                  24 kW-Lithium-Ionen-Polymer im Unterboden integriert
  • Max. Leistung/Drehmoment:     100 kW (136PS) / 300 Nm verfügbar von 0 rpm
  • Getriebe:                                 Planetengetriebe
  • Emission:                                H2O (Wasser)
  • Außenabmessungen L x B (ohne Außenspiegel) x H: 4.410 mm x 1.820 mm x 1.655 mm
  • Eigengewicht:                          1.846 kg
  • Technisches Gesamtgewicht:     2.250 kg
  • Wasserstoffspeicher:                2 Stück (gesamt 144 l), 5,64 kg / 700 bar
  • Kofferraumvolumen:                465 l
  • Preis (inkl. NoVA + MwSt):       EUR 78.000,00 (Österreich)

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