eCar-Test Hyundai Ioniq electric

Ein Gentleman, in jeder Hinsicht …

“An den könnte ich mich gewöhnen“, das war mir schon nach den ersten Kilometern, die ich mit dem Hyundai Ioniq electric zurückgelegt habe, klar. Es fühlt sich verdammt gut an, ihn zu fahren, er ist elegant und ist darüber hinaus auch sehr zuvorkommend.

Gut, er hält einem nicht die Türe auf, wenn man einsteigen will, dafür wird man mit einer freundlichen Melodie begrüßt. Ich weiß, so mancher Besitzer, der den Ioniq schon länger fährt, ist vergeblich auf der Suche nach dem Ausschalt-Knopf, andere wiederrum meinen, dass sie die Melodie gar nicht mehr wahrnehmen. Ich finde sie nett und freue mich jedes Mal wieder darüber. Nach dem betätigen des Startknopfs wird automatisch meine gespeicherte Sitzposition eingestellt und wenn ich aussteigen möchte, dann fährt er den Sitz zurück, ein echter Gentleman eben.

Der Spaß kann beginnen
Es macht tatsächlich Spaß dieses Auto zu fahren, mit seinen 120 Pferdchen, einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 10,2 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h ist er zwar kein Sportwagen, aber trotzdem sehr spritzig unterwegs. Dies lässt sich mit dem Sport Modus noch steigern. Ich staune nicht schlecht, als ich in diesem Modus auf der Autobahn aufs »Gib-Strom-Pedal« gestiegen bin. Die Überraschung stand auch dem Überholten ins – im Rückspiegel immer kleiner werdende – Gesicht geschrieben. Natürlich ist das nicht die stromsparende Variante, muss aber auch einmal ausprobiert werden. Neben dem Sport- gibt es auch noch einen Eco- und Normal-Modus, die sich durch unterschiedliche Drehmomentverläufe und verschiede voreingestellte Rekuperationsstufen unterscheiden. Mit nur einem Blick auf die Instrumententafel erkenne ich, in welchem Modus ich mich gerade befinde: Ist die Geschwindigkeitsanzeige Grün, bin ich im Eco-Modus, bei Blau im Normal- und Rot im Sport-Modus.

Ein Blick in den Ioniq: Tolles Design, viele Knöpfe, aber trotzdem einfach in der Bedienung. (Foto: privat)

Mein absolutes Highlight – die »Flügerl«
Der Ioniq verfügt über drei Stufen zur Energierückgewinnung. Wie bereits erwähnt, sind diese in den verschiedenen Modi bereits voreingestellt. Besonders praktisch und gut durchdacht sind die Rekuperationswippen am Lenkrad. Diese machen den Einsatz der verschiedenen Stufen viel bedienfreundlicher, da ich intuitiv und je nach Bedarf ganz einfach wechseln kann, ohne die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen. Beim Anfahren einer roten Ampel kann gänzlich auf die Bremse verzichtet werden, bei mir war ihr Einsatz meist tatsächlich nur gewohnheitsbedingt.

Der Innenraum lädt zum Wohlfühlen ein und bestätigt für mich das Konzept des entspannten Fahrens. Ein beheizbares Lenkrad beugt kalten Fingern vor und die Sitzheizung trägt nicht nur zum Komfort, sondern auch zum Energiesparen bei. Muss die Heizung zugeschaltet werden, kann mit dem Knopf »Driver Only « der Stromverbrauch minimieren werden. Denn dadurch werden nur die Düsen, die direkt auf den Fahrer gerichtet sind eingeschaltet, dasselbe gilt natürlich auch für die Klimaanlage.

Am 8 “ großen Display befindet sich das benutzerfreundliche Navigationssystem und das Bild der der Rückfahrkamera. Daneben natürlich auch die Radiosender und verschiedene Optionen im Zusammenhang mit dem Smartphone. Apropos! Das Verbinden des Telefons mit dem Fahrzeug per Bluetooth funktioniert leider nicht, hierfür benötigt man ein USB Kabel. Schade! Dafür stauen ich nicht schlecht, als ich das Smartphone in die Ablage lege: Es beginnt zu laden. Induktives Laden also – coole Sache!

Neben dem der reinen Elektroversion ist der Ioniq auch als Hybrid und und Plug-in Hybrid erhältlich. (Foto: privat)

Gemütlicher Café Latte oder doch ein schneller Espresso?
Bei einer Restreichweite von 116 km und einem zu 50 % vollen Akku nimmt die Ladung an einer Smatrics Schnellladestation 11 Minuten in Anspruch. Da habe ich mich bewusst gegen einen Café Latte und für einen Espresso entschieden, damit das in dieser kurzen Zeit überhaupt zu schaffen ist.

Laut NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) hat der Ioniq eine Reichweite von 280 km und diese Zahl kann auch tatsächlich erreicht werden: die Akkukapazität liegt bei 28 kW, verbraucht man pro 100 km 10 kWh können die 280 km real sein und wurden von Ioniq Fahrern tatsächlich auch erreicht. Auch bei meinen Vergleichsfahrten habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Wert unter 10 kW ohne weiteres möglich ist:

Die gefahrene Runde war knapp 11 km lang (ca. 4 km Autobahn, kurze Streckenabschnitte mit 70 km/h und ca. 5 km im Stadtgebiet).

In der ersten Runde habe ich die Geschwindigkeit auf der Autobahn dem Eco-Modus angepasst und auf 100 km/h reduziert. Bei den anderen Fahrten wurde immer nach Vorschrift gefahren (50 bzw. 130 km/h). Leider war zum Zeitpunkt meiner Fahrten relativ viel Verkehr, besonders bei der vierten Runde, worauf auch die geringe Durchschnittsgeschwindigkeit zurückzuführen ist.

Einmal Horn und zurück
Nach meinen Testrunden machte ich mich auf den Weg zum Schnellader nach Stockerau (NÖ), diesmal kann ich mir einen gemütlichen Café Latte gönnen, denn bei einer Restreichweite von 50 km (24 %) wird mir eine Ladedauer von 33 Minuten vorausgesagt.

Im Anschluss mache ich mich auf den Weg nach Horn, um zu sehen, wie sich der Ioniq auf einer langen Route (149 km) macht, die hauptsächlich aus Landstraßen besteht. Mit Eco Modus und Abstandsregeltempomat eingestellt auf 100 km/h mache ich mich auf den Weg. Die Verwendung des Tempomats hat sich auf dieser Strecke wirklich ausgezahlt, denn dabei achtet das Fahrzeug nicht nur auf die Einhaltung der eingestellten Geschwindigkeit, sondern auch auf den Sicherheitsabstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen. Sobald das Auto vor mir langsamer als 100 km/h fährt, passt sich der Ioniq automatisch an die Geschwindigkeit an. Wird das »Hindernis« schneller oder fährt von der Landstraße ab, beschleunigt der Ioniq automatisch wieder auf die 100 km/h. Als ich abends vor dem Haus einparke, habe ich eine Strecke von 149 km zurückgelegt, einen Durchschnittsverbrauch von 11,9 kWh und einen Restreichweite von 76 km.

In der Modellvariante Style gibt es ein paar nette Details zu entdecken, wie etwa diese Einstiegsleisten mit Ioniq-Schriftzug. (Foto: privat)

Mein Fazit:
Wie schon eingangs erwähnt, an den Ioniq könnt ich mich echt gewöhnen. Mit meinen Anforderungen (pendeln, einkaufen, Kind chauffieren usw.) kann ich locker eine Woche mit einer Ladung fahren und am Wochenende ginge sich noch ein kleiner Ausflug aus. Und selbst wenn nicht, das Auto lässt sich in kurzer Zeit wieder aufladen – vorausgesetzt ein Schnelllader ist in der Nähe.

Schade finde ich, dass sich das Smartphone nicht via Bluetooth verbinden lässt. Anfänglich war auch die Aussicht aus dem Heckfenster sehr gewöhnungsbedürftig, nachdem ich mich beim Einparken immer mehr und mehr auf die Rückfahrkamera verlassen habe, hat sich das Problem im Großen und Ganzen selbst gelöst.

Besonders toll fand ich die Rekuperationswippen, mit denen man einfach zwischen den Stufen zur Energierückgewinnung wechseln kann, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Den Spurhalteassistenten habe ich probiert, aber auch gleich wieder ausgeschaltet. Ich mag es nicht, wenn in mein Lenkverhalten eingegriffen wird, aber das ist sicherlich Geschmackssache.


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