Die Schattenseiten der Elektromobilität?

Kann es denn sein, dass dem Vorstoß der Elektromobilität trotz viel gepriesener Vorteile auch negative Begleiterscheinungen anhaften? Eine ganz konkrete dürfte bereits ansatzweise in Erscheinung treten, zumindest Stimmen werden diesbezüglich laut.

Lassen Sie mich Ihnen zunächst die – mittlerweile wohl bekannte – Theorie zu den Vorteilen eines Elektroautos darlegen. Diese liegen für viele klar auf der Hand: Die Anschaffungskosten (beginnend bei etwa 20.000 Euro) amortisieren sich langfristig durch attraktive Fördermodelle sowie durch proportional geringe laufende Kosten im Vergleich zu einem Benzin- oder Diesel-Fahrzeug. Verschiedene Förderprogramme unterstützen nicht nur die Anschaffung von Elektrofahrzeugen, sondern auch die Anschaffung und Installation von Ladestationen für Zuhause sowie von stationären Stromspeichern und Energiemanagementsystemen. Auch für die Kombination von Elektromobilität und öffentlichem Verkehr werden Kostenzuschüsse geboten. Der Wegfall der NOVA und die Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer stellen weitere finanzielle Anreize dar und sprechen klar für den Umstieg auf die elektrische, umweltfreundliche Variante.

Ladeverhalten und Reichweite
Um das Thema Elektromobilität weiterhin an den Mann – oder besser gesagt an den Konsumenten – zu bringen, sollten natürlich umfassende Lademöglichkeiten zur Verfügung stehen. Der Großteil der täglich mit dem eigenen Auto zurückgelegten Wegstrecken ist kürzer als 100 Kilometer, die durchschnittliche Weglänge (pro Tag) liegt bei etwa 36 Kilometern – und die durchschnittliche Reichweite eines Elektroautos beträgt 100 bis 250 Kilometer (beim Tesla S bis über 500 Kilometer).

So viel zur Theorie. In der Praxis standen Anfang des Jahres 2016 österreichweit rund 2.600 Ladestationen zur Verfügung, darunter fast 100 Schnellladestationen, die eine Vollladung in 30 bis 60 Minuten ermöglichen – an einer Wallbox dauert die Ladung zwei bis fünf Stunden. Erfahrungsgemäß werden die meisten Elektroautos jedoch am Arbeitsplatz oder zuhause geladen – so oder so, in Verbindung mit grünem Strom liegen die ökonomischen und ökologischen Vorteile der elektrischen Beladung klar auf der Hand. Übrigens plant die EVN diesbezüglich, bis 2020 die Hälfte der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bereitstellen zu können.
Der Verbund gründete bereits 2013 gemeinsam mit Siemens den Infrastrukturprovider Smatrics. Dieser bietet österreichweit ein flächendeckendes Ladenetz mit 400 Ladepunkten – die Hälfte davon sind High-Speed-Ladestationen, die die Batterie in nur 20 Minuten aufladen. Und das Beste: Der Strom kommt zu 100 % aus der österreichischen Wasserkraft.

Auch die Zahl der Anmeldungen für E-Fahrzeige steigt, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Angebot an attraktiven Elektroautos vergrößert: Im ersten Quartal dieses Jahres erfolgten 1.300 »elektrische« Zulassungen – mehr als doppelt so viel im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2015.

Fazit
Wir haben also neue ansprechende Fahrzeugmodelle, eine österreichweit flächendeckende Ladeinfrastruktur, steuerliche Anreize und auch die Reichweitenproblematik scheint wohl nicht so schwer zu wiegen, wie vorab angedacht. Klingt ja nach perfekten Rahmenbedingungen für ein Vorantreiben der E-Mobilität, um die Straßen zu »elektrisieren«.
Natürlich beschränken sich jene Entwicklungen nicht nur auf unsere wunderschöne Alpenrepublik, auch unser großer Nachbar macht sich dazu seine Gedanken. So wollen die deutschen Bundesländer etwa ab 2030 keine Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr zulassen und forcieren ein entsprechendes Verbot von Verbrennungsmotoren. Doch der ADAC hält dagegen: Ein solches Verbot würde tausende Arbeitsplätze der deutschen Automobilindustrie gefährden – schließlich sei für den Fahrzeugbau mit Elektroantrieb bloß ein Zehntel des Personals notwendig. Tja – ein berechtigter Einwurf, finden Sie nicht? Der ADAC spricht sich außerdem für eine stärkere Förderung von emissionsarmen Technologien aus in Hinblick auf eine bessere Etablierung am Markt und den daraus resultierenden Beitrag zur Erfüllung der Klimaschutzziele.

Risikofaktor Beschäftigungsschwund
Diese Angst vor einem Jobschwund ist gar nicht so weit hergeholt, auch der Daimler-Betriebsrat bekundete bereits seine Bedenken. Würde der arbeitsintensive Verbrennungsmotor durch »einfachere« Elektromotoren ersetzt, würde ein Beschäftigungsschwund in den eigenen Werken winken. Werden Batterien in den kommenden Jahren günstiger und bieten überdies mehr Reichweite, so wird auch die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen bei den Autobauern steigen. Die spürbaren Entwicklungen in der Automobilbranche durch Elektrifizierung und Digitalisierung sind wohl nicht von der Hand zu weisen. Ein Abwägen jener Veränderungen gestaltet sich jedoch (noch) schwierig.
Doch ist diese Problematik der schwindenden Arbeitsplätze in bestimmten Bereichen nicht unweigerlich an dieses unser Zeitalter der Digitalisierung geknüpft? Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich sind die persönlichen Schicksale nicht von der Hand zu weisen – das Thema der »Opfer im Dienste einer guten Sache« ist ein durchaus schwieriges, kontroverses. Natürlich bringt Fortschritt immer auch Veränderungen mit sich und diese Veränderungen betreffen oft den Abschied vom bisher Vetrauten zugunsten des Neuen – das im besten Fall (vorerst) eine ergänzende Position einnimmt, realistisch gesehen über kurz oder lang dann aber doch Altes überlagert und ersetzt. Dass da auch Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben, liegt in der Natur des Fortschritts meiner Meinung nach, genauso entstehen ja auch neue Berufsfelder – was wiederum durch Entwicklung und Fortschritt bedingt ist. Schließlich kann es kein Weiterkommen ohne Bewegung geben. Und Zeiten der Veränderung sind nun mal bewegt, das kann wohl niemand leugnen.
Die Elektromobilität bietet einen Ansatzpunkt, der eskalierenden Umweltverschmutzung entgegenzuwirken (Klimaziele). Andererseits drängt sich hier aber auch die Frage auf, warum man nicht (auch) da ansetzt, wo der Ursprung dieser ganzen Misere liegt, wo Umweltverschmutzung konkret passiert? Billige Herstellungsweisen bestimmter Materialien (Plastik, Kleidung – was auch immer, die Liste wäre sicher lang…) verschmutzen seit jeher Flüsse, Luft und die Erde – der Profit auf Kosten der Umwelt war und ist bis dato zweifelsohne der gewinnbringendste. Fortschritt sollte sich meiner Meinung nach nicht nur auf Entwicklung von Neuem (in welchem Bereich auch immer) beschränken, nein, Weiterentwicklung von Verbesserungswürdigem lautet hier die Devise. Auf unserem Planeten tummeln sich so viele kluge Köpfe und die Zeiten der Zensur und Wissensunterdrückung sind doch vorbei – oder etwa doch nicht??
Einen Gedanken möchte ich an dieser Stelle noch spinnen: Wie viele Arbeitsplätze wären wohl betroffen, würde man alle Atomkraftwerke schließen? Oder alle – ich sage mal vorsichtig – überflüssigen Politiker ihres Amts entheben? Eine Antwort hierzu bleibe ich Ihnen gerne schuldig. ?


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