Der Kia Niro ist eines dieser Fahrzeug, die man aus der Werbung kennt, selbst wenn man sich nicht für Autos interessiert – zumindest in Österreich. Der einfache Grund: Kia hat sich die Dienste bekannter Promis gesichert und rührt ordentlich die Werbetrommel. Ob das alles nur viel »Luft um nichts« ist, oder ob Kia auch tatsächlich »performt«, zeigt der eCarandBike-Test!
Text: Daniel Schöppl
Die Rahmenbedingungen
Bei den Testfahrten für die beiden Plug-inHybriden dieser eCarandBike-Ausgabe wollte ich primär Folgendes herausfinden: Wie weit kommt man tatsächlich, wenn die Reichweite zur Gänze ausgeschöpft wird? Null Kilometer Restreichweite ist also das erklärte Ziel! Ein Vorhaben, das ich keinem Lenker eines rein elektrischen Fahrzeugs empfehlen würde – mit ausreichend Sprit im Tank allerdings kein Problem für den Plug-in-Hybriden. Getestet wurden die beiden Fahreinstellungen »EV-Modus« und »Hybrid-Modus«. Die Strecke führte jeweils 15 km über die Autobahn, der Rest wurde in 50er- und 70er-Zonen zurückgelegt. Verkehrs- und streckenbedingt hat dabei die Durchschnittsgeschwindigkeit etwas variiert, genauer gesagt um eine Differenz von 10 km/h. Da ich vor der ersten Runde neugierig und ungeduldig war, habe ich die letzten 3 km bis zur vollständigen Reichweite von 58 km nicht mehr abgewartet und den Test mit einer Reichweite von 55 km angetreten.
Die Test-Ergebnisse
Mit einem Leergewicht von 1.548 kg und einer Systemleistung von 141 PS (103,6 kW) ist der Niro zwar nicht so sportlich wie sein Markenbotschafter, fährt sich aber dafür umso sparsamer: Im Hybrid-Modus hat der Plug-in auf einer Strecke von 55 km gerade einmal einen Verbrauch von 4,4 Liter. Dabei hat sich die Reichweitenangabe nur um 1 km gemindert, weil der Niro im Hybrid-Modus hauptsächlich die Leistungselektronik und nicht das Fahrwerk unterstützt, wie mir im Autohaus mitgeteilt wurde. Leistungselektronik bedeutet in meinem Fall: Musik, Navi und aufladen des Smartphones. Auch ein Blick auf das Display zeigt: Der elektrische Verbrauch war nie höher als 5 kW und hat sich während der Fahrt meist zwischen 2 und 3 kW bewegt. Einen genauen Durchschnittswert liefert der Kia leider nicht. Die Verbrauchswerte werden mittels Diagramm dargestellt, wodurch an dieser Stelle keine exakte Aussage getroffen werden kann.
Die Runde im EV-Modus kann sich in puncto Reichweite auch sehen lassen: Von den versprochenen 55 km konnten 48,6 km tatsächlich rein elektrisch zurückgelegt werden – klarerweise bei einem Spritverbrauch von 0,0 l. Den Großteil der Fahrt schwankte der elektrische Verbrauch dabei im Bereich von 5 – 10 kW, wenige kurze »Ausreißer« haben den Verbrauch für einen Moment an die 15-kW-Grenze gebracht. Wie bereits Arnold Schwarzenegger in seinem Weihnachtsklassiker, dachte auch ich mir »versprochen ist versprochen« und bin die letzten Kilometer noch weitergefahren, um zu sehen, was wirklich passiert, wenn man den Angaben folgt. Bei im Grunde gleichbleibender Durchschnittsgeschwindigkeit hat sich der Durchschnittsverbrauch auf den nächsten 6,4 km von 0,0 auf 0,4 l erhöht.
Alles in allem wurden bei unserem Test tolle Verbrauchswerte erzielt. Wer jedoch Spritzigkeit über Verbrauch stellt, der hat beim Kia Niro auch die Möglichkeit im »Sport-Modus« zu fahren, wodurch die Leistung merklich gesteigert wird – Spiel, Satz und Sieg!
Reichweitenangabe Start | Tatsächlich gefahrene Kilometer | Reichweitenangabe Ende | Verbrauch [100 km] | Ø-Geschwindigkeit | Außentemperatur | |
EV-Modus | 55 km | 48,6 km | 0 km | 0,0 l | 55 km/h | 24 °C |
Hybrid-Modus (HEV) | 55 km | 55 km | 54 km | 4,4 l | 45 km/h | 26 °C |
Mein persönliches Fazit
Wer mit Kia vertraut ist und das Fahrgefühl mag, der wird höchstwahrscheinlich auch am Niro Plug-in-Hybrid eine Freude haben. Die Reichweitenversprechen werden soweit eingehalten, dass der »Durchschnittsautofahrer« seine täglichen Routine-Strecken ohne Probleme rein elektrisch zurücklegen kann. Und im absoluten Notfall gibt es ja immer noch Benzin. Einzig bei der Ladezeit muss ich widersprechen: Nachdem ich etwas stutzig wurde, habe ich den Ladevorgang etwas genauer beobachtet. Exakt 2,3 h nach dem Beginn des Ladevorgangs bin ich zur Verlagsladesäule, um zu sehen, ob er »voll« ist. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht: Der Niro war erst bei 78 % und laut Anzeige hätte die Vollladung noch weitere 50 Minuten in Anspruch genommen. Bevor es zu einem großen Aufschrei kommt: Unsere Ladestation verfügt über ausreichend Leistung und der Kia war alleine »angesteckt«, musste sich also keinen Strom teilen. Nichtsdestotrotz ändert das nichts an meinem Gesamteindruck – das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt!
Technische Daten
Antriebssysteme:
• Verbrennungsmotor:
– Typ: 4 Zylinder-Benzinmotor
– Hubraum:1.580 cc
– Max. Leistung:77,2 kW (105 PS)
– Max. Drehmoment:147 Nm
– Abgasklasse:Euro 6b
• Elektromotor:
– Typ: Permanent Magnet Synchronmotor
– Spitzenleistung:44,5 kW (61 PS)
– Drehmoment:170 Nm
– Systemleistung:103,6 kW (141 PS)
– Batterie:Li-Ionen Polymer; 360 V / 24,7 Ah / 8,9 kWh
Reichweite elektrisch: bis zu 58 km
Kraftstoffverbrauch kombiniert: 1,3 l / 100 km
Stromverbrauch: 9,8 kWh / 100 km
Steckertyp zum Aufladen: Typ 2 (max. Leistungsaufnahme 3,3 kW)
Ladezeit: ca. 2,3 h
Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h
Höchstgeschwindigkeit im E-Betrieb: 120 km/h
Beschleunigung (0 – 100 km/h): 10,8 sek
CO2-Emission gewichtet: 29 g/km
Abmessungen L x B x H: 4.355 x 1.805 x 1.535 mm
Kofferraumvolumen: 324 Liter
Kofferraumvolumen (umgeklappte Rücksitze): 1.322 Liter
Leergewicht: 1.548 kg
Preis: ab EUR 33.290,00 in Österreich / ab EUR 32.750 in Deutschland
Weitere Informationen: kia.com