Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Die Zeit der Verbrennungsmotoren läuft langsam, aber sicher ab.

eCar-Test: Volvo XC90 T8 Twin Engine

Das Schlachtschiff

Der Volvo XC90 hat bei mir große Erwartungen geschürt: Ein SUV mit einer Länge von fast 5 Metern und einem Gewicht von knapp 2,5 Tonnen soll laut Herstellerangaben nur 2,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen. Das klingt ambitioniert! Ganz nebenbei ist der XC90 auch das Basisfahrzeug, mit dem Volvo und der Fahrdienstleister »Uber« autonomes Fahren weiterentwickeln und aktiv vorantreiben wollen. Viele Gründe, um sich auf diesen Autotest zu freuen…

Text: Daniel Schöppl

Da stand ich nun also beim Volvo-Händler mit offener »Kinnlade«. Mir war klar, dass der XC90 selbst für einen SUV ein großes Auto ist, wenn man ihn aber in der Realität sieht, bekommt das Ganze eine andere Dimension. Ganz davon zu schweigen, wenn man erst einmal am Fahrersitz Platz genommen hat. Sowohl von der Größe als auch von der Geräumigkeit kann es der Riese lock­er mit meiner ersten eigenen Unterkunft im Studentenwohnheim aufnehmen. Genauer betrachtet: Hätte ich damals die Wahl gehabt, wäre ich mit Sicherheit auch umgezogen. Ein paar verspeiste Mücken später machte ich den Mund dann wieder zu und fuhr meine neue »mobile Wohnung« erst einmal nach Hause, um mich intensiv auf den Test vorzubereiten…
Der Test vor dem Test

Bevor es – wie bereits beim Kia Niro angekündigt – daranging, das Auto voll aufzuladen, um es anschließend komplett leerzufahren und herauszufinden, inwiefern die Reichweitenversprechen auch gelebte Realität sind, wollte ich unbedingt die ­Fahrassis­tenzsysteme auf den Prüfstand stellen – im Speziellen: das teilautonome Fahren! Dabei sind die drei wohl wichtigsten Features für den Fahrer Spurhalteassistent, Abstandsassistent und Tempomat, wobei der XC90 alle notwendigen Funktionen im »Pilot Assist« vereint – relativ einfach also. Im Grunde genommen muss man sich nur einen geeigneten Platz suchen, den »Pilot Assist« aktivieren und der Technik vertrauen. Klingt einfach, ist es aber nicht – zumindest für mich. Beim Gedanken, die Kontrolle an mein Fahrzeug abzugeben, macht sich dann doch ein etwas komisches Gefühl im Magen breit. ABER: Ich habe es getan und muss sagen, dass ich erstaunt bin, wie gut das funktioniert! Der Volvo fährt mich völlig selbstständig immer der Spur entlang. Kommt eine Kurve, lenkt er. Bremst das Vorderauto, bremst er auch. Wenn ich das Auto jetzt noch „K.I.T.T.!“ rufen könnte und er zu mir sprechen würde, dann wären alle meine Kindheitsträume wahr geworden. GANZ BESONDERS WICHTIG ist mir, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass das Auto nicht autonom fährt. Es handelt sich »lediglich« um Fahrassistenzsysteme, die von einer Autonomie ganz scharf zu trennen sind! Auf keinen Fall darf man der Versuchung verfallen, die Hände vom Lenkrad zu nehmen: Der Volvo bemerkt das nach kurzer Zeit, weist mit etwas »Gepiepse« darauf hin und gibt dann die Kontrolle wieder ab. Wer hier also die Hände nicht am Lenkrad hat, ist aus meiner Sicht nicht nur lebensmüde, sondern gefährdet darüber hinaus auch alle anderen Verkehrsteilnehmer. Die Technik ist schlichtweg noch nicht ausgereift genug, um ihr die volle Kontrolle zu geben! Wenn man bspw. als Erster zu einer roten Ampel kommt, bremst das Auto NICHT selbstständig ab, weil es mittels Abstandsmessung nur den Verkehrsteilnehmer erkennt, nicht aber die Ampel. Das Fahrzeug würde in diesem Fall einfach weiterfahren. Die Funktionsfähigkeit des »Pilot Assist« beim Volvo XC90 ist schon sehr ordentlich und hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht, allerdings darf man dabei niemals leichtsinnig werden.

Die Ergebnisse

Weg von den »Spielereien«, hin zu den harten Fakten: Getestet habe ich die Fahrmodi »Pure« und »Hybrid«. Im Pure-Modus verspricht der SUV eine rein elektrische Reichweite von 40 km. Bei einer Außentemperatur von 25 °C habe mich auf den Weg gemacht, der mich nach 18,9 km auf die Autobahn geführt hat. Zu dem Zeitpunkt zeigte mir die Restreichweitenanzeige noch 19 km an, also 2,1 km weniger als sie sollte. Ab hier kann ich nicht mehr sagen, wie viel Kilometer der Plug-in in seiner Gesamtheit wirklich rein elektrisch geschafft hätte, weil sich auf der Autobahn schließlich der Verbrenner hinzugeschalten hat. Unter Anbetracht des Eigengewichts von 2.356 kg befand er sich bis zu diesem Zeitpunkt aber auf einem guten Weg. Nach exakt 40 km habe ich einen Stopp eingelegt und die Werte notiert: Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h lag der Verbrauch bei 1,8 l / 100 km und ca. 22 kW/h (Die Diagramm-Darstellung am Display ermöglicht keine exakte Angabe). Die relativ geringe Durchschnittsgeschwindigkeit ist dadurch entstanden, dass ich großteils im Wiener Stadtgebiet gefahren bin und der Autobahnabschnitt nur ganz kurz war. Wohl gemerkt, ist ein hohes Verkehrsaufkommen aber einfach auch Realität in Großstädten. Um Vergleichswerte zu erhalten, habe ich am nächsten Tag eine zweite 40-km-Runde gedreht. Dieses Mal im Hybrid-Modus und mit etwas weniger Verkehr, wodurch sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 47 km/h ergeben hat. Nach 40 km hat der XC90 im Hybrid-Modus 15,5 km Restreichweite übrig gelassen und dabei 3,2 l / 100 km sowie ca. 18 kW/h verbraucht. Alleine aus der Tatsache, dass die Restreichweite irgendwann aufgebraucht ist, lässt sich relativ zuverlässig sagen, dass der Volvo Plug-in-Hybrid auf 100 Kilometer gerechnet einen höheren Verbrauch vorweisen würde. Wenn man allerdings bedenkt, dass Plug-in-Hybriden primär dafür gedacht sind, kurze Strecken sparsam zu fahren, kann sich der Verbrauch für einen Zweieinhalb-»Tonner« wirklich sehen lassen.

Mein persönliches Fazit

Der Volvo XC90 T8 Twin Engine Plug-in- Hybrid ist ein Kraftpaket und hat mir nach einer kurzen Gewöhnungsphase viel Fahrspaß bereitet. Er beschleunigt gut, bietet eine tolle Übersicht im Straßenverkehr und die technischen Möglichkeiten lassen kaum Wünsche offen. Was für mich eine seiner Stärken ist, ist gleichzeitig aber auch seine Schwäche: die Größe. Mit einer Abmessung von 4,95 Meter Länge, 2,14 Meter Breite und 1,78 Meter Höhe ist er meiner Meinung nach nicht für die Stadt geeignet. Er benötigt die Fahrspur quasi in seiner vollen Breite und auch die Parkplatzsuche ist keine große Freude, auch wenn die Kameras und Parksensoren helfen. Das Auto an sich hat mich überzeugt, allerdings muss es auch die richtige Anwendung finden.

 

Weitere Informationen: www.volvocars.com

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