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Karl Sagmeister von Schneider Electric Österreich lässt uns wissen:

»Wir müssen über unsere Grenzen hinaus denken!«

Die Elektromobilität und ihre Infrastruktur sorgt für völlig neue Bedingungen am Markt: Während Start-ups wie Pilze aus dem Boden schießen und disruptive Konzepte auf Crowdfunding-Plattformen die nötige finanzielle Unterstützung bekommen, lassen sich die arrivierten Unternehmen trotzdem nicht aus der Ruhe bringen. Wir sprachen mit Schneider Electric, einem der marktbestimmenden Unternehmen der Energie-, Elektro- und Automatisierungsbranche, über das Zukunftsszenario der Vernetzung von Fahrzeug und Gebäude.

Schneider Electric gehört zu den Solisten im Orchester der großen Industriekonzerne. Das Unternehmen mit Sitz in Rueil-Malmaison bei Paris ist weltweit in 160 Ländern tätig – auch in Österreich zählt man zu den Marktführern. Karl Sagmeister, General Manager von Schneider Electric in Österreich erklärte sich sofort bereit, uns Rede und Antwort zu stehen, als wir für ein Interview über das Zusammenwirken von Haus und Elektroauto anklopften …

Herr Sagmeister, in wieweit ist Schneider Electric ein Gesamtanbieter für elektrische Infrastruktur?

Karl Sagmeister, General Manager von Schneider Electric Austria: Schneider Electric ist führend in der digitalen Transformation von Energiemanagement und Automation. Dazu bieten wir intelligente Lösungen für Privathaushalte, Gebäudetechnik, Rechenzentren sowie für Infrastrukturanbieter und die Industrie.

Wir ermöglichen unseren Kunden integrierte Energielösungen, wie sie zum Beispiel für eine ganzheitliche Eigenheimlösung, die erneuerbare Energien, Elektromobilität, Energietechnik und die klassische Haussteuerung mit z.B. KNX mit einbeziehen, notwendig sind. Unsere Kunden haben dabei die Möglichkeit, unsere Lösungen als einzelne Bausteine Stück für Stück persönlich und nach Ihrem individuellen Bedarf für Ihr Eigenheim zusammen zu stellen. Die selbe Systematik bietet Schneider Electric bis hinauf auf die Ebene von Energieerzeugungs- und Verteilnetzen für ganze Länder oder Kontinente.

Wie sehen Sie die Vernetzung zwischen der elektrischen Infrastruktur: Energie erzeugen/Energie speichern sowie Energie verteilen?

Sagmeister: Intelligente Vernetzung (Stichwort »Internet of Things«) ist das Schlüsselwort, vor allem wenn man die großen Veränderungen, die durch die fortschreitende Digitalisierung auf uns zukommen, miteinberechnet. Die gesamte Welt der Energie befindet sich derzeit im Umbruch. Die Anzahl der Verbraucher, die sich durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen, beispielsweise mit der Installation von Solarpanelen auf privaten Wohnhäusern, selbst mit Strom versorgen, steigt stetig. Das zentralisierte Energienetz, in dem der Strom von großen Energieversorgungsunternehmen bereitgestellt und nur in eine Richtung, nämlich vom Versorger zum Verbraucher, fließt, ist nicht zukunftsträchtig und entspricht nicht mehr den heutigen technischen Möglichkeiten und Trends. Die Zukunft heißt dezentralisierte Energieversorgung, in der Energie und Strom in alle Richtungen fließen, und das in sogenannten »Smart Grids«, intelligenten Netzen. Sogenannten »Prosumern« – sprich Endverbrauchern, die durch private Stromerzeugung auch als Energieproduzenten fungieren – wird in dieser zukünftigen Welt eine zentrale Rolle zukommen. Ein weiteres wichtiges Element der sogenannten Demokratisierung der Energienetze ist die Möglichkeit, Energie zu speichern und somit Lücken zwischen der Verfügbarkeit z.B. von Sonnenstrom aus dem Photovoltaikpanel und der benötigen Energie zum Waschen der Wäsche am Abend zu überbrücken. Hier spielt das Thema Elektromobilität mit hinein – denn eine Batterie eines Elektroautos ist auch ein Speichermedium für elektrische Energie. Werden nun die gesamten Einrichtungen zur Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Energie in einem Haushalt miteinander vernetzt und von einer intelligenten Steuerung optimal und gemäß den vorhandenen Umgebungsbedingungen aufeinander abgestimmt eingesetzt, entstehen ganz neue Möglichkeiten. Denkt man dieses System über die Grenzen des Haushaltes hinaus und geht zum Beispiel gedanklich auf eine Einfamilienhaus-Siedlung, zeigen sich sofort weitere Potenziale. Das Thema ist sehr spannend und birgt viel Neues für alle Beteiligten in sich. 

Welche Rolle spielt Schneider Electric in diesem wahrscheinlichen Zukunftsszenario?

Sagmeister: Der Schlüssel für den Verbraucher liegt darin, eine durchgängige Möglichkeit von intelligenter Vernetzung zu schaffen, die es ihm erlaubt, die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der kommenden Jahrzehnte zu seinen Gunsten zu nutzen, dadurch von den möglichen Kosteneinsparungen nachhaltig zu profitieren und gleichzeitig eine sinnvolle, zukunftssichere Investition zu tätigen. Der große Vorteil, den wir bei Schneider Electric unseren Kunden bieten, ist, dass wir alle diese Bausteine, die für eine ganzheitliche Lösung notwendig sind in unserem Produkt- und Lösungsportfolio haben, und jedem Kunden, vom Endverbraucherhaushalt bis zum Energieversorgungsunternehmen intelligente Vernetzung aus einer Hand bieten können. Und dies sowohl auf der Hardware- als auch auf der Softwareebene.

Wann wird es Ihrer Meinung nach zu einer Vernetzung zwischen der Elektro-Automobilindustrie, Speicher und Haus/Wohnung/Büro kommen?

Sagmeister: Ich denke das ist kein allzu fernes Zukunftsszenario mehr, denn die dafür notwendigen Technologien sind heute bereits alle verfügbar. Mit Photovoltaik hat man zum Beispiel die Möglichkeit, selbst zum Stromversorger zu werden. Durch die einfache Einbindung von Photovoltaik-Wechselrichtern und Heimspeichern kann Energie sowohl erzeugt als auch gespeichert werden. In Verbindung mit Messgeräten kann der aktuelle Stand des Stromverbrauches per Smartphone oder Tablet einfach, rasch, von überall und unter Berücksichtigung von Datensicherheitsaspekten abgerufen werden. Der Verbraucher wird somit selbst zum Verwalter seines Stromverbrauches. Mit intelligenten, smarten Homelösungen, lassen sich also nicht nur Licht, Jalousien oder Temperatur steuern, sondern auch die Bereitstellung und Regulierung des Stromverbrauches, wie zum Beispiel das Laden des eCars oder die Erzeugung von Strom durch die Photovoltaikanlage. Obwohl diese durchgängige Einbindung für den Verbraucher durchaus eine höhere Investition vorab bedeutet, sind die Besitzer bzw. Käufer von Elektroautos gut beraten, die Vernetzung ihres eCar mitsamt Ladestation und dem bestehenden oder zukünftig geplanten Smart Home von Anfang einzuplanen und umzusetzen. So sind die langfristigen Kosteneinsparungen am höchsten und die Investitionen in der Anschaffung des eCars bzw. den notwendigen Upgrades im Eigenheim hin zum Smart Home rentieren sich am Schnellsten. Erfahrungswerte zeigen, dass sich, bei entsprechend intelligenter Planung, Investitionskosten innerhalb von 2-5 Jahren wieder eingespielt haben. Ab diesem Zeitpunkt profitiert der Verbraucher dann direkt von den Kosteneinsparungen und ist gleichzeitig für die kommenden Veränderungen und technischen Entwicklungen der nächsten Jahre und die Energiewelt der Zukunft bestens gerüstet.

Wer wird dem Konsumenten in Zukunft diese komplexen Gesamtsysteme kommunizieren und erklären?

Sagmeister: Ich denke, dass diese Aufgabe in Zukunft einerseits mehr auf die Hersteller wie Schneider Electric zukommen wird. Zu einem ganzheitlichen Lösungsansatz aus einer Hand wie wir ihn bieten, kommt eben auch eine Beratungsfunktion, die wir gegenüber unseren Kunden schon immer mehr z.B. über elektronische Medien wahrnehmen, und in Zukunft auch noch weiter ausdehnen möchten. Andererseits wird es darum gehen, geeignete Partner zu identifizieren und zu qualifizieren, die als Bindeglied zwischen den Herstellern und den Endkunden dienen. Ein Beispiel sind hier die zertifizierten EcoExpert Partner von Schneider Electric. Im Grunde genommen sind das Elektroinstallationsunternehmen, die sich entschlossen haben, in bestimmten Bereichen wie z.B. dem Themenkreis Smart Home oder Energiemanagement mehr Kompetenz aufzubauen und sich mittels speziellen Qualifizierungs- und Auditierungsprogrammen mit Schneider Electric als globalem Partner einen Wettbewerbsvorteil und einen Qualitätsvorsprung zu schaffen und Kunden zukunftsorientiert und mit Kompetenz und Service an sich zu binden. Der schiere Preis eines Produktes oder Bausteins tritt hier immer mehr in den Hintergrund und das ist für alle Beteiligten gut. Jede Investition eines Endkunden wird dann auf nachhaltige Sinnhaftigkeit, Zukunftssicherheit und reale wirtschaftliche Vorteile geprüft und gegen die Errichtungskosten aufgewogen. Zusammen mit dem entsprechenden Fachwissen und Beratungskompetenz verbunden mit dem Anspruch, für den Kunden die optimalste Lösung anzubieten ergeben sich hier insbesondere auch für die Elektroinstallationsbranche ganz neue Möglichkeiten.

Wie wichtig wird Energiemanagement im Haus bei Tageszeit abhängigen Stromtarifen und wie reagiert Schneider Electric auf diesen Systemwechsel?

Sagmeister: Sehr wichtig, denn genau in dieser Entscheidungsfreiheit liegt das große Kosteneinsparungspotential für Verbraucher. Dies bedeutet aber auch, dass es ihnen möglich sein muss, ihren Energieverbrauch zu messen und letztendlich zu steuern. Und dafür wiederum muss die Grundlage für eine intelligente Vernetzung – angefangen von der Ladestation des eCars, eventueller Photovoltaik- oder sonstiger Anlagen zur nachhaltigen Energieerzeugung, Batteriespeichern, bis hin zur Energieverteilung und dem Stromanschluss dahinter – geschaffen sein. Verbraucher können damit selbst bestimmen, wann sie den eigens produzierten und gespeicherten Strom in Anspruch nehmen, wann (und zu welchem Preis) sie Energie von Versorgungsunternehmen hinzukaufen möchten, oder ob sie im Falle eines vorhandenen Überschusses den von ihnen produzierten Strom zurück ins Netz speisen möchten. Es ist auch durchaus denkbar, dass sich Tarifmodelle gänzlich ändern und es in Richtung Flat-Rate wie z.B. bei Datentarifen läuft. So genau kann das heute noch niemand prognostizieren. Mit entsprechend intelligenten Lösungen können aber heute Installationen schon so ausgerüstet werden, dass von all diesen Entwicklungen positiv profitiert werden kann. Bei Schneider Electric gibt es deshalb kaum mehr ein Produkt, welches nicht in irgendeiner Form kommunikationsfähig oder mit einer Intelligenz ausgestattet ist und mit dem Internet verbunden werden kann. Damit stellen wir die Zukunftssicherheit her und die Investitionen werden geschützt.

Gibt es Kooperationen zwischen Schneider Electric und der Elektro-Automobilindustrie bzw. gemeinsam mit Forschung und Entwicklung?

Sagmeister: Aktuell gibt es eine Zusammenarbeit mit einem großen deutschen Automobilhersteller und mehrere Kooperationen im Zusammenhang mit der Entwicklung dieses Themas mit Mobilitätsanbietern weltweit.

 

Herr Sagmeister, wir bedanken uns für das Gespräch!

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