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Herausforderungen und Meilensteine bei dem 40. Internationalen Wiener Motorensymposium

Weg in die Zukunft der Mobilität

Vier Keynote-Vorträge führender Persönlichkeiten aus der Automobil- und Zulieferindustrie beherrschten Donnerstag Vormittag die Eröffnungssektion des 40. Internationalen Wiener Motorensymposiums. Mehr als 1000 Antriebsexperten, Motorenentwickler und Spitzentechniker nehmen an der Tagung, die bis Freitag Abend im Kongresszentrum Hofburg Wien stattfindet, teil.

Bosch: Mobilität für jedermann, ohne »negative Nebenwirkungen«

Die Luft muss besser werden: Mit dieser Forderung und nackten Fakten ließ im ersten Keynote-Vortrag des diesjährigen 40. Internationalen Wiener Motorensymposiums Dr. Volkmar Denner aufhorchen. Als Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, dem multinational agierenden Automobilzulieferer und Entwicklungsdienstleister mit weltweit mehr als 400.000 Mitarbeitern, beschäftigte sich Dr. Denner mit den »Herausforderungen der Mobilität« – nämlich der Gesundheit der Menschen in Bezug auf Luftqualität, dem Klimawandel, der Verkehrssicherheit und der Mobilität in Städten.

Was die Luftqualität und damit vorrangig die Stickoxide betrifft, wiesen laut Dr. Denner rund 40 Prozent der verkehrsnahen NO2-Messstationen in Deutschland im Jahr 2018 Grenzwertüberschreitungen im Jahresmittel auf. Zudem waren beim Feinstaub trotz der nahezu flächendeckenden Einhaltung diesbezüglicher Grenzwerte in Europa und Nordamerika im Vorjahr 82 Prozent der Weltbevölkerung Feinstaub-Konzentrationen über den WHO-Richtwerten ausgesetzt, insbesondere in aufstrebenden Märkten sei die Feinstaubbelastung noch zu hoch. Auch zum Klimaschutz müsse der Verkehrssektor seinen Beitrag leisten, so der Bosch-Chef, der auf eine Zunahme des CO2-Ausstoßes im europäischen Verkehrssektor um 28 Prozent seit 1990 verwies, auf 1,1 Mrd. Tonnen in 2017 (inkl. Luftfahrt).

Die weiteren nackten Fakten in Volkmar Denners Keynote: Jedes Jahr sterben über 1,3 Millionen Menschen weltweit bei Verkehrsunfällen, damit sind diese die häufigste Todesursache in der Altersgruppe von fünf bis 29 Jahren. Deutsche Autofahrer verbringen im Schnitt etwa 120 Stunden pro Jahr im Stau. Ein zusätzlicher Problembereich: die städtische Parkraumsuche, die Schätzungen zufolge etwa 30 Prozent des urbanen Verkehrs verursacht.

Unsere Vision, so Dr. Denner, sei Mobilität für jedermann, ohne »negative Nebenwirkungen«. Zur Verbesserung der Luftqualität nannte der Bosch-CEO weitere Entwicklungserfolge bei der Senkung von Diesel-Stickoxiden, beim Feinstaub von Ottomotoren und bei Bremsvorgängen. Bezüglich Verkehrssicherheit werde es mit automatisiertem Fahren und innovativen Zweirad-Sicherheitssystemen gelingen, die Unfallzahlen weiter zu reduzieren. Daneben arbeite Bosch intensiv an der Elektrifizierung aller Antriebsarten, vom eBike bis zum Lkw mit Brennstoffzelle.

Wie wir in der Zukunft fahren werden? Das derzeit von Bosch als am wahrscheinlichsten eingestufte Szenario besagt laut Dr. Denner, dass bis 2030 jedes vierte Neufahrzeug rein elektrisch fährt. Gleichzeitig komme es zu einer starken Elektrifizierung des Verbrennungsmotors mit milden und starken Hybriden. Der Verbrennungsmotor bleibe jedenfalls ein wichtiger Teil des Antriebs-Mixes, was die Notwendigkeit verdeutliche, ihn hinsichtlich Schadstoffausstoß und CO2-Emissionen weiter zu verbessern. Denn als Übergangstechnologie werde er noch lange im Einsatz bleiben.

Toyota setzt »Meilensteine« auf dem Weg in eine elektrifizierte Mobilität

Sehr ambitionierte »Meilensteine« auf dem Weg in eine elektrifizierte zukünftige Mobilität setzt sich Toyota. Für 2030 plant der größte japanische Fahrzeughersteller die Produktion von 4,5 Millionen Hybridfahrzeugen (HEV) und Plug-in-Hybriden (PHEV) sowie von einer weiteren Million batterieelektrischen Autos (BEV) und Fahrzeugen mit Brennstoffzellen (FCEV). Nur durch die Elektrifizierung der Antriebsstränge könne das übergeordnete Ziel Toyotas erreicht werden, bis 2050 die CO2-Emissionen im Abgas neuer Fahrzeuge – und damit den Kraftstoffverbrauch – im Vergleich zu 2010 um 90 Prozent zu reduzieren. Diese Strategie erläuterte Keiji Kaita, Executive General Manager, Powertrain Company, in seiner Keynote-Ansprache.

Zwei weitere Herausforderungen seien verminderte CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeuges sowie in der Herstellung, so Keiji Kaita. Nur durch die weite Verbreitung umweltfreundlicher Fahrzeuge könne ein echter Umweltbeitrag geleistet werden, eine diversifizierte Elektrifizierung sei dabei unverzichtbar. Toyota werde jedenfalls seine Anstrengungen intensivieren, die Meilensteine und Ziele zu erreichen.

Volvo verknüpft Elektrifizierung und Autonomisierung der Autos eng miteinander

Die Zukunft der individuellen Mobilität liegt für die Volvo Car Group in einer weitgehenden Elektrifizierung der Fahrzeuge. Henryk Green, Senior Vice President Research & Development, bekräftigte in seiner Keynote-Ansprache Volvos Bekenntnis zu einem sehr raschen Technologiewandel mit klaren Worten: „Wir sind der Meinung, dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge das zur Zeit einzig überzeugende Mittel sind, energieeffiziente Transporte in großem Maßstab zu ermöglichen und gleichzeitig die CO2-Emissionen zu minimieren.

Ziel sei eine nachhaltige und sichere Mobilität, um die Gesellschaft zu schützen, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren und die wachsende Nachfrage der Verbraucher zu befriedigen, so Green. Schon früher hatte Volvo angekündigt, neue Modelle nur noch mit Elektro- oder Hybridantrieb auf den Markt bringen zu wollen. Auf dem Wiener Motorensymposium präzisierte Green, bis zur Mitte der nächsten Dekade werde die Hälfte der Pkw-Produktion auf elektrisch angetriebene Autos – darunter vollelektrische, Plug-In-Hybrid- und Hybridfahrzeuge – entfallen. Zum Einsatz komme dabei die nächste Generation der Plattform für skalierbare Architektur (SPA2), diese werde die kommenden Technologien in den Bereichen Elektrifizierung, Konnektivität und Autonomes Fahren umfassen. Gleichzeitig erwartet Volvo Cars, dass bereits ein Drittel der Produktion auf autonome Fahrzeuge entfallen wird: Für Volvo, den zum chinesischen Konzern Geely gehörenden Hersteller mit schwedischen Wurzeln, sind Elektrifizierung und Autonomisierung der Autos eng miteinander verknüpft.

Volkswagen läutet mit der ID. Familie eine neue Ära der Elektromobilität ein

Rund 44 Milliarden Euro investiert Volkswagen bis 2023 in Elektromobilität, Digitalisierung und neue Mobilitätsdienste. Dabei verfolgt der Konzern zwei parallele Ziele: eine konsequente Vermeidung und Reduzierung von CO2-Emissionen einerseits und die vollständige Vernetzung der Fahrzeuge andererseits. Der Großteil des Investments fließt dabei in eine nachhaltige Elektromobilität. Mit diesen Maßnahmen will Volkswagen bis 2050 die CO2-Emissionen der Gesamtflotte kontinuierlich auf null reduzieren und eine zunehmende CO2-Neutralität über den gesamten Lebenszyklus realisieren, erläuterte Dr. Frank Welsch, VW-Markenvorstand Technische Entwicklung, als vierter Keynote-Redner des Internationalen Wiener Motorensymposiums.

Schon heuer läute Volkswagen mit dem ersten auf den Markt kommenden Vertreter einer ganzen Familie rein elektrisch angetriebener Fahrzeuge eine neue Ära der Elektromobilität ein. Der »ID. 3« zeige das Potenzial des innovativen Modularen E-Antriebs-Baukasten, so Dr. Welsch. Der Kompaktwagen mit einem voraussichtlichen Preis von unter 30.000 Euro hat die Länge eines Golf und bietet innen fast so viel Raum wie ein Passat. Je nach verbauter Batterie sind Reichweiten von 330 bis über 550 km (WLTP) möglich. Angetrieben wird der ID. 3 von einem 150 kW starken Hinterachsantrieb, optional durch einen zusätzlichen E-Motor an der Vorderachse. Bereits Ende 2019 startet in Zwickau die Produktion des Autos.

In der Anlaufphase der Umstellung auf Elektromobilität setzt Volkswagen in seiner Antriebs- und Kraftstoffstrategie auf einen breiten Technologiemix. Ziel des Konzerns sei es, für jeden Kunden und jeden Markt exakt die Mobilität bereitzustellen, die erwartet und benötigt wird. Der (teil-)elektrifizierte Verbrennungsmotor werde dabei – so Technikvorstand Dr. Welsch – weiterhin eine tragende Säule des Antriebsportfolios bleiben.

Quelle: APA


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