Van-Studie verbindet variable Sitzanordnung mit neuem Cockpitkonzept:

Renault E-Space Concept: Elektrischer Van mit sechs Einzelsitzen

von Nakisa Kaltenbach
Foto: © Renault Communications

Renault zeigt mit dem Renault E-Space Concept auf dem Pariser Autosalon 2026 eine vollelektrische Van-Studie mit sechs Sitzen. Das Konzept knüpft an den ersten Renault Espace von 1984 an und überträgt dessen Idee eines vielseitig nutzbaren Familienautos auf einen elektrischen Antrieb. Im Mittelpunkt stehen ein heller, modularer Innenraum und eine Karosserie, die sich bewusst von klassischen SUV und Limousinen unterscheidet.

Die Studie ist als elektrischer Familienvan mit sechs Sitzen angelegt, nicht als angekündigtes Serienmodell. Angaben zu einem möglichen Serienstart, zum Preis oder zur Reichweite nennt Renault nicht. Auch Batteriekapazität, Antriebsleistung und Ladeleistung bleiben offen. Konkreter wird der Hersteller bei der Gestaltung des Innenraums und beim Cockpit: Das dort gezeigte Panoramadisplay soll künftig auch in anderen Renault-Modellen eingesetzt werden.

4,70 Meter Länge und eine niedrige Van-Silhouette

Das Renault E-Space Concept misst 4,70 Meter in der Länge, 2,02 Meter in der Breite und 1,67 Meter in der Höhe. Kurze Überhänge und weit außen platzierte 23-Zoll-Räder bestimmen die Proportionen. Dazu kommen eine niedrige Gürtellinie und eine moderate Bodenfreiheit. Anders als bei einer betont hochbeinigen SUV-Karosserie setzt Renault damit auf einen bodennahen Auftritt.

Die Windschutzscheibe führt die Linie der Motorhaube fort. Renault greift damit das charakteristische TGV-Profil des ersten Espace auf. Auch am Heck finden sich historische Bezüge: Der Dachspoiler erinnert an die zweite und dritte Espace-Generation. Vertikale Linien sollen dort den verfügbaren Raum und die Variabilität des Fahrzeugkonzepts sichtbar machen. Für das Design stand nach Darstellung des Herstellers zunächst der Innenraum fest; die äußere Hülle wurde anschließend darum entwickelt.

Beleuchtetes Logo und absenkbarer Frontsplitter

An der Front umfasst eine breite, U-förmige Lichtleiste den Kühlergrill. In ihrer Mitte sitzt das beleuchtete Renault-Logo, das durch eine Pixelgestaltung optisch zu schweben scheint. Eine neue Lichtsignatur prägt auch das Heck. Die übrige Karosserie kombiniert fließende Flächen mit klaren Spannungslinien.

Ein absenkbarer Frontsplitter soll bei höherem Tempo die Aerodynamik verbessern. Konkrete Angaben zum Luftwiderstand macht Renault nicht. Eine schwarze technische Grundplatte bezieht die Batterie und aerodynamische Elemente in die Gestaltung ein. Ihre horizontale Linie setzt sich bis in das Raddesign fort und soll die Karosserie optisch niedriger wirken lassen. Zugleich verweist das Gestaltungselement auf den breiten grauen Seitenschutz des Espace von 1984.

Große Glasflächen reichen unter die Gürtellinie

Beim Innenraum orientiert sich Renault an gläserner Architektur. Als Inspiration nennt der Hersteller die Bauhaus-Architektur und insbesondere das Farnsworth House von Ludwig Mies van der Rohe. Die vollständig verglaste Fahrgastzelle soll möglichst viel natürliches Licht hereinlassen. Glasdach und Seitenfenster reichen dafür weit unter die niedrige Gürtellinie.

Von außen bleibt erkennbar, dass sich die Verglasung hinter den Karosserieteilen nach unten fortsetzt. Eine gezielte Beleuchtung hebt die schlanke Verbindung zwischen Windschutzscheibe und Karosserie hervor. Die C-Säule ist so gestaltet, dass sie frei im Raum zu schweben scheint.

Romain Gauvin, Head of Advanced Design & Concept Cars bei Renault, beschreibt den Ansatz so: „Die Gürtellinie liegt so tief, dass man im Stehen in den Innenraum blickt. Beim Fahren kann der Ellbogen bequem auf der Tür ruhen.“

Sechs Einzelsitze lassen sich zur Sitzgruppe anordnen

Den Zugang zum Renault E-Space Concept Innenraum ermöglichen gegenläufig öffnende Türen ohne B-Säule. Auf einem ebenen Boden stehen sechs Einzelsitze mit lackierten Schalen. Für deren Gestaltung diente das Möbeldesign Pierre Paulins als Vorbild. Die schlanke Form nimmt zugleich Bezug auf die Sitze des ersten Espace.

Die Sitze der zweiten Reihe lassen sich um 180 Grad drehen. Gemeinsam mit der dritten Reihe entsteht dadurch eine gegenüberliegende Sitzgruppe. Die Variabilität beschränkt sich also nicht auf eine herkömmliche Anordnung mit Blick nach vorn, sondern ermöglicht auch eine gemeinsame Aufenthaltszone im Fond.

Bei einer Ausrichtung in Fahrtrichtung stehen Klapptische mit integrierten 12,3-Zoll-Bildschirmen zur Verfügung. Werden die Sitze vollständig umgeklappt, entsteht ein großer Tisch für die dritte Reihe. Renault beschreibt damit mehrere Nutzungsformen für denselben Innenraum, ohne sich auf eine feste Sitzkonfiguration zu beschränken.

Verschiebbare Konsole bündelt Funktionen für den Fond

Entlang der Mittelachse lässt sich eine fernbediente Konsole verschieben. Sie vereint einen Luftreiniger, einen kleinen Kühlschrank, Videospiel-Controller und ein Vier-gewinnt-Spiel. Statt diese Ausstattung an einem festen Ort einzubauen, ordnet Renault sie damit einem beweglichen Element zwischen den Sitzplätzen zu.

Weitere Details betreffen die Beleuchtung und die Kontaktflächen im Innenraum. Die Türgriffe sind mit gestepptem Stoff bezogen, in den Lautsprechern sitzen Nachtlichter. Verschiebbare Leseleuchten im Glasdach ergänzen die Ausstattung. Textile Oberflächen sollen dabei einen Kontrast zu den Displays und der technisch gestalteten Mittelkonsole bilden. Der Hersteller setzt im Fond somit nicht allein auf Bildschirme, sondern auch auf analoge Spielmöglichkeiten und individuell positionierbares Licht.

OpenR Panorama trennt Anzeige und Touchbedienung

Das Renault OpenR Panorama ist ein 1.130 Millimeter breites, gebogenes Display, das sich nahezu über das gesamte Cockpit erstreckt. Es ersetzt die klassische Instrumententafel. Nach der Ankündigung des Herstellers soll die Technik erstmals in den nächsten Generationen von Renault Rafale und Renault Scenic eingesetzt werden. Einen Zeitpunkt nennt Renault dafür nicht.

Das Panoramadisplay selbst ist kein Touchscreen. Für die Bedienung sind zwei flexible Touchscreens am röhrenförmigen Träger des Lenkrads vorgesehen. Anzeige und Eingabe liegen damit an unterschiedlichen Stellen. Je nach Situation lässt sich die dargestellte Informationsmenge vergrößern oder reduzieren.

Renault begründet die fahrbahnnahe Position des Displays mit Vorteilen für Sicht, Ergonomie und Sicherheit. Konkrete Messergebnisse oder Vergleichswerte führt der Hersteller dazu nicht an. Das kompakte Lenkrad ist so ausgelegt, dass es den Blick auf die breite Anzeigefläche freihält.

Steer-by-Wire kommt ohne mechanische Lenkverbindung aus

Für die Lenkung sieht die Studie Steer-by-Wire vor. Das Lenkrad benötigt damit keine mechanische Verbindung zur Lenkung. Renault verbindet diese Technik mit einer festen Lenkradnabe und berührungsempfindlichen Bedienelementen für die Interaktion mit dem Panoramadisplay.

Der Wegfall der mechanischen Verbindung erlaubt laut Hersteller eine flexible Anpassung an die jeweilige Fahrsituation. Detaillierte Angaben zur technischen Ausführung des Lenksystems enthält die Vorstellung allerdings nicht. Anders als beim Panoramadisplay nennt Renault für Steer-by-Wire auch keine künftigen Modellgenerationen, in denen die gezeigte Lösung eingesetzt werden soll.

Rottöne und ein drei Zentimeter dicker Wollteppich

Die Farbgestaltung greift die Pop-Interieurs der 1970er-Jahre auf. Scharlachrot, Violett und Granatrot prägen den Innenraum. Im Zentrum liegt ein drei Zentimeter dicker Teppich in Koralle, dessen Farbton nach außen dunkler wird. Der hochflorige Tufting-Teppich besteht aus 100 Prozent Wolle.

Metallische Bedienelemente ergänzen die textilen Flächen. Ihre Verarbeitung orientiert sich nach Beschreibung des Herstellers eher an Schmuck als an klassischen technischen Bauteilen. An den Klapptischen und weiteren Innenraumteilen verwendet Renault Einlagen aus Stroh anstelle von Holz. Farbe, Material und Oberflächenstruktur bilden damit einen eigenen Schwerpunkt des Entwurfs, neben der veränderbaren Sitzanordnung und der digitalen Cockpittechnik.

Biobasierte Werkstoffe mit unterschiedlichen Anteilen

Mit der Studie erprobt Renault erneuerbare, biobasierte Werkstoffe als Alternative zu üblichen Materialien wie Leder und Holz. Für einzelne Bauteile nennt der Hersteller konkrete Zusammensetzungen. Diese Angaben beziehen sich jeweils auf das betreffende Material oder Bauteil, nicht auf das gesamte Fahrzeug:

  • Gefärbtes Stroh wird bei Innenraumverkleidungen direkt auf den Träger aufgebracht.
  • Der Innenraumlack enthält 18 Prozent biobasiertes Harz.
  • Beim Lenkradbezug nennt Renault 26 Prozent Rizinusöl und 25 Prozent Bio-Baumwolle.
  • Die Michelin-Reifen enthalten durchschnittlich 19 Prozent Naturkautschuk aus bewirtschafteten Kautschukplantagen.

Renault ordnet die Materialversuche in das Ziel ein, in seiner Modellpalette einen hohen Anteil recycelter Materialien einzusetzen. Eine Gesamtquote für recycelte oder biobasierte Werkstoffe in der Van-Studie nennt der Hersteller nicht.

Renault E-Space Concept in Rot mit geöffneten gegenläufigen Türen und Blick auf die sechs Einzelsitze vor einer Wüstenlandschaft.
Das vollelektrische Renault E-Space Concept zeigt seine gegenläufig öffnenden Türen ohne B-Säule und den großzügigen Innenraum mit sechs Einzelsitzen. (Bild: Renault Communications)
Nahaufnahme der roten Einzelsitze im Renault E-Space Concept mit schlanken Rückenlehnen, Armlehnen und Blick auf das digitale Cockpit.
Nahaufnahme der roten Einzelsitze im Renault E-Space Concept mit schlanken Rückenlehnen, Armlehnen und Blick auf das digitale Cockpit.
Draufsicht auf den Renault E-Space Concept mit sechs roten Einzelsitzen in drei Reihen, ebenem Boden und verschiebbarer Mittelkonsole.
Die Draufsicht verdeutlicht das modulare Innenraumkonzept des Renault E-Space Concept mit sechs Einzelsitzen und einer verschiebbaren Mittelkonsole. (Bild: Renault Communications)

Quelle: Renault

Häufig gestellte Fragen

Ist das Renault E-Space Concept als Serienmodell angekündigt?

Nein. Renault stellt das E-Space Concept als vollelektrische Van-Studie vor. Angaben zu einem möglichen Serienstart, zum Preis, zur Reichweite sowie zu Batteriekapazität, Antriebsleistung und Ladeleistung nennt der Hersteller nicht.

Wie lassen sich die sechs Sitze im Renault E-Space Concept nutzen?

Die Studie verfügt über sechs Einzelsitze auf einem ebenen Boden. Die Sitze der zweiten Reihe lassen sich um 180 Grad drehen und bilden dann mit der dritten Reihe eine gegenüberliegende Sitzgruppe. Werden die Sitze vollständig umgeklappt, entsteht ein großer Tisch für die dritte Reihe.

Was ist das Renault OpenR Panorama?

Das Renault OpenR Panorama ist ein 1.130 Millimeter breites, gebogenes Display, das nahezu das gesamte Cockpit überspannt. Es ist kein Touchscreen; die Bedienung erfolgt über zwei flexible Touchscreens am Lenkradträger. Laut Renault soll die Technik erstmals in den nächsten Generationen von Rafale und Scenic eingesetzt werden. Einen Zeitpunkt nennt der Hersteller nicht.

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