Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Die Zeit der Verbrennungsmotoren läuft langsam, aber sicher ab.

eCar-Test: Kia Optima SW Plug-in-Hybrid

Das Experiment

Seit Längerem beschäftigt mich die Frage, inwiefern die Reichweitenangaben der Hersteller in der Realität zu erreichen sind? Schon klar, dass sich diese Angaben auf optimale Verkehrsbedingungen, eine ausgezeichnete Fahrweise und ein Minimum aktivierter Fahrzeugfunktionen beziehen. Aber kann man diese laborähnlichen Umstände auch auf die Straße bringen? Für dieses ambitionierte eCarandBike-Experiment wurde der Kia Optima Sportswagon Plug-in-Hybrid auf die Probe gestellt.

Text: Daniel Schöppl

Kia hat mittlerweile einige elektrifizierte Modelle im Angebot: Neben dem vollelektrischen Soul EV befinden sich auch der Niro und der Optima als Plug-in-Varianten im Fuhrpark der Koreaner. Der Optima Sportswagon ist so etwas wie Kias Antwort auf den VW Passat GTE Variant, der sich auch preislich in einem vergleichbaren Segment befindet. Auch wenn man bei einem Kombi vermutlich nicht sofort an Kia denkt, kann sich der Mittelklasse-Plug-in sehen lassen: Mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 12,3 kWh/100km und einer Systemleistung von 151 kW (205 PS) beträgt die elektrische Reichweite bis zu 62 km, so die Herstellerangaben. Damit steht der Optima SW seinem Kombi-Konkurrenten von VW im direkten Duell um nichts nach. Aber: Sind die Herstellerangaben auch tatsächlich erreichbar?
eCarandBike macht den Laborversuch

Um die bestmöglichen Bedingungen vorzufinden, habe ich den Test in der Nacht ­gemacht. So sollte  Verkehr möglichst vermieden und Beschleunigungs- und Bremsmanöver minimiert werden. Als Strecke wurde ein exakt 12 Kilometer langer Abschnitt gewählt, der mit wenigen Ausnahmen frei von  Ampeln ist. Aufgrund der Tatsache, dass ich als »Lonesome Rider« alleine auf der Straße unterwegs war, konnte ich großteils eine Geschwindigkeit von 50 – 60 km/h einhalten und so einen durchwegs fließenden Stadtverkehr simulieren. Bessere Voraussetzungen sind also kaum noch möglich.

Im direkten Streckenvergleich traten der »EV-Modus« und der »Hybrid-Modus« gegeneinander an. Durch die Option, zusätzlich den »Eco-Modus« aktivieren zu können, ergeben sich hier vier mögliche Kombinationen, die in ebenso vielen Testrunden auf dem Prüfstand gestellt wurden. Im »Eco-Modus« reagiert die Beschleunigung vom Optima SW merklich zäher als im Standardmodus. Aber auch ohne Zuschaltung dieser Betriebsart ist der Kia kein Kraftpaket in puncto Zugkraft: Den Antrieb, den man sich bei einer Systemleistung von 205 PS wünscht, bringt der Kombi gefühlt nicht ganz auf den Asphalt. Für kurze »Sprints« sollte deshalb auf den »Eco-Modus« verzichtet werden. In der Gegenüberstellung mit dem VW Passat GTE Variant muss sich der Kia Optima SW zwar nicht verstecken, ist aber mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,7 Sekunden nicht so schwungvoll, wie sein Mittelklasse-Pendant, das laut Herstellerangaben mit 13 PS mehr Leistung ganze 2,1 Sekunden weniger dafür benötigt.

Nun zu den Test-Ergebnissen…

Das Experiment ist leider nicht ganz so verlaufen wie geplant. Trotz optimaler Fahrbedingungen und dem Verzicht auf etwaige unnötige Fahrzeugfunktionen hat der Verbrennungsmotor immer wieder unterstützend eingegriffen – auch im »EV-Modus«. Wie sich herausstellte, war der Grund dafür die Heizung, die aber aufgrund der winterlichen Verhältnisse unentbehrlich war. Bedauerlicherweise lässt sich so keine Aussage darüber treffen, inwiefern der Kia sein elektrisches Reichweitenversprechen auch tatsächlich einhält, zumal die Verbrauchswerte am Display auch keine Angabe zu den eingesetzten Kilowattstunden machen. Ein überraschendes Ergebnis liefert der Test im »EV-Modus«: Ohne zusätzlicher Aktivierung der »Eco-Einstellung« hat der Optima SW sowohl weniger elektrische Reichweitenverlust als auch weniger Spritverbrauch aufzuweisen und das bei einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit – etwas verwunderlich. Welche Verbrauchswerte die weiteren Test-Runden hervorgebracht haben, kann im Detail in der nachfolgenden ­Tabelle abgelesen werden:

Reichweitenangabe Start Reichweitenangabe Ende Verbrauch [100 km] Ø-Geschwindigkeit Außentemperatur Innentemperatur
EV-Modus + Eco 37 km 25 km 3,2 l 45 km/h -1 °C 23 °C
EV-Modus (ohne Eco) 25 km 16 km 2,3 l 50 km/h -2 °C 23 °C
Hybrid-Modus + Eco 16 km 15 km 5,7 l 49 km/h -1 °C 23 °C
Hybrid-Modus (ohne Eco) 43 km 43 km 6,6 l 44 km/h -1 °C 23 °C
Mein persönliches Fazit

Der Kia Optima Sportswagon Plug-in erweitert das ohnehin noch dünn gesäte Angebot der elektrifizierten Kombi-Modelle. Dass der Markt in diesem Segment noch zulegen kann und auch wird, liegt auf der Hand. Mit dem Optima verhält sich das meiner Meinung nach ähnlich: Er ist ein passables Mittelklasse-Fahrzeug, das den Ansprüchen eines Plug-in-Hybriden gerecht wird und bei seinem Kundenstamm mit niedrigem Kraftstoffverbrauch und entsprechender Reichweite punkten kann. Beschleunigung und Dynamik bieten aber noch Spielraum zur Verbesserung.

Technische Daten

Antriebssysteme:

Verbrennungsmotor:

  • Typ: 4 Zylinder-Benzinmotor
  • Hubraum:1.999 cc
  • Max. Leistung:115 kW (156 PS)
  • Max. Drehmoment:189 Nm
  • Abgasklasse:Euro 6b

Elektromotor:

  • Typ: Permanent Magnet Synchronmotor
  • Spitzenleistung:50 kW (68 PS)
  • Drehmoment:205 Nm
  • Systemleistung:151 kW (205 PS)
  • Antrieb:Frontantrieb
  • Batterie: Li-Ionen Polymer; 360 V 31,3 Ah / 11,26 kWh

Reichweite elektrisch: bis zu 62 km

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 1,4 l / 100 km

Stromverbrauch: 12,3 kWh / 100 km

Ladezeit Haushaltssteckdose: ca. 5 h

Ladezeit Steckertyp 2: ca. 3,1 h

Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h

Höchstgeschwindigkeit im E-Betrieb: 120 km/h

Beschleunigung (0 – 100 km/h): 9,7 sek

CO2-Emission gewichtet: 33 g/km

Abmessungen L x B x H: 4.855 x 1.860 x 1.470 mm

Kofferraumvolumen: 440 Liter

umgeklappte Rücksitze: 1.574 Liter

Leergewicht: 1.740 kg

Preis: ab EUR 44.390 in Österreich / ab EUR 41.940 in Deutschland

 

Weitere Informationen: kia.com


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