Mehr eigene Wertschöpfung bei elektrischen Antrieben:

Bmw baut in Steyr die Fertigung von Inverter-Leistungsmodulen auf

von Nakisa Kaltenbach
Foto: © BMW Group

Das Bmw Group Werk Steyr in Österreich erweitert seine E-Antriebsfertigung um die Montage von Inverter-Leistungsmodulen. Bis zum geplanten Produktionsstart im Sommer 2029 investiert die Bmw Group mehr als 100 Millionen Euro in den Standort. Neben der neuen Fertigung für Leistungselektronik sind Verbesserungen im bestehenden Produktionssystem vorgesehen. Mit dem Vorhaben will der Hersteller mehr Wertschöpfung nach Steyr holen und zusätzliches technisches Know-how für elektrische Antriebe am Standort aufbauen.

Was wird künftig in Steyr gefertigt?

Im Mittelpunkt der Erweiterung steht ein Leistungsmodul im Inverter der Gen6-Elektromotoren für die Neue Klasse. Das Werk Steyr soll künftig sowohl die vorgelagerte Lieferkette als auch die Montage dieses Bauteils selbst verantworten. Der Ausbau erfolgt während des laufenden Hochlaufs der neuen Elektromotorengeneration und ergänzt damit die bereits bestehende E-Antriebsfertigung.

Die angekündigte Eigenfertigung betrifft die Montage des Leistungsmoduls, nicht die Herstellung der dafür benötigten Halbleiter. Komponenten wie Halbleiter will Bmw weiterhin auf den Weltmärkten beschaffen. Die Unterscheidung ist für die Einordnung des Projekts wesentlich: In Steyr entsteht keine angekündigte Halbleiterproduktion, sondern eine zusätzliche Fertigungsstufe für Leistungselektronik für Elektroautos.

Von der eigenen Verantwortung für Lieferkette und Montage erwartet Bmw mehr Flexibilität beim Komponenteneinkauf. Zugleich soll der Schritt nach Einschätzung des Herstellers die Wettbewerbsposition verbessern und Abhängigkeiten in einem geopolitisch sensiblen Technologiefeld verringern.

Wie viel investiert Bmw in Steyr?

Das Investitionspaket umfasst unter anderem eine neue Montagelinie, einen neuen Sauberraum und die zugehörige Infrastruktur. Die angekündigten mehr als 100 Millionen Euro beziehen sich auf das Werk Steyr; einen gesonderten Betrag allein für die Montage der Leistungsmodule nennt Bmw nicht. Ebenso enthält die Ankündigung keine Angaben zu geplanten Stückzahlen oder zur Kapazität der neuen Linie.

Parallel zum Aufbau der zusätzlichen Fertigung will das Werk seine bestehenden Produktionsprozesse optimieren. Bmw verfolgt damit zwei Ansätze: Neue Fertigungsumfänge sollen die eigene Wertschöpfung vertiefen, während Änderungen im vorhandenen Produktionssystem zusätzliche Effizienzsteigerungen ermöglichen sollen. Konkrete Einsparziele oder einzelne Maßnahmen für diese Prozessverbesserungen werden nicht genannt.

Neue Fügeverfahren für zehn Einzelteile

Das Leistungsmodul besteht aus zehn Einzelteilen, die in der neuen Fertigung zusammengebaut werden. Dafür setzt Bmw auf Großflächenlöten und Ultraschallschweißen. Beide Verfahren kommen nach Angaben des Herstellers damit erstmals überhaupt innerhalb der Bmw Group zum Einsatz. Der Standort übernimmt folglich nicht nur zusätzliche Montageaufgaben, sondern führt auch neue Fertigungsprozesse in das Produktionsnetzwerk ein.

Der Aufbau der Anlagen erfordert zugleich eine Vorbereitung der Beschäftigten auf die neuen Tätigkeiten. Helmut Hochsteiner, Leiter der E-Antriebsfertigung im Werk Steyr, sagt: „Neben dem Aufbau und der Integration neuer Anlagen bereiten wir die Qualifizierung unserer Mitarbeitenden für die neuen Umfänge vor“. Für die Erweiterung will die E-Antriebsfertigung auf die Erfahrungen zurückgreifen, die sie beim bisherigen Aufbau der Elektromobilitätskompetenzen am Standort gesammelt hat.

Elektroantriebe ergänzen die bestehende Motorenproduktion

Seit 2022 baut die Bmw Group Steyr zu einem zentralen Standort für Elektromobilität in ihrem Produktionsnetzwerk aus. Die Fertigung von Verbrennungsmotoren läuft daneben weiter: Jährlich liefert das Werk mehr als eine Million Benzin- und Dieselmotoren an die Fahrzeugwerke des Konzerns weltweit. Am Standort arbeiten 4.700 Menschen.

Die österreichische Bundesregierung und das Land Oberösterreich unterstützen das neue Vorhaben laut Werkleiter Harald Gottsche. Art und Umfang dieser Unterstützung werden in der Ankündigung nicht beziffert. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ordnet die Investitionsentscheidung in die Industriestrategie ein, die unter anderem auf Schlüsseltechnologien, geringere technologische Abhängigkeiten und zusätzliche Wertschöpfung in Österreich abzielt. Nach seiner Aussage hat sich Steyr bei der Standortentscheidung konzernintern durchgesetzt.

Quelle: Bmw Group

Häufig gestellte Fragen

Was soll künftig im Bmw Group Werk Steyr gefertigt werden?

Das Werk soll Inverter-Leistungsmodule für die Gen6-Elektromotoren der Neuen Klasse montieren und die vorgelagerte Lieferkette verantworten. Die benötigten Halbleiter will Bmw weiterhin auf den Weltmärkten beschaffen; eine Halbleiterproduktion in Steyr ist nicht angekündigt.

Wann soll die neue Fertigung in Steyr starten?

Der Produktionsstart für die Montage der Inverter-Leistungsmodule ist für Sommer 2029 geplant.

Wie viel investiert Bmw in das Werk Steyr?

Bis zum geplanten Produktionsstart investiert die Bmw Group mehr als 100 Millionen Euro in das Werk Steyr. Das Paket umfasst unter anderem eine neue Montagelinie, einen Sauberraum, die zugehörige Infrastruktur und Verbesserungen im bestehenden Produktionssystem. Ein gesonderter Betrag allein für die Modulmontage wird nicht genannt.

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