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Future of the Mobility

Kampf der Mobilitätskulturen

Studien zur Zukunft der Mobilität fokussieren oft eine gutverdiendende, urbane Zielgruppe. Nimirum-Experte Gunter Heinickel erklärt, warum eine Verbreiterung der Perspektive auf vielen Ebenen notwendig ist, um die Anforderungen von Mobilitätslösungen zu identifizieren.

Die aktuellen Debatten um Dieselmotor und E-Antriebe spiegeln nichts weniger als einen Kampf um Mobilitätskulturen. Es fällt auf, dass sich die zahlreichen Studien zur neuen E-Mobilität vor allem an einer gutverdienenden, urbanen Zielgruppe ausrichten.

Weitgehend unbeachtet bleiben dagegen die Bedürfnisprofile breiterer Bevölkerungsschichten. Was wollen die? Was brauchen die? Passen die bisher anbietbaren Nutzungsweisen der E-Mobilität auf deren Lebenskonzepte? Wo bleibt gerade für Deutschland die so hochmobile und für das Wirtschaftsgeschehen wichtige Bevölkerung der kleinen Orte und des flachen Landes? Denn in Deutschland findet die Wertschöpfung eben nicht nur in einigen städtischen Zentren und „Metropolregionen“ statt. Und so gibt es eine Vielzahl von Menschen, die sich nicht nur in Freizeit und Urlaub auf lange Distanzen bewegen müssen.

Tatsächlich kann man manchmal den Eindruck gewinnen, als nutzten einige entschiedene Verfechter der E-Mobilität den technischen Paradigmenwechsel, um die Bedeutung von Mobilität in der Gesellschaft überhaupt neu zu definieren: als sollte über die Durchsetzung der e-mobilen Gesellschaft der Zugang zu Mobilität und die Berechtigung von Mobilität an sich neu ausgehandelt werden. Droht so der E-Antrieb zum “Veggie Day” einer neuen Mobilitäts- und Verkehrspolitik zu werden?

Weder moralische Imperative noch die alleinige Fixierung auf Fragen des Schadstoffausstoßes sind geeignet, um Elektromobile für einen neuen Massenmarkt zu entwickeln. Beide Triebfedern widersprechen sich unter Umständen auch – steht hinter der Kritik an manchen Formen der Mobilität nicht die Vision vom “Volk ohne Wagen”? Für die gesellschaftliche Debatte um neue Mobilitätsformen ist es schädlich, wenn diese Vision nur als unausgesprochene Motivation vorhanden ist und nicht deutlich genug artikuliert wird.

Dass sie hier und da vorhanden ist, würde erklären, warum bei vielen Meinungsführern des Mobilitätsdiskurses das Bewusstsein für breitere mobilitätsbezogene Nutzererwartungen in Abhängigkeit von objektiven Anforderungen relativ schwach ausgeprägt ist. Symptomatisch dafür ist, dass in vielen Studien mit der Kategorie von “attitude groups” gearbeitet wird, also marktstudiengängigen “Einstellungen”, und nicht mit nachgefragten Leistungsprofilen.

Tatsächlich ist es aber so, dass nicht nur die individuelle Entscheidung oder die persönliche Moral über die Wahl von Verkehrsmitteln und Mobilitätsstilen entscheidet. Vielmehr werden solche Einstellungen, Haltungen und Verhaltensstile in starker Abhängigkeit von lebenspraktischen Herausforderungen ausgebildet, erlernt und dauerhaft geprägt. Diese Abhängigkeit muss bei der Entwicklung von Visionen für eine neue Mobilität stärker berücksichtigt werden.

Dazu kommt, dass zahlreiche der neuen digital-basierten Mobilitätsangebote, wie Apps und Webplattformen, ohnehin aus der Prämisse heraus entwickelt worden zu sein scheinen, dass „bessere Information“ automatisch zu einer „anderen“, „besseren“ Mobilität führen würde. Die Annahme ist offenbar, dass Menschen im Alltag sich jederzeit den Kopf darüber zerbrechen, wie sie nun am besten von Ort zu Ort kommen, und ihre Entscheidungen nicht auf der Grundlage von Routine, Erfahrungswissen, Erlebnissen und Emotionen träfen.

Auch hier ist eine Verbreiterung der Perspektive nötig. Das Wissen über und das Gespür für unterschiedliche soziale Nutzerkulturen muss geschärft werden. Denn für viele Menschen ist das private Fahrzeug emotionaler Rückzugsraum und Identifikationsmittel oder erwünschter Selbstausdruck der Persönlichkeit, vergleichbar mit der Gestaltung der Wohnung oder dem gewählten Kleidungsstil …

Lesen Sie hier den kompletten Blog, wenn Sie erfahren wollen, warum Mobilität für viele Menschen mehr als Transport ist und welche Auswirkungen der Umstand letztlich hat …

Autor: Dr. Gunter Heinickel
Quelle: nimirum.info


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