Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Die Zeit der Verbrennungsmotoren läuft langsam, aber sicher ab.

eCar-Test: Renault Kangoo Maxi 5-Sitzer Z.E.:

Der Abenteurer

23:30 Uhr in der Nacht: Ich bin auf einem gottverlassenen »Merkur«-Parkplatz irgendwo in der Pampa. Eisige Kälte, kein Unterschlupf in Sicht und keine Menschenseele weit und breit. Nur der Tod und ich – von Angesicht zu Angesicht. Mein Puls rast – mein Auto leider nicht…

Text: Daniel Schöppl

Mehr soll an dieser Stelle noch gar nicht verraten werden. Nur so viel: Wie bereits in der letzten Ausgabe fällt auch dieses Mal das Fazit in Form einer persönlichen Kolumne aus. Ich habe bei meiner Testfahrt von Wien nach Spielberg nämlich so einiges erlebt.

Nun aber zum eigentlichen Thema, dem Renault Kangoo Z.E. Der Kangoo Z.E. »tanzt« in der eCarandBike-Berichterstattung etwas aus der Reihe: Er ist unser erstes vollelektrisches Nutzfahrzeug. Umso schöner ist es, dass auch wir eine Premiere für den kantigen »Elektro-Flitzer« sind: Bei der Schlüsselübergabe in der Laaer-Berg-Straße in Wien Favoriten zählt der Renault gerade einmal werksfrische 12 km auf dem Kilometerstand. Beim Einsteigen in den neu angemeldeten Transporter wird schnell bewusst, dass hier andere Bewertungsmaßstäbe anzusetzen sind: Dem Kangoo geht es nicht darum, durch technische »Kinkerlitzchen« zu überzeugen – der Nutzen steht klar im Vordergrund. Er ist sozusagen der »Elektriker für die Elektriker« und als solcher verzichtet er zur Gänze auf Infotainment:  Außerhalb von Reichweite und Kilometerstand »spuckt« er keinerlei Verbrauchswerte aus. Dafür bietet er mit einer Abmessung von 4,7 m Länge, 2,14 m Breite und 1,9 m Höhe viel Platz – und das soll er schließlich auch. Mit einem Laderaumvolumen von bis zu 3.400 l gibt es genügend Stauraum für Werkzeuge und sonstige Gerätschaften. Die Fahrmodi sind schnell erklärt: Entweder man betätigt den »Eco-Modus« oder eben nicht. Entscheidet man sich dafür, wird die Leistung etwas gedrosselt und die Reichweite maximiert.
Nachdem ich von Wien nach Spielberg eine größere Distanz zurückzulegen hatte, habe ich mich für den Eco-Modus entschieden. Auf meinen ersten 80 km von Korneuburg nach Wiener Neustadt hat mich der Kangoo Z.E. aus Sicht der Reichweite überzeugt. Mit einer Restreichweite von 129 km gestartet, hat mir der Elektro-Transporter 45 km Reichweite übrig gelassen und somit nur 4 km mehr Reichweite eingebüßt als behauptet. Auch in weiterer Folge hält sich der Renault sehr zuverlässig an seine Versprechen: Der Kangoo Z.E. rekuperiert bis zum Stillstand und beginnt damit bereits, sobald man das Fuß vom Gaspedal nimmt. Beim Fahren ist das auch spürbar, beeinträchtigt wird das Fahrgefühl dadurch jedoch nicht. So ergibt es sich bei mir letztendlich auch, dass die Reichweite, die der Renault auf dem Display anzeigt, bis auf wenige Kilometer (bei mir nie mehr als im einstelligen Bereich) tatsächlich erreicht werden konnte. An dieser Stelle eine kleine Anmerkung für all jene, die meine anschließende Kolumne lesen: Ich hatte den Kangoo Z.E. für einen Testzeitraum von zwei Wochen und konnte ihn auch abseits der Strecken von Wien bis Spielberg und retour Probe fahren. Einen Minuspunkt gibt es für die Ladedauer: Durch die maximale Ladeleistung von 3,3 kW ergibt sich eine maximale Ladedauer von 11,5 h, wodurch Zwischenladungen de facto keine wahre Option sind. Wenn man jedoch bei der Arbeitsstätte (oder zuhause) eine Lademöglichkeit hat und etwas vorausschauend plant, sollte das kein großes Problem darstellen.
Ich möchte mir hier nicht anmaßen, die Bedürfnisse im Arbeitsalltag eines Bauarbeiters oder Elektrikers zu kennen, schließlich bin ich keiner. Für mich stellt der Renault Kangoo Z.E. aber genau das dar, was er soll: ein zweckdienliches Nutzfahrzeug für den Arbeitseinsatz – und das endlich auch emissionsfrei!
Mein Fazit – eine persönliche Kolumne

Meine Testfahrt mit dem Renault Kangoo Z.E. hat sich zu einem Abenteuer entwickelt und hat mich am eigenen Leibe spüren lassen, dass Elektromobilität ein Umdenken erfordert. Natürlich wusste ich das auch schon zuvor, bin allerdings dennoch sehr leichtfertig in eine »Falle« getappt. So habe ich satte 12,5 Stunden von Wien nach Spielberg gebraucht. Ich wollte meine Erfahrung auch nicht verschweigen, weil sie diesen Umdenk-Prozess etwas hart, aber sehr anschaulich vor Augen führt. Wieso habe ich denn so lange von Wien nach Spielberg gebraucht, wie manche Menschen benötigen, um an das andere Ende der Welt zu reisen? Das erklärt mein erstes »Learning«: In ein Elektroauto steigt man am besten immer vollgeladen ein. Das habe ich nicht gemacht und bin so in die Situation gekommen, dass ich ca. 80 km nach der Abfahrt in Korneuburg bereits das erste Mal in Wiener Neustadt laden musste. Und hier kam die bittere Erkenntnis: Das Auto verfügt nur über eine Ladeleistung von maximal 3,3 kW. Das bedeutet, dass ich nach einer Stunde Laden bei maximaler Leistung eine Reichweite von ca. 20 km erreiche – nicht sehr viel, wenn man noch ungefähr 120 Kilometer von seinem Zielort entfernt ist. Dazu kommt noch, dass ich an der öffentlichen Ladestation meist die maximale Ladeleistung nicht erzielen konnte. Der Kangoo Z.E. ist eben nicht als Langstreckenfahrzeug konzipiert, vielmehr ist er für Kurzstrecken gedacht, bspw. von Kunde zu Kunde. Und hier kommt das zweite »Learning«: Das Elektroauto muss zum eigenen Mobilitätsbedarf passen und dementsprechend sollte man sich im Vorfeld auch informieren – im Falle der Elektromobilität vor allem über Reichweite, Ladeleistung und Ladedauer. Wenn man das nicht macht, kann das – wie in meinem Fall – dazu führen, dass man letztendlich durch seine gemächliche Fahrweise auf der rechten Spur der Autobahn zum Komponisten eines Hupkonzerts wird. Mich haben nicht nur Lamborghinis, Ferraris und Tesla Roadsters überholt. Nein, vielmehr waren es der finnische Lkw-Fahrer und der etwas ältere Herr, vermutlich Pensionist, die mir das Gefühl der Erniedrigung vermittelten und demensprechende Gestiken für mich parat hatten. Viele Stunden nach meiner Abfahrt und einige interessante Erfahrungen reicher, bin ich dann endlich irgendwann an meinem Ziel angekommen. Ich kann nur so viel sagen: Essen und trinken sind tolle Möglichkeiten für die schnelle Zwischenladung, wenn man jedoch gute 8 Stunden an Tankstellen und Parkplätzen verbringt, gibt es nichts mehr, was einem die Zeit vertreiben kann. Bei Minusgraden sei auch dringend davon abzuraten, sich im Auto schlafen zu legen. Doch wie konnte das alles passieren? Ich hatte mehrere Autos gleichzeitig zum Test und war etwas im Stress. Nachdem ich zu diesem Zeitpunkt die anderen Fahrzeuge zumindest schon kurz Probe gefahren habe, kam mir der wenig glorreiche Einfall, meine Reise doch gleich mit dem Test des Renault Kangoo Z.E. zu verbinden – sozusagen »einfach drauf los«. Elektromobilität bedeutet aber nicht »einfach drauf los«, Elektromobilität bedeutet Bewusstsein. Meinen Fehler habe ich bitter bereuen müssen, bin mir aber sicher, dass er mir kein zweites Mal passiert. Mein Appell an alle: Werdet euch bewusst über euren Mobilitätsbedarf und informiert euch, welches Auto dazu passt! Dann steht den Freuden der Elektromobilität nichts mehr im Wege…

Technische Daten

Antriebssysteme:

• System-Leistung: 44 kW (60 PS)

• Max. Drehmoment: 225 Nm bei 2.500 U/min

• Motor: fremderregter Synchronmotor

• Technik: Rekuperation der Bremsenergie

Batteriesystem:

• Typ: Lithium-Ionen

• Batteriekapazität: 33 kWh

• Spannung: 240 – 400 V

• Gewicht: 255 kg

• Position: Unterflur

Reichweite elektrisch: bis zu 270 km

Verbrauch: 15,2 kWh / 100 km

max. Ladezeit an der Wallbox: 11,5 h

max. Leistungsaufnahme: 3,3 kW

Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h

Beschleunigung (0 – 50 km/h): 5,5 sek

Beschleunigung (0 – 100 km/h): 22,3 sek

Abmessungen L x B x H: 4.666 x 2.138 x 1.902 mm

Laderaumvolumen (min./max.): 1.300 / 3.400 l

Leergewicht: 1.630 kg

Höchstzulässiges Gesamtgewicht: 2.270 kg

Preis: ab EUR 27.840,00 in Österreich / ab EUR 27.155,80 in Deutschland

 

Weitere Informationen: renault.at


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