Gedanken zum e-Golf und dessen Reichweite

300 Kilometer reichen

von David Lodahl

Moderne Elektroautos wie der neue e-Golf bieten einen Einsatzradius von rund 300 Kilometern. Klar kommen vergleichbar starke Diesel- oder Benzinmodelle mit einer Tankfüllung deutlich weiter. Doch für wen ist das ein Problem?

Das Elektro-Auto als Trumpf im Quartettspiel Wir lieben Zahlen – besonders beim Autovergleich. Wie viel Leistung? Wie schnell von null auf hundert? Was verbraucht er? Für uns Autokäufer spielen solche Daten bei der Entscheidungsfindung oft eine wesentliche Rolle. Und die Mechanismen sind fast so einfach wie früher beim Quartettspiel. Man legt die Karten mit den Modellen nebeneinander und erkennt sofort, welches das bessere ist.

Ob die volle Leistung tatsächlich gebraucht wird, oder man den Ampelstart im Alltag jemals ausreizt, ist dabei völlig nebensächlich. Für viele zählt nur das theoretische Potenzial des Wagens. Vergleicht man also die Reichweite eines Autos mit konventionellem Antrieb mit der eines Elektro-Mobils, wird die Runde recht eindeutig enden. Im Schnitt schafft ein Benziner-Golf mit einer Tankfüllung von gut 50 Litern etwa 700 Kilometer – der e-Golf, mit vollem Akku, nur 300 Kilometer. Also Stichgewinn für den Verbrennungsmotor – oder nicht?

Lademöglichkeiten überall

Scheint so, als wäre das ein klarer Nachteil für das Elektroauto! Moment, denn das ist nur die halbe Wahrheit. Elektro-Autos müssen zum Auffüllen des Akkus nicht jedes Mal zur Tankstelle fahren. Sie können überall aufgeladen werden, wo Strom anliegt. Sei es über Nacht an der heimischen Steckdose, während des Einkaufs im Supermarkt oder beim Stadtbummel direkt in der Parkbucht. Wer bisher also pro Woche einmal die Tankstelle seines Vertrauens angefahren hat, kann sich dies mit einem Elektroauto jetzt sparen. Stattdessen hängt man den Wagen lieber hier und da ans Kabel, wenn er ohnehin gerade nicht genutzt wird.

Zudem wird beim Vergleich der beiden Antriebs-Konzepte ein Aspekt stets vergessen: Elektromotoren sind in der Lage wie ein Generator zu funktionieren und beim Bremsen Energie zurückzugewinnen. Die Reichweite kann sich auf diese Weise, im Vergleich zu einem Fahrzeug mit herkömmlichen Antrieb deutlich erhöhen. Was sich Rekuperation nennt, ist somit ein echtes Ass auf der Hand. Ein zweites ist die Möglichkeit der Standklimatisierung, die in Elektroautos zum Standard gehört. So kann der Innenraum vorgeheizt oder -gekühlt werden, lange bevor der Fahrer überhaupt seine Jacke angezogen hat. In herkömmlichen Autos ist da schon eine teure Standheizung nötig.

Statistisch abgesichert

Abgesehen von den vielen Vorteilen moderner E-Autos genügen 300 Kilometer Reichweite statistisch gesehen ohnehin locker für sämtliche Strecken, die am Stück gefahren werden. Im Durchschnitt pendelt ein Autofahrer nämlich nur rund 25 Kilometer zur Arbeitsstelle. Das sind 50 Kilometer am Tag.

Für diese Strecke würde sogar der kleinere Lithium-Ionen-Akku aus dem Plug-in-Hybriden Golf GTE2 genügen, der mit 8,7 Kilowattstunden etwa 50 Kilometer weit rein elektrisch und lokal emissionsfrei fahren kann. Die Batterie im e-Golf ist aber viermal größer – würde einmal vollgeladen also für die ganze Woche reichen. Insofern ist ein Elektroauto für die meisten Pendler schon heute mindestens genauso gut geeignet, wie ein Fahrzeug mit herkömmlichen Antrieb.

(Bild: Volkswagen AG)
(Bild: Volkswagen AG)
Hochleistungs-Ladesäulen für kurze Tankstopps

Wer sein Auto nicht nur für die tägliche Pendelstrecke, sondern auch für den Urlaub braucht, dürfte an den großen Fernstraßen in Mitteleuropa mit Leichtigkeit passende Schnell-Ladesäulen finden. Kaffee- und Toiletten-Pausen sind bei längeren Fahrten sowieso ein Teil der Reisezeit. Eine kurze Erholung von zehn bis zwanzig Minuten, alle zwei Stunden – das empfehlen Sicherheits-Institute und Behörden ausdrücklich.

Viel mehr brauchen auch Elektroautos an Hochleistungs-Säulen nicht zum Aufladen. Sobald in zwei Jahren alle 400 HPC-Ladepunkte (High-Power-Charging) aus der Hersteller-Allianz IONITY installiert, dauert der Tankstopp sowieso nur noch zehn Minuten.

Neue I.D.-Familie mit mehr als 400 km Reichweite

Dabei entwickelt sich nicht nur die Lade-Infrastruktur rasant weiter. Auch die Lithium-Ionen-Batterien werden immer leistungsfähiger. Schon die nächste Generation von Elektro-Autos, wie die I.D.-Familie von Volkswagen (ab 2020), soll über Reichweiten von 400 bis 600 Kilometer verfügen.

Bis dahin bieten Hersteller ihren Elektro-Kunden schon jetzt die Möglichkeit, andere Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb für Urlaubsreisen oder Langstrecken zu mieten. Bei Volkswagen ist diese Ergänzungsmobilität beim Kauf eines e-Golfs beispielsweise für 30 Tage im Jahr kostenlos. Mit dem e-Golf im Alltag und dem Passat Variant in den Urlaub – Das sind nun wirklich zwei echte Trumpfkarten in einer Hand!
Quelle: Volkswagen AG

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2 Kommentare

R.Gutzeit 13. März 2018 - 9:18

Die rosarote Schönfärberei ist einfach widerlich. Weshalb versucht man das Elektroauto z.B. in 2018 auf den Markt zu katapultieren, wenn es doch
erst z.B. im Jahre 2022 konkurrenzfähig ist ? Das „Auto“ hat eine extrem lange Entwicklungszeit von z.B. fast 100 Jahren und da fallen Kaufentscheidungen im 5% – Bereich und kleiner. Hat das E-Auto HEUTE 95% – Reichweite ? Das gleiche gilt für die Ladeinfrastruktur. Auch hier wird ideologisch (?) gefärbt. Gibt es HEUTE in 2018 eine gute Ladeinfrastruktur ? Wohl kaum ! Was nützt mir die gute Ladeinfrastruktur von 2022, wenn ich HEUTE in 2018 vor der Kaufentscheidung stehe. Dann zum Gewicht: da schleppt das E-Auto noch viel – zu – viel Gewicht mit herum, das beschleunigt und abgebremst werden muss ! Dann zur Stromerzeugung: haben wir HEUTE in 2018 genug „grünen“ Strom. Wohl nicht ! Der ganze Artikel ist unbrauchbar, weil er nicht in die Zeit passt: HEUTE ist 2018 und nicht z.B. 2022.

Antworten
Thomas Buchbauer 13. März 2018 - 11:35

Lieber User R.Gutzeit!
Wir verstehen Ihren Unmut vollkommen – schließlich geht es vielen so, dass man heute vor der Entscheidung steht, ein neues Auto kaufen zu müssen und nicht erst 2022. Die damit in Verbindung stehenden Unsicherheiten liegen auf der Hand. Trotzdem wird wahrscheinlich kein Weg an batterie- bzw. wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen (oder ähnlichen Konzepten) vorbei führen. Der Weg dorthin ist einerseits spannend (deswegen berichten wir darüber) aber allerdings auch steinig … wie wir alle leidvoll feststellen. Antworten kann aber ohnehin nur die Industrie geben (und hoffentlich möglichst schnell). Deswegen ist jeder einzelne Kommentar – wie auch ihrer – wichtig, um die Hersteller damit zu konfrontieren. Vielen Dank für Ihren Beitrag! Die Redaktion

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